Sonnenaufgang
Sonnenaufgang

Weener

Es dauert nicht lange, die wenigen Kilometer nach Weener zurückzulegen. Der Stellplatz am Alten Hafen ( um 1570 angelegt) ist unser Ziel. Nicht zum ersten Male. 7,50 Euro ohne und 10 Euro mit Strom. Vorn ist bereits alles besetzt. Wir müssen am Hafen Richtung Ems ausweichen. Platzwartin Hanna Oltmanns: „Donnerstag Nacht ist eine Schiffsüberführung von der Meyer-Werft. Suchen Sie sich hinten einen Platz.“ Also suchen wir hinten. Stellen uns in Längsrichtung auf, weil wir sonst vorn die Hälfte des Fußwegs am Hafen entlang und hinten ein Viertel der Fahrbahn blockieren. Danach brechen wir zur Stadtbesichtigung auf. Die meisten Geschäfte sind allerdings geschlossen. Es ist Mittwoch Nachmittag. Wir staunen, wie gut das älteste Haus der Stadt aus dem  Jahre 1660 erhalten ist. Ein prächtiger Renaissancegiebel mit gemauerten Entlastungsbögen über den Fenstern, 1954 restauriert. Nach Expertenmeinung ist das Gebäude, das auch heute noch bewohnt wird, um rund hundert Jahre älter.

Die Torfwiefken
Die Torfwiefken

Der staatlich anerkannte Erholungsort mit seiner über 1000-jährigen Geschichte ist das Zentrum des Rheiderlandes. Neben dem historischen „Alten Hafen“ wird das Stadtbild von Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert geprägt. Einst Heimathafen stolzer Segler mit Zugang zu den Weltmeeren. Heute ein El Dorado der Sportskipper. Im „Marina-Park“ sind Häuser mit Anlegestellen und Bootsgaragen verbunden. Nicht zu vergessen: Weener liegt mitten in der reichsten Orgellandschaft der Erde. Die Georgskirche in Weener hütet einen musikalischen Schatz. Eine der wenigen erhaltenen Orgeln von Arp Schnitger. Musikstudenten aus aller Herren Länder üben im Sommer an diesem Instrument; ebenso an weiteren historischen Orgeln im Organeum wenige Meter entfernt in einer alten Villa. Und die Stadt liegt an der Internationalen Dollart-Route, verbunden mit der Deutschen Fehnroute.

Einkehr beim Holländer
Einkehr beim Holländer

Der alte Hafen am Stellplatz ist Ankerplatz für viele historische Schiffe. Früher brachten sie auf dem Wasser den Brennstoff Torf in die Stadt. Frauen mussten die Schiffe bei Abwesenheit der auswärts arbeitenden Männer entladen. Daran erinnert noch heute die Bronzeplastik der „Torfwiefken“ von 1991 am Kopfende des Hafens. Wir kehren beim Holländer im Zentrum ein. Der gute Mann, der uns leider seinen Namen nicht verraten hat, betreibt hier seit einem halben Jahr mit seiner Frau ein Café. „Bei uns kommen die Touristen“, gesteht er. „Die Einheimischen kehren hier nicht ein.“ Zu Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne lädt der Kundenstopper vor der Tür ein. Die bestellen wir uns. Dazu einen Capuccino. Was dann nach rund zehn Minuten auf dem Tisch steht, hatten wir nicht erwartet. Nicht nur lecker, sondern superlecker. Wenn wir wieder in Weener sind, wird das Ganze noch einmal bestellt.

Am Spätnachmittag kommen wir zum Troll zurück. Finden einen Zettel am Wagen: „Hallo OHZ! Ich muss Sie bitten das Fahrzeug der Platzordnung entsprechend zu parken. Wir erwarten sehr viele Gäste, da kann man auch keine Ausnahme machen. H. Oltmanns“. Oh je. Hier wird die Parkordnung streng gehandhabt. Ich stelle um. Nun rage ich mit dem Bug einen guten halben Meter in den Fußgängerweg am Hafen und blockiere mit dem Heck ein Viertel der Zubringerstraße. Und hoffe, dass mir nachts keiner in den Fahrradträger brettert. Alles geht gut. Auch wenn die Nacht keine ruhige wird. Kaum eine Viertelstunde vergeht, in der nicht an unserem Wagen, dicht hinter unseren Köpfen, Kfz vorbeihuschen. Oft so dicht und schnell, dass sich der Wagen vom Windzug schüttelt. Ich habe das Gefühl, an einer Durchgangsstraße zu liegen. Irgendwann wird es hell.  Der Morgen graut. Mir graut’s dann nicht mehr. Blutrot steigt die Sonne empor. Ich versuche, den Feuerball mit der Kamera einzufangen. Ich bin zu langsam, komme – weil ziemlich müde – nicht schnell genug hoch. Es wird zwar noch ein schönes Foto, doch es hätte noch besser sein können.