Der Stellplatz
Der Stellplatz

Horumersiel

Regen prasselt nachts aufs Dach unseres Troll. Hört auch am Morgen nicht auf. Geht in mittelprächtige Schauer über, aber ohne Pause. Meine Ingrid möchte am liebsten gleich Richtung Steden aufbrechen. Ich aber nicht. Wir machen also einen Kompromiss. Wir fahren nicht nach Dornumersiel wie geplant, sondern nach Horumersiel. Ein bisschen weiter Richtung Wesermündung und damit näher dem Kreis Osterholz. Dabei wechseln wir vom Rheiderland ins Wangerland. Der Scheibenwischer kommt auf der Straße nicht zur Ruhe. Er hat zwar keinen Dauereinsatz mehr wie bei der Abfahrt vor dem Ocean Wave, aber arbeiten muss er immer wieder.

Im Hafen fehlen die Sportboote
Im Hafen fehlen die Sportboote

Der Stellplatz liegt außendeichs. Vor dem Siel am Yachthafen. Schnittige Motor- und Segelyachten gibt’s in dieser Jahreszeit natürlich nicht mehr anzusehen. Dafür aber hat ein rot-weißes Boot der Wasserretter festgemacht, der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. An der Pier mit Blick aufs Watt und Meer stehen gerade mal zwei Mobile. Wir suchen uns einen Platz. Von April bis Oktober kostet hier die Übernachtung 10 Euro, plus 2,90 Euro Kurtaxe für Erwachsene und 3,10 Kurtaxe für unseren Zwergteckel. Macht summa summarum 18,90 Euro pro Nacht. Ganz schön happig.

Nach Norden gibt's die See
Nach Norden gibt's die See

Nicht so von November bis Ende März. Dann ist alles frei. Dann gibt’s aber auch keinen Strom, kein WC, keine Ver- und Entsorgung, keine Dusche, kein WLAN und auch keine kleine Kneipe am Hafen. Die hat dicht. Dicht ist bei unserer Ankunft ebenfalls die Sicht übers Watt und damit der Blick zur Nordsee. Regenwolken haben alles Grau in Grau getaucht. Dazu ist es ziemlich diesig. Die sommertags schöne Aussicht verläuft sich im nebligen Nichts. Außerdem tröpfelt es immer wieder von oben. Für einen Weg zum Dorf ziemlich nass. Was tun? Wir wollen nicht nur hinter der Frontscheibe Blicke auf das Novembergrau vor uns werfen. Beschließen – natürlich bei einer Tasse Tee – weiterzuziehen. Gott sei dank sind wir ja mobil. Also Sitze geradegerückt, dem Navi das neue Ziel eingegeben, und los geht’s. Wir wollen Jever anlaufen. Stadtbesichtigung ist auch bei (leichtem) Regen möglich.

Das Schloss
Das Schloss

Jever

67 Kilometer müssen wir zurücklegen. Anfangs noch in Regenschwaden. Dann kommen die Scheibenwischer immer weniger zum Einsatz. Kaum zu glauben, dass sich das Wetter bessern will. Der Stellplatz am Sport- und Freizeitzentrum ist schnell gefunden. Ein Mobil steht auf dem kleinen Platz. 8 Euro soll es kosten. Einschließlich einer Wertmarke für Strom oder Wasser. Bezahlen und Wertmarke abholen muss ich mir allerdings in einer rund 300 Meter entfernten Tankstelle. Meine Ingrid erklärt sich bereit, den Weg auf sich zu nehmen. Ich lege unterdessen das Kabel zur Steckdose, inspiziere Stromkästen, wie ich sie bisher noch nie auf einem Stellplatz angetroffen habe. Dann kommt meine Angetraute zurück. In der Hand einen kleinen blauen Zettel, auf dem handschriftlich die Ankunftszeit vermerkt ist. Bestätigt mit einem kleinen Stempel. In der anderen Hand die Wertmarke. Ein Messingstück, ähnlich wie ein Einkaufswagenchip. Der passt in den Schlitz des Stromverteilers. Nun haben wir Strom. Zwei Minuten später sind wir auf dem Weg in die Stadt, die durch das dort gebraute Bier von der Nordsee bis in die Alpen bekannt wurde.

Fußgängerzone
Fußgängerzone

Wir bummeln durch die Fußgängerzonen der rund 1.000 Jahre alten Stadt, über den Alten Markt – auf dem gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wird – hin zum Schloss. Umgeben von einem idyllischen englischen Garten zählt es zu den schönsten Baudenkmälern in Nordwestdeutschland. Zu den Highlights bei Besuchen zählen die historischen Räume wie Gobelinsaal oder die Fürstliche Galerie oder auch die kostbaren Zeugnisse des städtischen  und ländlichen All- und Festtags. Audio-video-guides  oder die virtuelle Rekonstruktion des Schlosses um 1720 ermöglichen uns Einblicke in die Geschichte des Landes und des Bauwerks. Das Schloss geht übrigens auf eine Wehranlage des 14. Jahrhunderts zurück. Festungscharakter erhielt die Burg vor allem durch den massiven Bergfried, um den im 15. und 16. Jahrhundert eine Vierflügelanlage errichtet wurde.

Das Denkmal für die letzte Regentin
Das Denkmal für die letzte Regentin

Auf dem Weg zum Sitz der von und zu Jever kommen wir am Fräulein-Marien-Denkmal vorbei. Es erinnert seit dem 400. Geburtstag im Jahre 1913 an die letzte Regentin der Stadt. Die Tochter des Häuptlings Edo Wiemken des Jüngeren starb 1575 und hatte das Jeverland, da sie selbst ohne Nachkommen war, Oldenburg vermacht. Ihr zu Ehren erklingt jeden Abend das Marienläuten – im Sommer um 22 und im Winter um 21 Uhr.

Auf dem Alten Markt errichten bei unserem Aufenthalt fleißige Handwerker die Buden für den nahen Weihnachtsmarkt. Für den „Sagenbrunnen“ haben sie nur ein „kleines Loch“ gelassen. Aber ausreichend, um ihn und seine frei beweglichen Figuren zu besichtigen. Ob „Horand der Sänger“, „Maria von Jever“, „Graf Anton Günther von Oldenburg“, „Der Scheeper Hase“ oder auch „Das Hexenschiff fährt über die Jade“ – alle Figuren haben ihre eigene ungewöhnliche Geschichte.

Früher prägte der Alte Markt das jeversche Stadtbild, war Schauplatz großer Vieh-, Kram-  und Spezialmärkte. Ist auch heute noch Veranstaltungsort für den Kiewitt-Markt, den Brüllmarkt, das Altstadtfest und andere, wie z.B. den Weihnachtsmarkt.