Gegründet wurde das Kloster Loccum am 21. März 1163. Mit zwölf jungen Mönchen aus Volkenroda in Thüringen begann alles. Beten und Arbeiten war das Motto der zwölf Mönche und ihres Abtes. Anfang des 14. Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte wirtschaftliche Kraft. 1593 nahm die Klosterleitung, Abt, Prior und Konvent, den evangelischen Glauben an. Weil in ein evangelisches Kloster keine Mönchen mehr eintreten konnten, wurden hier künftige Pastoren als Mönche auf Zeit aufgenommen. Heute dient das Kloster der Ausbildung des Pastorennachwuchses. Es ist das einzige Predigerseminar der Hannoverschen Landeskirche. Darüber hinaus gibt es Einkehrtagungen und Tagungen für kirchliche und weltliche Gruppen. Mit etlichen geistlichen und kulturellen Veranstaltungen wurde in diesem Jahr (2013) das 850. Bestehen gefeiert.

Mein „bestes Stück“ und ich sehen uns nach der eindrucksvollen Stiftskirche und den alten Gebäuden aus Natur- und Backsteinen auch die von den (Laien)-Mönchen gebauten Teiche an. Teils zur Trink- und Brauchwasserversorgung, teils zur Karpfenzucht. An Freitagen und in der Fastenzeit war ihnen der Genuss von Fleisch verboten. Einfallsreich wichen sie damals auf Karpfen aus.

Der Taufstein
Der Taufstein

Im Kloster gab es eine klare Arbeitsteilung. Es gab die betenden Mönche, die oft Priester waren, aber nicht unbedingt. Unter ihnen standen rangmäßig die Laienmönche, die für  die praktischen Arbeiten zuständig waren. Die betenden Mönche hielten acht Stundengebete täglich. Damit hatten sie gut zu tun und waren ausgelastet. Die Andachten der Laienmönche fanden morgens, mittags und abends zwischen den „profanen“ Arbeiten wie z. B. Kochen, Backen, Landwirtschaft, Waschen, Getreide mahlen oder Fische züchten statt. Man könnte auch sagen: Im Kloster herrschte klare Arbeitsteilung. Die einen waren fürs "Höhere" zuständig. Die Laien für alles andere, um die Mönche mit dem zu versorgen, was Mensch so zum leben benötigt. Ein Schelm, der daraus Parallelen zur heutigen Zeit ableitet.

Haus der Aale
Haus der Aale

Steinhude

Nach so viel Kultur verabschieden wir uns von Loccum und steuern Steinhude an und damit den Reisemobilhafen am Bruchdamm. Zu jeder Jahreszeit geöffnet und bei allen Womofahrern beliebt. Mit Empfangsgebäude, Toiletten und Duschen, Waschmaschine und Trockner. Mit münzbetriebenen Stromsäulen an den Parzellen, Brötchenservice (im Sommer) und Fahrradverleih in der Nähe. Mit kurzen Entfernungen zum Steinhuder Meer, zum Ortskern mit diversen Gaststätten und Fischräuchereien, mit Schiffsanleger und historischem Scheunenviertel. Getreide- und Heu findet der Besucher dort nicht mehr, aber Galerien, Geschäfte, eine Gaststätte und die Touristinformation.

Na, Sie kennen das Procedere bereits: Anmelden, einparken, Strom anschließen, Fußmatte hinlegen, Tasse Tee trinken und los. Nach 800 Metern Fußweg ist das Scheunenviertel erreicht und damit die „Eingangszone“ zum Seeufer. Auf uns warten (auch im Oktober) ab Nachmittag geöffnete Geschäfte und Gaststätten. Was macht’s, wenn der eine oder andere Laden bereits Saisonschluss hat. Es ist das Wasser, das den Ort und die Region so beliebt macht. Es ist Anziehungspunkt nicht nur für Womofahrer, sondern auch für viele Tagestouristen aller Couleur und jeden Alters. Für Segler, Radfahrer und Wanderer.

