Einmal Schwarzwald

und zurück

Freie Hochflächen, liebliche Täler, klare Seen, plätschernde Bäche und wildromantische Schluchten bestimmen das Bild des Schwarzwaldes. Auf einer Länge von 160 Kilometern von Basel bis kurz vor Karlsruhe. Dort ist Deutschlands höchstes Mittelgebirge nur 30 Kilometer breit. Was Geologen als tektonische Bruchzonen und Verwerfungen bezeichnen, begeistert heute die Besucher als eine abwechslungsreiche Berg- und Tallandschaft. Die einsame Spitze ist der Feldberg mit 1493 Metern. Einst von undurchdringlichen Wäldern bedeckt, wurde der Buckel aus Gneis, Granit, Muschelkalk und Buntsandstein um das Jahr 1000 durch Klöster erschlossen. Mit der Entdeckung von Silber, Eisen, Zinkblende, Muschelkalk und Kobaltvorkommen kam der Aufschwung. Zur Verhüttung wurde nämlich Brennmaterial benötigt. Und das gab’s reichlich in Form von Holz.

Kuckucksuhren
Kuckucksuhren

Der Schwarzwald ist zu zwei Dritteln bewaldet. Neben Reh und Hirsch, Wildschwein und Fuchs leben sogar Gams, Auerhahn und seit 1986 auch der Luchs hier. Die Trocken- und Magerwiesen des erloschenen Vulkans Kaiserstuhl sind Heimat seltener Orchideenarten wie des purpurnen Wiesenknabenkrauts und des nach Zitrone duftenden hellrosa Diptams. Im März blüht die ebenfalls unter Naturschutz stehende hellblaue Küchenschelle. Zudem finden sich auf den Lösswegen Smaragdseidechsen und die nur in Südwestdeutschland vorkommende Gottesanbeterin.

Weltbekannte Wahrzeichen und liebevoll gepflegte Klischees sind die 1737 erfundene Kuckucksuhr und der Bollenhut. Architektonisches Wahrzeichen ist das Schwarzwaldhaus, kulinarisches die Schwarzwälder Kirschtorte und der Tropfen aus den badischen Weinregionen.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Ettlingen

619 Kilometer liegen vor uns, um unser erstes Ziel zu erreichen. Wir wollen – nach Jahren wieder einmal – den Schwarzwald erkunden. Von Norden nach Süden. Der Start erfolgt in den frühen Morgenstunden. Bei azurblauem Himmel und einer Quecksilbersäule, die um die 26/27 Grad klettert. 31 sind’s genau in unserem Gefährt. Teils in flotter Fahrt auf der Autobahn, teils im Stop-and-Go an den Baustellen. Die gibt’s leider viel zu häufig. Nach acht Stunden ist es endlich geschafft. Wir treffen auf dem Stellplatz am Rande  eines Großparkplatzes in Ettlingen ein. „Stellstreifen“ wäre eigentlich treffender. In Längs- und Queraufstellung. Je nach Länge der Mobile. So wie z. B. ein Bürstner-Liner. Unser Troll passt auch nur längs auf den Parkstreifen. Quer würde der Wagen rund einen Meter weit in die Zufahrt ragen. Was natürlich nicht geht.

Sehenswerte Innenstadt
Sehenswerte Innenstadt

Später Ankommende werfen uns missbilligende Blicke zu. Doch auch für sie ist Platz. „Falls die vorhandenen Plätze nicht ausreichen, kann der Parkplatz mitgenutzt werden“, hat der Betreiber erklärt. Dann kommt der Schreck am Nachmittag. Als mein Ehegespons den Kühlschrank von 12 Volt auf Gas umstellt, gibt es nach wenigen Minuten Alarm. Flackerndes Rotlicht. Kein Gas mehr. Da hilft auch nicht das „Spielen“ am Verteiler. Als ich schweißgebadet aufgeben will, hilft mir ein netter Nachbar. Als er hört, dass wir vor der Fahrt die routinemäßige Gasabnahme vornehmen lassen mussten, steht sein Urteil fest. Viel zu viel Luft in den Leitungen. Dann beginnt er mit dem Drücken der Tasten . . . und hat nach einigen Minuten Erfolg. Der Gasherd lässt seine Flammen aufleuchten und der Kühlschrank kühlt ohne flackerndes Rotlicht. Aus dem Stadtbesuch wird dann natürlich nichts mehr. Zum einen viel zu warm, zum anderen sind meine Frau und ich abgeschlafft. Den Besuch der City verschieben wir auf morgen.

Am nächsten Vormittag geht es auf Schusters Rappen Richtung Innenstadt. Einen runde Viertelstunde benötigen wir. Dann wandeln wir in schmalen Straßen. Eine belebte Fußgängerzone, 2000 Jahre Geschichte, 800 Jahre Stadtrecht und der Wiederaufbau um 1700 unter Markgräfin Sibyla Augusta, das ist Ettlingen. Mit mittelalterlichen Gassen und einer historischen Altstadt zum Anfassen. Vergangenheit und Gegenwart, Althergebrachtes und Modernes ergänzen sich harmonisch. Ach ja, da wären ja noch die historischen Dampfzugfahrten durchs Albtal zu erwähnen. Höhepunkte eines jeden Sommers. Die lassen wir allerdings aus. Kehren zum Stellplatz zurück und machen uns auf den Weg nach Sasbachwalden.