Zwischenahner Meer
Zwischenahner Meer

In der Heimat von Moin moin

Im Westerwald wurden wir genau so kritisch angesehen wie im Allgäu oder in Nordhessen. Grund war unser freundliches „Moin“, mit dem wir grüßten oder einen „Guten Tag“ erwiderten. „Wissen Sie, wie es spät es ist?“ kam es oft zurück. „Bereits viertel vor fünf!“ Die Gegenüber konnten ja nicht wissen, was „Moin“ bedeutet. Nichts anders als „’n mooien Dag wünsch ik di!“ Heißt vom Plattdeutschen übersetzt: „Einen schönen Tag wünsche ich dir“. „Moin“ ist die gebräuchliche Kurzform in der Landschaft, in der man bereits morgens den Besuch sehen kann, den man mittags bekommt. Daher kann es den ganzen Tag über benutzt werden: „Ich wünsche einen schönen Morgen, Tag, Abend.“ Noch netter kann man eigentlich nicht grüßen. Oder? Egal. Jedenfalls führt uns die letzte Tour in diesem Jahr in die Heimat des „Moin moin“.

Die Mühle im Museumsdorf
Die Mühle im Museumsdorf

Bad Zwischenahn

Erste Station ist Bad Zwischenahn. Für uns eine Strecke von gut hundert Kilometern. Es wären fast zehn weniger gewesen. Aber Umleitungen um zwei Großbaustellen lagen auf unserer Route. Kurz vor Mittag war das Ziel „Am Badepark“ erreicht. Mit Baden war natürlich um diese Jahreszeit nichts mehr. Das Freibad geschlossen und damit auch WC und Dusche. Der Stellplatz für 35 Mobile immerhin noch zu einem Drittel belegt. 8,50 Euro pro Nacht, einschl. Kurtaxe. 1 Euro=2kWh, für 2 Euro Strom bis zum Stecker rausziehen. Also Stecker rein, Geld eingeworfen, Kühlschrank umgestellt, schick gemacht und los. Eine der wenigen Male, wo kein Tee im Land der Teetrinker vor dem Aufbruch auf dem Tisch steht. Den gibt’s erst nach dem Ausflug in die Stadt und ans Meer. „Meer?“ „Ist doch bloß ein See!“ Genau. Und das ist die zweite Besonderheit im Ammerland und in Ostfriesland. Einen See wie auch Reste der Moorkultivierung nennt man hier „Meer“. Das Zwischenahner Meer ist übrigens mit 5,5 Quadratkilometern das drittgrößte Gewässer in Niedersachsen. Es entstand durch das Verschwinden einer Salzablagerung in der Erde und anschließende Versackung des Bodens. Das Meer aber (z. B. die Nordsee) ist hier die See. Ist doch gar nicht so schwer.

Ammerländer Bauernhaus
Ammerländer Bauernhaus

Bad Zwischenahn, die Perle des Ammerlandes, anerkanntes Moorheilbad seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Dorado für Wanderer, Wassersportler, Radfahrer. An Land lässt sich das Meer auf einem rund zwölf Kilometer langem Weg umrunden. Dabei bietet sich die Möglichkeit, auch den einen oder anderen Blick auf die Schiffe der „weißen Flotte“ zu werfen, die auf dem Wasser kreuzen. Das geht zu jeder Jahreszeit. Beschränkungen sind allerdings Seglern, Paddlern und Windsurfern auferlegt. Die müssen ihre Boote und Bretter vom 15. Oktober bis zum 31. März an Land lassen. Motorboote dürfen überhaupt nicht aufs Wasser. Dann ist „Ruhezeit“ fürs Meer. Es wird zum Quartier für viele Zugvögel. Untersuchungen haben gezeigt, dass hier rund 48 Vogelarten rasten oder überwintern. Das sind an einzelnen Tagen im Winter bis zu 16.000 Wasservögel. Nur die „weiße Flotte“ und die Fischer dürfen während dieser Zeit raus.

Der Spieker, ein beliebtes Lokal
Der Spieker, ein beliebtes Lokal

Wer ein bisschen Zeit mitbringt, sollte sich eine Fahrt mit der „Emma“ nicht entgehen lassen. Die Nostalgiebahn auf Gummirädern fährt täglich durch das Freilichtmuseum „Ammerländer Bauernhaus“ entlang der belebten Einkaufsmeile zum Marktplatz und der Plastik des Riesenwels. Sogar die Reporter der „New York Times“ waren da, um den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, als Ende der 70-er Jahre die Geschichte vom mindestens 3,50 Meter langen Wels aus dem Zwischenahner Meer um die Welt ging. Wirklich gesehen hat den Fisch, der in den Schlammtiefen des Wassers leben soll, allerdings niemand. Trotzdem: Die Geschichte ist geblieben und auf dem Marktplatz erinnert eine Bronzeplastik an die ammerländische Variante von „Nessy“.

Eingang zum Spieker
Eingang zum Spieker

Dann bringt die Bahn ihre Fahrgäste raus zum Speckgürtel der Gemeinde, dem Ortsteil Specken.  Vorbei an den zahlreichen Baumschulen mit ihren kleinen und großen Kunstwerken aus Bäumen, Sträuchern oder Ziergehölzen. Tausende von Rhododendren blühen im Frühjahr um die Wette. Wir hatten nun fast Mitte November Pech. In der Woche hat die kleine Bahn ihre Fahrten gehörig „eingedampft“. Und die Rhododendrenblüte liegt lange zurück. Nach dem großen, anschließenden Rundgang durch die Stadt und am Meer entlang, geht’s zurück zum Troll. Zum eingangs aufgeführten Tee. Teestunde mit nahtlosem Übergang in die „blaue Stunde“, die Zeit, in der der Tag der Dämmerung weicht und die Nacht beginnt. Als ich am frühen Morgen so gegen sechs aufwache, blinkt der Kühlschrank. Kein Strom mehr. War also nichts mit „für zwei Euro Strom bis zum Abwinken“. In der nächsten Regenpause flitze ich ins Freie und lege nach.