Die "Auswanderer"-Boote
Die "Auswanderer"-Boote

Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich Steinhude vom Fischer- zum Weberort. Weben diente neben der Fischerei und der wenig ertragreichen Landwirtschaft sowohl dem Haupt- als auch dem Nebenerwerb. Das galt auch für den Flachsanbau und seine Verarbeitung. Die örtlichen Gegebenheiten wie Sand und Wasser erfüllten diese Voraussetzungen. 1727 arbeiteten 45 Weber auf Handwebstühlen. Es stand in fast jedem zweiten Haus ein Webstuhl. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Mechanisierung der Webmaschinen. Die Blütezeit der Handweberei war vorbei.

Das Scheunenviertel gilt heute als der kulturelle Mittelpunkt von Steinhude. Im 18. Jahrhundert wurden die Scheunen aufgrund der Brandgefahr außerhalb des Ortes gebaut. Als Durchfahrtsscheunen für Stroh und Heu. Auf dem Platz in der Mitte wurde Getreide gedroschen und Heu getrocknet. Im  Rahmen eines EXPO-Projektes entstand eine Anlage von 13 Scheunen in sieben Baugruppen. Sieben bestehende Scheunen wurden renoviert. Mittelpunkt des Scheunenviertels ist die Kunstscheune mit wechselnden Ausstellungen.

Auf jeden Fall sollte man auch der Inselfestung Wilhelmstein einen Besuch abstatten. Unser Versuch führte (fast Mitte Oktober und dazu noch mitten in der Woche) ins Nichts. Das – so sagt meine Angetraute – holen wir im nächsten Frühjahr nach. An einem Wochenende, wenn richtig was los ist. Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe ließ die Seefestung Wilhelmstein in den Jahren 1761 bis 1765 auf einer künstlich aufgeschütteten Insel im Steinhuder Meer erbauen. Als uneinnehmbarer Fluchtpunkt im eigenen Land. Die berühmteste Erfindung des Grafen war wohl der Steinhuder Hecht. Das erste in Deutschland konstruierte U-Boot. Bei Überwasserfahrt von Segeln angetrieben, unter Wasser durch Schläge des von der Besatzung gezogenen Fischschwanzes. Ein kleiner Prototyp aus Eichenholz in Form eines Fisches soll 1772 im Steinhuder Meer getaucht sein. Es ist jedoch nicht bekannt, wie der Tauchversuch ausging. Die Skizzen und eine Modellnachbildung sind auf  Wilhelmstein zu besichtigen. Die Festung wurde später Militärschule und birgt heute ein Museum mit Waffen, Kartenmaterial und Gegenständen zur Geschichte der Anlage. Der ehemalige Wohnraum der Offiziere dient heute als Trauzimmer. Sogar übernachten lässt sich dort.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Es ist den ganzen Tag trocken und die Sonne scheint. Als wir zum Troll zurückkehren, freue ich mich aufs Geschnetzelte auf ungarische Art, das meine Ingrid für sich zubereitet und mir natürlich jede Menge davon abgibt. Langsam wird es Abend. Morgen soll es nach Hause gehen. In der Nacht kehrt der Herbst mit voller Macht zurück. Mit Regen und Wind. Als es ein bisschen weniger wird, klemme ich in aller Eile die Stromleitung ab, verstaue auch unsere grüne Fußmatte vor der Tür. Doch zuvor muss ich jede Menge H2O herausschütteln. Dann wird durchgestartet. Steinhude ade. Die Scheibenwischer haben gut zu tun. Erst über Bundesstraßen, dann über die Autobahn geht’s weiter nach Norden. Knapp zweihundert Kilometer sind zu bewältigen. Am frühen Nachmittag erreichen wir heimische Gewässer und sind wieder im „Heimathafen“ angekommen. Mit dem Einparken auf dem eigenen Stellplatz findet die Fahrt nach Bad Marienberg und damit die Teilnahme am ersten Treffen der Mitglieder des Stellplatzführers ihren endgültigen Abschluss.