Bunde

Nach dem Frühstück und dem Entsorgen von Grauwasser und Toilette geht’s ab nach Bunde. Wir verzichten gern auf den Anblick des neuesten Kreuzfahrtschiffes, das in der kommenden Nacht – gegen 4.30 Uhr – auf der Ems gen Norden vorbeigeschleppt werden soll. Zahlreiche Wohnmobilisten warten zum Teil seit Tagen am Alten Hafen in Weener geduldig auf dieses Schauspiel. Trocken ist es auch, als wir keine zwanzig Kilometer weiter am Ziel ankommen. Unterwegs erreichen uns die im Wetterbericht angekündigten Regentropfen. Die kommen auch im Verlauf des Tages immer wieder. Aber überwiegend bleibt es trocken. In Bunde finden wir einen kleinen, gemütlichen Platz am Ortsrand vor. Direkt neben dem Friedhof. Für Pkw und Mobile. Ruhig, sehr ruhig. Wir sind allein. Hier wäre die Nachtruhe garantiert ungestört. Für uns aber zu ruhig. Nach einem kleinen Rundgang mit Blick auf die romantische Kirche und den Galerieholländer geht’s weiter. Als nächstes Ziel ist Leer angepeilt.

Museumskutter
Museumskutter

Leer

Leer ist von Bunde kaum einen Katzensprung entfernt. Wir sind bald da. Wollen auf dem Parkplatz Große Bleiche übernachten. Geht aber nicht. Dort stehen drei Mobile. Aber soweit auseinander, dass für sie jede Menge Raum zwischen den Wagen aber zu wenig für einen Neuankömmling ist. Der Parkplatz selbst ist von Pkw bis auf den letzten Platz ausgebucht. Also weiter. Meine Ingrid interviewt eine Politesse, die zufällig am Straßenrand steht. Die weiß Rat. Einmal im Karree, dann über die Brücke am Hafen und auf der anderen Seite auf einen zweiten Stellplatz. Ebenfalls zum Nulltarif aber ohne Strom und Wasser. In  drei Minuten ist es geschafft. Wir haben einen Platz für die Nacht. Auf Service können wir verzichten.  Strom liefern uns unsere beiden Akkus, und Wasser haben wir noch jede Menge.

Vorn das "Keerlke"
Vorn das "Keerlke"

Dann starten wir in Richtung Museumshafen und in die Fußgängerzone. Da die Sommersaison und die Ferienzeit vorbei ist, lässt sich die „Heerschar“ der Passanten überblicken. Schon von weitem grüßt das mächtige Rathaus, das Wahrzeichen der Stadt. Aufwändige Deckenmalereien im Innern, Mosaikfußböden und beeindruckende Säle, die außergewöhnlich sind. Zeugen einer Epoche, in der Leer als Handels- und Hafenstadt an der Leda schon in frühester Zeit große Bedeutung erlangt hatte. Wie reich die Stadt war, kann man noch heute bei einem Gang durch die historische Altstadt erkennen. Doch bevor wir uns den Kostbarkeiten an Land zuwenden, besichtigen wir die Kostbarkeiten auf dem Wasser. Im Museumshafen, gegenüber dem Rathaus von 1894, zeigt sich, wie lebendig Geschichte in Gegenwart und Alltag sein kann. Da liegen Traditionsschiffe an der Pier, die hundert Jahre und mehr auf dem Buckel haben – und noch fahrtüchtig sind. Unter ihnen mit sage und schreibe sechs Metern der kleinste Schlepper Europas, das „Keerlke“.

Altstadtstraße
Altstadtstraße

Wir bummeln vom Hafen in die Altstadt. Kleine Läden, Teestuben und Restaurants laden ein zum Stöbern, Verweilen und Genießen. Klar, dass sich mein Ehegespons diese Einladungen nicht entgehen lässt. Ein Geburtstagsgeschenk für ihre Schwester bei Bünting, für uns beide je ein Glas „Wintermärchen“ bei Tchibo und für Zuhause ein hübsches, buntes Glas mit Eulenmotiven, das mit einem Teelicht im Innern für echte Gemütlichkeit sorgen kann.

Doch es gibt noch viel zu sehen. Waage und Evenburg, Haneburg und Harderwykenburg, Philippsburg und Haus Samson warten auf uns. Ach ja, im „Haus Samson“ in der Rathausstraße aus dem Jahre 1643, seit Generationen in Besitz der Familie Wolff und als Weinhandel bekannt, erstehe ich eine Flasche „Ostfreeske Brannwien“. Mal seh’n wie der schmeckt. In der ersten und zweiten Etage kann man während der Öffnungszeiten ein privates Museum ostfriesischer Wohnkultur besichtigen. Übrigens wird das Gebäude als das schönste Haus in der Stadt bezeichnet. Ein Prachtstück ist neben der Fassade auch die Eingangstür mit ihren barocken Ornamenten und dem zierlichen Oberlicht.