Nach ausgiebiger Erholungspause geht’s in Richtung Innenstadt. Die ist in wenigen Minuten über eine steile Treppe erreicht. Was wir sehen, verschlägt uns den Atem. Wir kennen Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl und ähnliche Städte. Und auch hier stehen wir mittendrin, zeitversetzt um ein paar Jahrhunderte. Auf dem zentralen, dreieckigem Marktplatz mit Sandsteinbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, Cafés, Kopfsteinpflaster und unterschiedlich hohen Fachwerkhäusern, bestens gepflegt, in verschiedenen Farben und Formen, vielen Verzierungen und farbenfroh. Ein Augenschmaus. Dazu in der Touristinfo im Rathaus von 1593 ein Mann, der sogar am Sonnabend Nachmittag die Stellung hält und überaus freundlich auf sehenswerte Punkte „seiner“ Stadt aufmerksam macht.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Doch bevor wir die Straßen und Gässchen erkunden, lassen wir uns in der „Kaffeebohne“, dem Wirtshaus am Marktplatz, Maultaschen mit Kartoffel- und grünem Salat schmecken. Dann schlendern wir – bei hochsommerlichen Temperaturen eher schleichend – bergauf und bergab. Bestaunen die prächtigen Häuser, die engen Straßen und die steinernen Treppen, die etliche Höhenmeter in der Stadt überwinden. Am Ende steht fest: Um alles zu sehen, bleiben wir noch einen Tag. Dass wir am nächsten Morgen uns das noch einmal überlegen, liegt an unseren Nachbarn gegenüber. Die machen im Sechserpack den Parkplatz zu einem Campingplatz. Mit qualmendem Grillfeuer, auf das immer dann nachgelegt wird, wenn der Qualm anfängt durchsichtig zu werden. Das geht bis in die Dunkelheit so. Als dann der nächste Morgen mit einem lustigen Frühschoppen beginnt, brechen wir auf.

Rausgeputzte Innenstadt
Rausgeputzte Innenstadt

Haslach im Kinzigtal

Unser neues Ziel ist Haslach. Wieder führt uns die Dame im Navi quer durch den Schwarzwald. Sie scheint genau zu wissen, welche Straßen am steilsten und engsten sind. Der Vorteil: Bei solch einer Route gibt’s wunderschöne Ausblicke. Die meine Frau dann genießen könnte. Könnte. Denn in Wirklichkeit hat sie die meiste Zeit die Straße fest im Blick. Versucht um jede Haarnadelkurve zu gucken, damit ich eventuellen Hindernissen in Form von Pkw oder Viehtreibern ausweichen kann.

Stellplatz unter Bäumen
Stellplatz unter Bäumen

Haslach lädt ein als „mittelalterliche Stadt“. Ein schöner Stellplatz, direkt am alten Klostergebäude. Mitten im Grünen und doch stadtnah. Doch das Zentrum enttäuscht uns leicht. Schön geschmückt, doch kein Vergleich mit Schiltach. Vor allen auch durch den ständigen Pkw-Verkehr in der eigentlich recht gemütlichen Fußgängerzone. Das lädt nicht zum längeren Verweilen ein.

Das Rathaus
Das Rathaus

Blick zurück: Im Kinzigtal bei Haslach war der Bergbau im Mittelalter profitable Einnahmequelle. Große Mengen an Silber wurden aus dem Berg geholt. Wäre das Städtchen 1704 nicht fast vollständig durch französische Truppen zerstört worden, wahrscheinlich gäbe es heute ein Menge an architektonischen Schmuckstücken. Wie zum Beispiel das über 250 Jahre alte Rathaus mit seinen bemalten Steinfassaden. 1978 unter Denkmalschutz gestellt, finden sich in der Stadt zahlreiche Brunnen und Kleindenkmale. Auf jeden Fall sollte man das Schwarzwälder Trachtenmuseum (mit über 100 Trachtenfiguren) im ehemaligen Kapuzinerkloster besuchen und das Besucherbergwerk „Segen Gottes“ (zählt zu den bedeutendsten historischen Bergwerken des Schwarzwaldes).

Unser Kleiner, Calle der Zwergteckel, hat seit drei Tagen Durchfall. Nun ist ein Tierarzt angesagt. Den finden wir nur einige Straßen weiter. Die Konsultation dauert nicht lange. Bald sind wir wieder auf Achse.