Die Seebrücke
Die Seebrücke

Scharbeutz

Ausgeschlafen erwachen wir am Morgen. Ein paar Wölkchen am Himmel und jede Menge Sonnenschein. Scharbeutz, wir kommen. Gute 30 Kilometer sind nun wirklich kein Problem. Schon weit vor Mittag treffen wir auf dem erweiterten Stellplatz am Hamburger Ring ein. Für 58 Mobile ist Platz. Auf der anderen Straßenseite – auf dem „alten“ Platz – steht kein einziges Mobil. Auch vom „neuen“ sind es wie gehabt nur wenige Minuten zum Strand. Zehn Euro kostet die Übernachtung.

. . . und die Aussicht auf den Strand
. . . und die Aussicht auf den Strand

Doch wer wirklich Strandleben genießen will, der muss tiefer in die Tasche greifen. Kurtaxe gibt es nicht mehr. Dafür kostet die Tageskarte für den Strand für zwei Personen sechs Euro. Ein Strandkorb schlägt mit zehn Euro am Tag zu Buche, mit 50 Euro für eine Woche. Und Hunde geht gar nicht. Für die gibt’s einen Extra-Strand. Gut einen Kilometer vom Stellplatz entfernt. Doch da wollen wir nicht hin. Statt dessen spazieren wir Richtung Timmendorf. Immer an der Schaufenstermeile entlang. Hier wechseln sich wie in Grömitz Textilgeschäfte mit Gaststätten ab. Halbe halbe könnte man sagen.

Strandpromenade
Strandpromenade

Wir gucken uns die Auslagen an und staunen wieder einmal über die extrem hohen Preise. Für ein Rentnerportemonnaie echt zu hoch. Es reicht allerdings für eine Postkarte samt Porto. Schließlich soll unsere Enkelin ja wissen, wo sich Oma und Opa „rumtreiben“. Es reicht auf dem Rückweg zum Troll auch noch für einen Apfelsaft (für meine Frau) und ein großes Bier (für mich). Direkt am Strand unter einem großen Sonnenschirm und mit Blick übers Meer bis zum entfernten Ufer von Neustadt - und ganz weit entfernt – bis Grömitz. Das kann man allerdings mehr ahnen als erkennen.

Am Nachmittag kommen wir wieder beim Troll an und freuen uns, die rundgetretenen Füße ausstrecken zu können. Dann ist auch meine Copilotin wieder einsatzbereit. Widmet sich Kartoffeln und Gemüse, Schnitzeln und den „kleinen“ Dingen, die zu einem „beinahe“ Festschmaus einfach dazugehören. Und was das Schönste ist: Wir haben Empfang. Fernsehempfang. Nun können wir am Abend die Nachrichten und – ganz wichtig – den aktuellen Wetterbericht sehen.

Timmendorfer Strand und Niendorf

Sonne und Wolken erwarten uns am Morgen. Und bleiben uns treu. Über den ganzen Tag bis zum Abend. 7,50 Euro für den Stellplatz am Vogelpark in Niendorf. Nach einschlägigen Kommentaren staubig bei trockenem, matschig bei nassem Wetter. Für uns ist er weder staubig noch matschig. Richtig liegen auch die zahlreichen Womofahrer, die sich auf dem dahinter liegenden und eigentlich für Pkw vorgesehenen Plätzen „breit gemacht“ haben. Die haben bei der Anfahrt breite, geteerte Zuwegungen und nach dem Abstellen ihrer Mobile Rasengittersteine unter den Reifen. Und keinen kümmert es.

Nur wenige Schritte sind es bis zum Hafen. Und welche Freude, nicht solche Menschenmassen wie in Grömitz oder Scharbeutz. Das freut nicht nur uns, sondern auch unseren Calle. Für den sind sehr viele Füße am Boden ein Gräuel. Weil er ihnen ständig ausweichen muss. Gemächlich schlendern wir am Hafen entlang. Bis zur Spitze an der Ostsee. Dort haben wir nicht nur freien Blick auf die Lübecker Bucht, auf den Yachthafen und die am anderen Ufer befindliche Werft, sondern auch auf die gegenüberliegende Küste und die in begrenzter Zahl vorhandenen Strandkörbe.

Fischerboote
Fischerboote

Am Hafen ist natürlich Fisch angesagt. Matjesfilet im Brötchen, um genau zu sein. In einigen Buden entlang der Pier verkaufen Fischer, was sie kurze Zeit zuvor aus der Ostsee geholt haben. Das begucken wir gern. Vom Kaufen halten wir uns jedoch zurück. Unser Troll würde uns noch stundenlang nach dem Essen mit penetrantem Geruch „beglücken“. In der nahegelegenen Bäckerei noch etwas für den abendlichen Tee besorgt, dann geht’s zurück zum Wagen. Obwohl noch etliche Plätze frei sind, habe ich einen Kuschelparker neben mir. Zwischen den Wagen sind nur noch 60 Zentimeter Freiraum.

Vom Fischfang zuirück
Vom Fischfang zuirück

Und so begann in Niendorf alles: Ab Mitte des 19. Jahrhunderts machten sich in Niendorf die Fischer breit. Fuhren zur See und entdeckten so nach und nach die Möglichkeit der Sommerfrische-Vermietung. Schnell mauserte sich der Ort zur beliebten Feriendestination der Hamburger. Kaum war das gelungen, wurde auch der Zauber des Timmendorfer Strands wahrgenommen. Pastor Gleiß aus Curau baute hier die erste Ferienkate für sich und seine Lieben. Ihm eiferte der Seegrasfischer Sörmann nach, dem dann 1867 das erste offizielle Logierhaus folgte. Timmendorfer Strand erkannte die Chance und schloss sich an.