Echte Schwierigkeiten gab’s beim Bau der heutigen Museumsbahn. Instabile Bodenverhältnisse, zu stützende Hänge, Viadukte, die ähnlich wie in Berlin der Flughafen, die Hamburger Elbphilharmonie oder der Stuttgarter Bahnhof in „die Vollen“ gehen. Der Biesenbach-Viadukt ist zum Beispiel für 70 Meter Länge geplant, wird  aber am Ende 252,2 Meter lang. Für den Epenhofer Talübergang sind 106 Meter vorgesehen, er wird aber 264 Meter lang.

Unser Ziel ist nach rund 60 Kilometern der Stellplatz Bahnhof Blumberg-Zollhaus. Laut Stellplatzführer für fünf Mobile gedacht. Bei einem Restaurant und – ganz wichtig – in der Nähe des Bahnhofs. Mit WC und Duschmöglichkeit laut Werbebroschüre der Stadt Blumberg.

Was ich vorfinde, ist eine Gaststätte, in der die Wirtin mangels Gästen vor der Tür in einem Korbstuhl „ausruht“. Bei ihrem Anblick hätte man mich zu einer Bestellung zwingen müssen, mit vorgehaltener Pistole. Und selbst dann hätte ich mich noch geweigert, etwas zu mir zu nehmen.

Daneben ein großer Parkplatz, auf dem neben Pkw auch Wohnmobile stehen sollen. Befestigt mit Splitt aus Kalkgestein, das erst unangenehm weiße Schuhsohlen produziert und anschließend dem Teppich des Wohnmobils Farbe gibt. Ein Service gleich welcher Art lässt sich nirgendwo entdecken. Selbst ein Papierkorb fehlt hier. Und das Ganze für 7,50 Euro pro Nacht (einschl. Kurtaxe). Kurtaxe wofür? Kein Platz für uns zum Übernachten. Aber ideal für eine Fahrt mit der Sauschwänzlebahn. Pech für uns: Bei unserer Ankunft ist der Zug just abgefahren. Wir müssen vier Stunden warten, bis wir einen Waggon „entern“ können. Jede Menge Zeit, um Karten zu kaufen, sich umzusehen und einen Blick in den Bahnhofsshop zu werfen.

Dann endlich läuft die „Lokomotive 2455 Posen“ ein. Sie wurde 2001 in Rumänien repariert und instandgesetzt. Und versieht – vielleicht für die nächsten hundert Jahre – ihren Dienst auf der 25 Kilometer langen Museumsstrecke zwischen Blumberg und Weizen. Schnaufend und stampfend. Zentnerweise Kohlen verschlingend. Und jede Menge schwarzen und weißen Rauch ausstoßend. Auf freier Strecke zwischen Wiesen und Feldern, durch dichte Wälder und durch Tunnel, die gefühlsmäßig kein Ende nehmen wollen. Erinnerungen werden wach. An die eigene Kindheit. An die Zeit, in der ich in Hessen mit der Dampf-Kleinbahn auf hölzernen Bänken jeden Morgen zur Schule fuhr. An die Zeit, in der wir im Sommer in den damals schon alten Wagen höllisch schwitzten und im Winter mit den Fingerspitzen die zugefrorenen Scheiben auftauten, um hinaus blicken zu können.

Viel zu schnell gehen die drei Stunden Museumseisenbahnfahrt vorbei. Kaum am Troll angekommen, sind wir wieder unterwegs. Diesmal in Richtung Festplatz in Blumberg. Dort gibt es einen Stellplatz für 20 bis 25 Mobile, mit Ver- und Entsorgungsstation und Stromanschlüssen auf jeder Parzelle. Mitten im Grünen und doch am Rande der Stadt. Mit Einkaufsmöglichkeiten ganz in der Nähe. In den 7,50 Euro für die Nacht (zuzüglich 1 Euro für Strom) ist die Konus-Gästekarte enthalten. Mit den zahlreichen Vergünstigungen. Und bei dreimaliger Übernachtung in Folge sogar eine kostenlose Fahrt mit der Museumsbahn. Die schlägt sonst mit 20 Euro pro Person zu Buche.

"Hätten wir das gewusst“, sagt meine Angetraute, „dann hätten wir für die von uns gezahlten 40 Euro etwas anderes unternehmen können.“ Und – um das ganze positiv abzurunden – empfängt uns auf dem Festplatz am Abend beim Kassieren ein Platzwart, der seinen Namen wirklich verdient. Der an Professionalität und Freundlichkeit nicht zu überbieten ist. Wir verbringen eine ruhige Nacht. Ausgeruht brechen wir am nächsten Morgen auf. Es soll ab jetzt nach Norden gehen. In Richtung Heimat.

Nagold ist unser nächstes Ziel. Das sind rund 100 Kilometer. Der Stellplatz am Glockenrain soll es sein. In der Stadt geht es laut Anweisung des Navi aus der Stadt. Durch ein Gewerbegebiet. Dann stehen wir auf einer (kostenlosen) Fläche. Aufgeheizt durch ein hochsommerliches Tagesgestirn, stechende Hitze und flimmernde Luft. Das Thermometer tänzelt um die 32 Grad. Bis zum Stadtzentrum sind es laut Plan rund einen Kilometer. Also schätzen wir, dass es rund zwei Kilometer sind. Das hat die bisherige Erfahrung gezeigt. Wir starten also durch und wollen den zweiten Platz in der Bahnhofstraße und damit in der Stadt anlaufen. Unser Navi soll uns dahin führen. Es bringt uns statt direkt zum Platz erst in die Fußgängerzone, dann über den Marktplatz. Nun soll ich nach rechts abbiegen. Geht aber nicht, denn dort stehen zwei Poller mitten in der Straße. Ein Lieferwagen kommt uns in der ohnehin schmalen Straße entgegen. Ich winke dem Fahrer. Und der hält tatsächlich an. Doch eine Lösung hat er auch nicht. „Dann musst Du Dein Mobil eben über  die Poller tragen“, lacht er. Kurzentschlossen gebe ich im Navi das nächste Ziel ein.