Blick auf die Ratsdelft
Blick auf die Ratsdelft

Inzwischen ist es draußen schummrig geworden. Dazu kommt wieder Nebel auf. So dicht, dass ein Blick über den Hafen im weißen Dunst verschwindet.. Wir machen es uns drinnen gemütlich, zumal heute auch wieder Fernsehen möglich ist. Gestern Abend hatten wir ein Bild ohne Bild. Die Flimmerkiste behauptete „Kein Signal“. Dem war nichts entgegenzusetzen. Draußen füllt sich während dieser Zeit der Stellplatz beinahe bis auf die letzte freie Fläche. Obwohl heute der 15. November eingeläutet wurde.

Der nächste Morgen bringt – im Gegensatz zum Wetterbericht – Sonne und einen blauen Himmel. Bis in die Mittagsstunden. Dann ziehen Wolken auf, es trübt ein, bleibt aber trocken. Vom Westen weht ein echter Novemberwind über den Hafen. Wohl dem, der eine dicke Jacke hat. Wir machen uns noch einmal auf die Socken in Richtung Innenstadt. Bummeln über den Grünmarkt. Ingrid kauft Wolle ein, aus der weihnachtlich rot-grüne Topflappen werden sollen. Und beginnt tatsächlich nach dem Eintreffen beim Troll und der ersten Tasse Tee mit dem Häkeln der Küchenhelfer. Von einem dritten Ausflug in die Stadt sehen wir heute ab und machen es uns für den Rest des Tages auf unserer Landyacht gemütlich. Dass es draußen merklich kühler wird, sehen wir an der nun beschlagenden Frontscheibe, die uns langsam die Sicht auf den Hafen vor uns nimmt.

Hafenidylle
Hafenidylle

Greetsiel

Am Morgen begrüßt uns feuchtes, diesiges Wetter. Windstill mit einem bis an den Horizont grauem Himmel. Novemberwetter von seiner besseren Seite. Es könnte ja auch regnen und stürmen. Wir frühstücken, entsorgen und machen uns dann auf den Weg. Da es nur rund zwanzig Kilometer sind, haben wir jede Menge Zeit. Gegen zehn geht’s dann wirklich los. Nach dem ziemlich vollen Platz in Emden sind wir gespannt, wie voll es in Greetsiel sein wird. Und sind entspannt als wir sehen, dass der Großteil der 55 Plätze frei ist. Wir suchen uns einen im hinteren Teil aus, parken ein, Stromkabel anschließen und Geld einwerfen.

Schöne Eingangstür
Schöne Eingangstür

Das dauert nicht lange. Was dauert, ist die Stromlieferung. Sie kommt nicht. Drei Euro futsch. Nächster Anschluss. Vorsichtshalber erst einen Euro für acht Stunden in den Schlitz. Wieder eine Niete. Geld weg aber keine Energie. Geld zurück geht auch nicht. Ab zum Nachbarn: „Mache ich etwas falsch?“ „Nein“, sagt der, „da müssen die Steckdosen kaputt sein. Nummer vier geht noch, das habe ich vorhin gesehen.“ Also rein mit dem Stecker in Nummer vier, Geld nachgeworfen . . . und Strom kommt. Erst mal einen Euro. Dann sehen wir weiter. Leider kein Platzwart vorhanden, bei dem ich meine vier Euro zurückholen kann. In Greetsiel wird die Anlage nur stundenweise betreut. Und im November ist völlig offen, ob nicht nur alle paar Tage jemand vorbeischaut, um die Geldbehälter zu leeren.

Krabbenkutter im Hafen
Krabbenkutter im Hafen

Es ist immer noch trocken, als wir ins alte Fischerdorf mit dem über 600 Jahre alten Hafen aufbrechen. Trocken und dunstig, feuchte Luft, aber so, dass sie gut zu ertragen ist. Wir sind auch hier nicht zum ersten Male und kennen Dorf und Siel, Krabbenfischer und Wanderwege auf dem Deich. Und wir sind auch heute nicht die einzigen. Obwohl die Novembermitte bereits überschritten ist, tummeln sich in den Nachmittagsstunden zahlreiche Tagesgäste in den Straßen. Bummeln an den teilweise offenen Lädchen vorbei oder decken sich mit kleinen Mitbringseln ein. Unser Mitbringsel an diesem Sonntag Nachmittag besteht aus leckeren Fischbrötchen und einer Tüte Kluntjes. Die sind uns nämlich ausgegangen und werden für den obligatorischen Tee beim Heimkommen unbedingt gebraucht.

Geschäftszeile am Deich
Geschäftszeile am Deich

Greetsiel gilt landauf landab als die Puppenstube Ostfrieslands. Vor historischer Häuserkulisse am Deich aus dem 17. Jahrhundert legen damals wie heute Krabbenfischer mit ihren Kuttern an. Hier ist mit 25 Einheiten die größte Kutterflotte Ostfrieslands beheimatet. Historische Zwillingsmühlen sind das Wahrzeichen des Dorfes. Orkantief „Christian“ hat der einen allerdings am 28. Oktober 2013 die Mühlenkappe samt Flügeln, die Galerie sowie Mauerteile am Galerieausgang und am Anbau weggerissen. Nun wird für den Wiederaufbau gesammelt.