Der Stellplatz
Der Stellplatz

Nach

Bad  Marienberg

und zurück

Oktober ist's und schon recht kalt. Was zu dieser Jahreszeit im Westerwald angemessen ist oder nicht, mag ich als sturmerprobter Norddeutscher nicht zu beurteilen. Zwischen Weser und Elbe bewegt sich die Quecksilbersäule zu dieser Jahreszeit weit oberhalb der 0-Grad-Marke. Aber in der bergigen und waldreichen Landschaft ist auf jeden Fall die dicke Jacke angesagt. Zwar steht das Tagesgestirn am azurblauem Himmel, doch echte Wärme kann es in der Gegend, in der nach dem bekannten Lied ". . . über deine Höhen weht der Wind so kalt . . . " nicht mehr vermitteln. Ziemlich unangenehm sind die Böen, die übers Land streichen.

Über Höhen und durch Täler sind wir dem Ruf des "Stellplatzführers" zum ersten Treffen gefolgt. Über 400 Kilometer sind zu fahren. Doch es läuft gut an diesem 3. Oktober, dem "Tag der deutschen Einheit". Nur ein paar unbedeutende Staus auf den Autobahnen gen Süden trotz dichten Ausflugsverkehrs. Nach rund fünf Stunden ist der Stellplatz hinter der Therme in Bad Marienberg erreicht.

Bad Marienberg

Nach dem Passieren des Tores, kaum um die Ecke gebogen und nach einem passablen Fleckchen Ausschau gehalten, empfängt uns Klaus. Weist uns – nett wie einmal ist – einen Stellplatz mitten im Geschehen zu. Sogar eine Strombuchse ist für uns da. Es ist die letzte freie. Glück gehabt. Herz was willst du mehr? Kabel raus, Stecker rein, Kühlschrank umgestellt und sich dann in die umstehenden Stellplatzführerfans eingereiht. Bei Small talk vergehen die Stunden wie im Fluge. Als die Dämmerung einsetzt, machen wir es uns im Wagen gemütlich. Draußen ist es still geworden. Niemand mehr zu sehen. Erst am nächsten Morgen hören wir, dass in der Pagode an der Therme etliche Teilnehmer des Treffens bis spät in die Nacht zusammengesessen und geplaudert haben.

Der Freitag empfängt uns mit einem blauem Herbst-Himmel, an dem die ersten weißen Wölkchen auftauchen. Mit Monika und Klaus geht’s per Taxi in die nahegelegene Stadt. Schaufensterbummel ist angesagt. Monika und Klaus kehren zum ersten Frühstück in eine einladende Gaststätte ein, wir erkunden die Einkaufsmeile.

Eine Fußgängerzone nimmt uns auf. Schaufenster um Schaufenster wird erkundet. Dazwischen - wie in anderen Städten seit ein paar Jahren auch - zugeklebte Scheiben. Läden in bester Geschäftslage, die mangels Umsatz aufgegeben wurden. Was hier allerdings stört, sind die Pkw und Lkw, die sich auf der als Bummelmeile vorgesehenen Straße einen Weg zu ihrem Ziel suchen. Fußgängerzone und Kraftfahrzeugverkehr passen hier einfach nicht zusammen. Im Gespräch mit einer Passantin erfahre ich dann, dass seit Jahren an einer Umgehungsstraße geplant wird. Doch gebaut wurde sie bis heute nicht. Schade. Gegen Mittag bringt uns das Taxi wieder zum Platz zurück.

Erste Regenschauer machen uns deutlich, dass wir Oktober haben. Die Jahreszeit, in der nicht nur kalter Wind über die Höhen weht. Doch immer wieder klart der Himmel auf, kommt die Sonne hervor. Hubert nutzt den Nachmittag, um an mehreren Wagen zu zeigen, mit welchen Mittelchen aus verschmutzten Stoßstangen und Alkoven, aus verdreckten Motorhauben und Seitenwänden mit Regenstreifen wieder blitzsaubere und "fast neue" Teile werden. Das interessierte Publikum schaut zu und darf dann auch am eigenen Wagen die Wirkung der "Wunderwaffen" gegen den Dreck von Straße und Regen ausprobieren.

Am Abend ist ein gemeinsames Grillen angesagt. In der Pagode, die allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Stellplatzführer-Treffens Platz bietet. Der Gas-Grill gibt alles, Schnitzel und Würstchen brutzeln um die Wette. An den Tischen setzt das große Schmausen ein. Das Programm ohne Programm setzt sich anschließend als Klönabend bis spät in die Nacht fort. Musikalisch umrahmt von Inge mit flinken Fingern auf dem Schifferklavier und unterstüzt durch Heinrich und Heinz-Dieter mit Gesang.

