So wurden Bretter gesägt
So wurden Bretter gesägt

Keinen Gebrauch machen wir von der Möglichkeit, die Rente zu verdoppeln. Obwohl sich im Mai 2000 ein damals 48-jähriger Auricher mit einem geringen Einsatz in der Spielbank der Stadt den europaweit höchsten Gewinn an einem Automaten sicherte. Er trat die Heimreise um 4,58 Millionen Mark reicher an. Wir wechseln vom Ammerland ins Rheiderland. Das reicht im Norden bis an die Küste.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Ostrhauderfehn

Nach einem schönen und sonnenreichen Tag erreicht uns in der Nacht das angekündigte Tief von der Nordsee. Es gießt in Strömen. Das Nass von oben geht am Morgen in einen mehr oder weniger starken Nieselregen über. Immer wieder „aufgepeppt“ durch kräftige Schauer. Das Novemberwetter bleibt uns den ganzen Tag treu. Während der Fahrt und auch auf dem Platz hinter dem Rathaus in Ostrhauderfehn. 5 Euro für 24 Stunden Standzeit, 1 Euro für 2 kWh Strom. Geräumige Stellflächen, pieksaubere Sanitäreinrichtungen. Es reicht nur zu einem kurzen Spaziergang rund um die nahegelegene Kirche. Dann geht’s zurück zum Troll und zur geliebten Teepause. Ohne Kluntjes und Sahne aber mit Spekulatius. Lecker.

Mühle in Idafehn
Mühle in Idafehn

Die Endung „Fehn“ stammt übrigens aus dem niederländischen (Veen) und bedeutet „Moor“. Die Entwässerungskanäle in diesen ehemaligen weiträumigen Moorgebieten sind die „Wieken“ und Schloote. Sie wurden im 17. Jahrhundert von Siedlern gegraben, um das Moor trockenzulegen und abzubauen und anschließend auf den breiteren und schiffbaren Kanälen abzutransportieren. Begleitet werden sie von festen Straßen, auf denen früher die Kähne „getreidelt“, also gezogen wurden. Heute ideale Trassen für Fahrradausflüge. Kein Berg, keine Höhenunterschiede sind zu überwinden. Überqueren lassen sich die Wieken und Kanäle über Klappbrücken. Schleusen halten den Wasserstand in gewünschter Höhe. Die Kolonisten siedelten sich beiderseits an. Es entstanden endlos lange Reihendörfer mit Fehnsiedlungshäusern. Wie Perlen auf einer Schnur.

Klappbrücke in Rhauderfehn
Klappbrücke in Rhauderfehn

Die Geschichte von Ostrhauderfehn beginnt 1765. Fünf Kaufleute richten ein Gesuch an den König von Preußen und bitten um Überlassung der gesamten Hochmoorflächen im nördlichen Overledingerland, um hier ein neues Fehn anzulegen. Sie erhalten eine Verleihungsurkunde und beginnen Kanäle zu graben, Torf abzubauen und das Land urbar zu machen. Sehenswert: Der Galerieholländer in Idafehn, 1891 erbaut, im November 1972 durch einen Orkan zerstört und 2001 wieder aufgebaut. Wer möchte, kann sich hier trauen lassen. Die Schleuse im Hauptfehnkanal. Anfang der 90-er Jahre als typische Fehnanlage wiederhergestellt. 55 Meter lang, 5,4 Meter Durchfahrtbreite, mit zwei Flut- und Ebbetorpaaren ausgestattet. Die alte Schmiede von 1890 in Potshausen. Bis Ende der 70-er Jahre in Betrieb, vor dem Verfall durch Abbruch und Neuaufbau an einem anderen Standort gerettet.

Alle paar Meter eine Klappbrücke
Alle paar Meter eine Klappbrücke

Papenburg

Der Regen versiegt am Abend. Die Wolken verziehen sich über Nacht und der Morgen bringt uns einen strahlend blauen Himmel mit viel Sonnenschein. Der hält doch glatt den ganzen Tag über an. Begleitet uns auf unserer Fahrt nach Papenburg. Ich mache endlich das Foto von der Windmühle in Idafehn. In Rhauderfehn wird nach gut zwei Kilometern ein Stopp eingelegt. Klappbrücke und Hafen mitten im Dorf, Schleuse und Stellplatz an der Paddel- und Pedalstation lichte ich ab. Dann geht’s weiter Richtung Papenburg.

Zweimaster in der Stadt
Zweimaster in der Stadt

Und Papenburg hat mit dem Hauptkanal mitten durch die Stadt und den Replikaten der Traditionsschiffe ein Pfund, mit dem sich touristisch wuchern lässt. Unseren Troll parke ich auf dem Großparkplatz für Pkw und Mobile unweit des Zentrums. Dann geht’s zu Fuß zu den optischen Highlights. Wir schlendern am Kanal entlang, erfreuen uns an den Oldtimern auf dem Wasser und am Freilichtmuseum. Über das gesamte Stadtgebiet verteilt sich das Schifffahrts-Museum. Sechs in Originalgröße nachgebaute Papenburger Segelschiffe aus dem  19. Jahrhundert ziehen unsere Blicke ebenso auf sich wie die zahlreichen Klappbrücken über den Kanal. Die Replikate der historischen Schiffe haben die Papenburger Bürger den Lehrlingen der Meyer-Werft zu verdanken.