Bettenburgen
Bettenburgen

Am späten Nachmittag bezieht sich der Himmel, fallen ein paar Tropfen. Dann klart es wieder auf. Damp beschert uns vor der Weiterfahrt einen warmen, sommerlichen Abend und eine ruhige Nacht.
Noch in der Nacht wird auch bei uns Realität, was seit Tagen von Bayern bis zur dänischen Grenze Thema ist: Sturm und Regen haben Einzug gehalten. Zum Glück nicht lange. Nach dem gemütlichen Frühstück hellt der Himmel auf, wechseln sich Schauer und Sonnenschein ab. Auf der Fahrt nach Eckernförde und bis in den Abend. Erst ein Bummel durch die Fußgängerzone, zwischen den Ständen des Grünmarktes, der zweimal in der Woche den Rathausplatz mit Leben erfüllt, dann ab zum Hafen. Zwischendurch ein Besuch beim Figaro, um den Kopfputz zu stutzen. Mit einer neuen Übergangsjacke in dunklem Blau kehrt meine Angetraute und ich mit einem Schein weniger im Portemonnaie zurück zum Platz am Grünen Weg. Der ist inzwischen leer geworden. Die Übernachtungsgäste haben ihre Weiterfahrt angetreten. Nach und nach trudeln neue Wagen auf dem Platz ein.

Hafeneinfahrt
Hafeneinfahrt

Apropos Geschichte: Das Gründungsjahr Eckernfördes ist nicht bekannt. 1197 wurde „Godescalcus de Ekerenvorde“ zuerst erwähnt. 1302 erstmals als Stadt bezeichnet. Der Aufschwung kam im 15. und 16. Jahrhundert mit dem Handel in Richtung Osten. Mitte des 18. Jahrhunderts folgte eine wirtschaftliche Blütezeit. Fische und Fischindustrie sind um 1900 dominierender Wirtschaftsfaktor. Rund ein Drittel der 6000 Einwohner lebt davon. Heute spielt der Fremdenverkehr eine große Rolle. Gelegenheit für Freizeitaktivitäten gibt’s genug. Die Palette reicht vom Surfen und Segeln bis hin zum Wandern, dem Tritt in die Pedale auf 350 km Radwanderwegen, Golfen und Angeln. Dazu gibt’s zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Im Museum im Rathaus in wechselnden Ausstellungen, in der Bonschenkocherei, im Hafen der Traditionsschiffe, Bummeln durch schmale Gassen und Sträßchen aus der Gründerzeit oder die Blütenpracht im Kurpark mit der zwei Kilometer langen Promeniermeile.

Stellplatz Damp
Stellplatz Damp

Nach ruhiger Nacht trotz erheblichem Verkehrslärms von der nahen Durchgangsstraße begrüßt uns ein wolkenverhangener aber trockener Morgen. Schon bald starten wir in Richtung Dänisch-Nienhof, unserem nächsten Ziel. Laut Stellplatzführer ein Parkplatz mit fünf Stellflächen ohne Serviceangebot. Was uns in Wirklichkeit erwartet, ist mit dem Wort „Katastrophe“ leicht zu beschreiben. Zwischen hohem Buchenwald und einer tristen Hausfassade ein Stellplatz, der einem Krimi zur Ehre gereicht hätte. Aufgeweichte Fläche mit vielen Schlaglöchern, Sonnenlicht, das nur mühsam seinen Weg durch den Blätterwald findet. Dazu sechs Euro Standgebühr. Zusätzlich 1,50 Euro pro Person als Strandgebühr. Eine Farce. Fazit: Nichts wie weiter in Richtung Laboe, um einen Stellplatz von den 18 vorhandenen zu ergattern.

Stellplatz Laboe
Stellplatz Laboe

Beim Ankommen – im hellen Sonnenschein und bei blauem Himmel – sehen wir allerdings nur drei geparkte Womos und können uns problemlos aufstellen, sogar mit Fernsehempfang. Dann geht’s bei einer frischen Brise in Richtung Marine-Ehrenmal von 1936 (übrigens auch das Jahr der Segelolympiade in Laboe), U-Boot 995 und anschließend zur Promenade am Hafen samt Meerwasserhallenbad. Während laut Wetterbericht und Erzählungen von „Regengeschädigten“ aus Bayern und dem Niederrhein im Süden der Republik immer noch „Land unter“  ist, herrscht hier bei bestem Ausflugswetter Hochbetrieb. Sei noch erwähnt, dass die 5300-Einwohner-Gemeinde am Ausgang der Kieler Förde mit dem 16 Kilometer langem Strand 1240 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Name, früher „Lubodne“, stammt aus dem Slawischen und bedeutet „Schwanenort“. Der Großvogel findet sich heute im Wappen der Kommune ebenso wieder wie in zahlreichen Exemplaren auf dem Wasser der Ostsee direkt an der Kurpromenade. 1643 kam es auf dem „Rütersoll“ zu einer Schlacht zwischen den um die Vormachtstellung an der Ostsee kämpfenden Dänen und Schweden, bei der Laboe fast völlig niedergebrannt wurde.

Heute zieht es rund 25.000 Feriengäste jährlich dorthin und Hunderttausende von Tagesgästen. Laboe besteht aus Unter- und Oberdorf. Das erstere mit dem Hafen samt 700 Sportbooten in der Saison, mit Fischerbooten und den Fähren, die in Richtung Kiel und zurück unterwegs sind.

Yachthafen
Yachthafen

Welch ein Wetter. Es ist der 31. Mai. Im Süden, ob in Bayern oder Baden-Württemberg, immer noch „Land unter“, in Hessen ertrinkt ein Rentner, als er seinen Hund aus den Fluten retten will, das „Erste“ meldet weitere starke Regenfälle fürs kommende Wochenende. Und auf unserer Weiterfahrt in Richtung Heiligenhafen scheint die Sonne. Vom Morgen bis zum Abend. Mit ein paar weißen Wölkchen am sommerblauen Himmel. Fast volles Haus am Steinwarder zwischen Ort und Ostsee. Von den hundert Plätzen sind die meisten belegt. Zwölf Euro, ohne Strom. Eine Steckdose bekommen wir nicht mehr. Aber unsere beiden Solarplatten helfen uns, Kühlschrank und Fernsehen auf Trab zu halten. Bei sommerlichen Temperaturen und einer frischen Brise aus Nordwest geht’s zum Bummel ins Dorf, an den Hafen, seine Mole und zur neuen „Erlebnis-Seebrücke“, die seit kurzem einen Gang über den Wellen ermöglicht. Leider nervt die immer noch vorhandene Großbaustelle gegenüber dem weiträumigem Stellplatz durch das Motorengeräusch der mächtigen Raupen und Bagger.