In der Nacht öffnet der Himmel seine Schleusen. Sturzbachmäßig prasselt der Regen aufs Dach unseres Troll. Wird gegen Morgen etwas weniger. Hält aber an. Über den ganzen Vormittag bis hin zum Abend. Heinrich hat es „kalt erwischt“. Seine ausgefahrene Markise legte sich einen Wassersack zu. Die Haltestangen fühlten sich überfordert und brachen. Nun ist eine Reparatur angesagt. Um eine Reparatur kommt auch Heinz-Dieter nicht herum. Beim ihm drang die in Strömen vorhandene „Luftfeuchtigkeit“ in den Alkoven ein. Erste Reparatur am Platz. Eine weitere muss wohl nach der Rückkehr in heimatliche Gefilde folgen.

Der Tag klingt aus bei Gegrilltem und Gebratenem, bei Bier und Alkoholfreiem in der Pagode. Hergerichtet von Platzwart Wolfgang Esslinger. Zwischendurch lässt er uns von seinen Spezialgetränken, von „Wolfgangs Liebling“ und vom „Platzwart Geheimnis“ kosten. Die dritte hochprozentige Spezialität – der Leser möge es mir verzeihen – ist mir leider entfallen, schmeckte aber ebenso köstlich wie die beiden Erstgenannten.

Der Bürgerbrunnen
Der Bürgerbrunnen

Lippstadt

Als wir am Sonntag Morgen aus den Federn kriechen, hat es aufgehört zu regnen. Unser elektronischer Wetterfrosch kündigt uns einen bedeckten Himmel und zwischendurch auch ein paar Sonnenstrahlen an. Platzwart Wolfgang Esslinger ist bereits unterwegs, um seiner Klientel in den Wohnmobilen frische Brötchen zu bringen. Wir lassen es uns noch einmal in Bad Marienberg schmecken. Dann wird unser Troll reisefertig gemacht. Die Heimreise soll nicht in „einem Rutsch“, sondern mit Unterbrechungen erfolgen. Das Ziel ist gut zweihundert Kilometer entfernt. Wir wollen die nächste Nacht auf dem Parkplatz in Lippstadt verbringen. Hochnebel ist über viele Kilometer unser Begleiter. Und hin und wieder auch ein feiner Nieselregen. Gegen halb zwei erreichen wir das Ziel. Finden sogar noch zwei freie Plätze vor. Die zentrale Adresse für eine Stadtbesichtigung ist der Parkplatz an der Bückeburger Straße. Verkehrsgünstig gelegen aber natürlich nicht ruhig. Egal. Hier sind Stromsäulen für die elf markierten Plätze. Eine Elomat-Hygienja-Anlage gibt's ebenfalls. Allerdings mit einem handgeschriebenen Zettel versehen: „Versuch’s erst gar nicht. Die Scheißsäule gibt kein Wasser her. Ich habe schon zwei Euro reingeschmissen.“ Wenige Meter neben dem Platz liegt der Zusammenfluss der nördlichen Umflut der Lippe mit einer Kanu-Einsatzstelle. Und auf der anderen Straßenseite ist das neue Kombibad.

Wir beginnen mit dem bekannten Procedere: Einparken, Strom anschließen, Tee trinken und dann auf in die Stadt. Lippstadt wir kommen. Über die unweit vom Stellplatz entfernte Brücke ist die Altstadt in rund zehn Gehminuten erreicht. Übrigens ergeben alle Wasserläufe der Stadt eine Strecke von rund 750 Kilometern. 115 Brücken führen über die Bäche und Flüsschen. Damit ist Lippstadt nicht nur die größte Stadt im Landkreis Soest, sondern auch die wasserreichste Kommune der Region. Auch als Venedig Westfalens bekannt.

Stadt der Kanäle und Flüsse
Stadt der Kanäle und Flüsse

Auf uns wartet eine sehenswerte Innenstadt mit attraktiven Fußgängerzonen, mit der mächtigen aber leider verschlossenen Marienkirche aus dem Jahre 1222. Ebenso imposant die nahegelegene Stiftsruine aus dem 12. Jahrhundert. Übrigens einer der schönsten Kirchenruinen Deutschlands. Wir sehen uns das historische Rathaus von 1185 an. Nachdem 1772 der Einsturz des Gebäudes drohte, wurde es 1775 an alter Stelle durch einen Neubau im überwiegend klassizistischen Stil ersetzt. Über dem Rokokoportal mit Preußenadler und Lippischer Rose geschmückt. Einen „Schlenker“ wert ist auf jeden Fall der „Bürgerbrunnen“ auf dem Rathausplatz. Er entstand zur 800-Jahr-Feier der Stadt. Die Mitglieder des Städtischen Verkehrsvereins kümmerten sich. Der „Verein zur Gründung eines Jubiläumsbrunnens mit historischen Figuren“ wurde 1985 ins Leben gerufen. Am 6. Mai 1988 wurde der Brunnen  mit einem Schauspiel eingeweiht. Das Ergebnis ist beachtlich. Auf ihm finden sich neun Figuren, die jeder Lippstadtbesucher gesehen haben sollte. Dazu kommen das prächtige Stadtpalais und sehenswerte Fachwerkhäuser mit wertvollen Balkenschnitzereien. 26 Tafeln am Straßenrand erleichtern den Altstadt-Rundgang und geben wertvolle Hinweise.