Touristen aus aller Welt
Touristen aus aller Welt

"Hier muss es etwas umsonst geben", mutmaßt meine Frau. Gibt es aber nicht. Ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte kostet ein kleines Vermögen. Den Kauf verkneifen wir uns. Statt dessen gibt’s Fleischwurst im Brötchen und Cola. Rund drei Stunden lang genießen wir den Aus- und Anblick. Dann klettern wir in den Bus zurück nach Sasbachwalden. Die Motorbremse braucht der Fahrer kaum auszustellen. Über einige Kilometer geht’s nun mit zwölf Prozent Gefälle bergab. Auf uns wartet ein 30 Grad warmer Troll. Erst gegen Abend wird es ein bisschen kühler. Doch von dem angekündigtem Gewitter mit abkühlendem Regen und frischer Luft keine Spur.

Über diese Brücke zum Platz
Über diese Brücke zum Platz

Schiltach

Schon am frühen Morgen schleudert das Tagesgestirn seine sengenden Strahlen wieder zur Erde. Wir machen uns auf den Weg nach Schiltach. Unser Navi meint es gut mit uns. Vermeidet für etliche Kilometer die Schwarzwaldhochstraße und führt uns über schmale Sträßchen bergauf und bergab. Da heißt es hinter dem Lenker aufgepasst. All zu leicht könnte unser Troll zum Schrotthaufen werden, falls wir zu weit an die steilen Abhänge geraten. Belohnt werden wir durch grandiose Aussichten.

Schwindelerregende Anbauten
Schwindelerregende Anbauten

Dann kommt uns ein Trecker entgegen, der eine große Box auf zwei Rädern hinter sich her zieht. Mitten drin Viecher, schwarz-bunte Rinder, die von einer Weide zur nächsten gebracht werden sollen. Nun geht’s ganz vorsichtig an den „Viehtreibern“ vorbei. Mit eingeklappten Spiegeln. Zentimeter um Zentimeter nach vorn. Auf der einen Seite der sehr stabile Trecker mit seinem noch robusterem Stahlrahmen als Anhängsel, auf der anderen Seite ein steil aufragender Berg. Dann ist es endlich geschafft. Ohne Blessuren. Alle atmen auf, besonders ich.

Endlich kommen wir zur Schwarzwaldhochstraße und damit flott voran. Aber nicht lange. Dann fordert die Dame im Navi zum Abbiegen auf. Ins nächste „Sträßlein“. Mal Anhöhen links und Täler rechts, mal Täler links und Anhöhen rechts. Mit saftigen Wiesen und grasenden Kühen, mit schmucken Mehrfamilienhäusern, mit bunten Fensterläden und roten Blumenkästen. Ganz wie in der vor Jahren gebrachten Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“ mit Dr. Brinkmann.

Marktplatz mit Brunnen
Marktplatz mit Brunnen

Nach knapp 70 Kilometern ist es geschafft. Wir passieren die ersten Häuser der Stadt, die uns von der Gegenwart ohne Vorwarnung ins Mittelalter katapultiert. Als „Städle wie im Bilderbuch“ präsentiert sich uns Schiltach. Die Stadt des Fachwerks, der Flößer und Gerber. Die einzigartigen Bauten der über 700 Jahre alten Stadt mit zahlreichen historischen, kunstvoll renovierten Fachwerkhäusern ziehen uns ebenso in den Bann wie der mittelalterliche Marktplatz mit Stadtbrunnen und das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Nicht zu vergessen: Die vier Schiltacher Museen machen den Besuch zu einem ganz besonderem Erlebnis. Neben dem Marktplatz befindet sich die letzte Gerberei im Schwarzwald und die Schiltacher Schüttesäge.

Die Dame im Navi führt uns rechts abbiegend über die Häberlesbrücke. Unter uns die Kinzig. Mit 96 Kilometern der längste Fluss im Schwarzwald. Vor uns ein Bahnübergang mit geschlossenen Schranken. Wir sollen links abbiegen. Wollen das auch, wenn die Schranken wieder offen sind. Und sehen rein zufällig linker Hand hinter einem großen Geschäftshaus Wohnmobile stehen. Meine Copilotin flitzt aus der Tür. Passantenbefragung ist angesagt. „Nein, Sie müssen wenden. Die schmale Zufahrt liegt hinter bereits Ihnen. Da müssen Sie rein.“ Wir wenden. Die „schmale Zufahrt“ sieht aus wie eine Hofeinfahrt. Ist aber richtig. Nach 100 Metern sind wir am Stellplatz, direkt an der Kinzig. Kosten: 0 Euro, Strom und Frischwasser gegen eine Spende, die dem örtlichen Roten Kreuz zugute kommen soll. Im Laufe des Nachmittags sehen wir weitere Womos auf der anderen Seite des Bahndamms. Ihnen geht es genauso wie uns. Auch sie übersehen die Zufahrt. Werden allerdings nicht durch eine geschlossene Schranke aufgehalten. Nach einem Wendemanöver auf enger Straße trudeln sie nach einiger Zeit auf dem Platz ein.