Vom Kutter direkt an den Verbraucher
Vom Kutter direkt an den Verbraucher

Rasant ging’s in den beiden Ortsteilen weiter. Die ersten Strandkörbe wurden aufgestellt – bis dahin musste man ganz züchtig mit den Badekarren bis zur Wasserkante fahren. Straßen wurden gebaut, eine Dampfschifffahrtslinie eröffnet. 1908 wurde die erste Seebrücke eingeweiht. 1920/22 der Niendorfer Hafen an der Aalbeek-Mündung in Betrieb genommen.

Heute wie einst sind die beiden „Schwestern“ Niendorf und Timmendorfer Strand eine Einheit. Die erste mit  dem flachen Strand, bestens kindergeeignet und familienfreundlich. Die zweite ganz nach dem Motto „Sehen und gesehen werden“. Fashion- und Trend-Hotspot, Sport- und Flirtarena, Leben pur und Nightlife bis zum Morgen. Besucher treffen hier auf eine extrem hohe Promidichte und auf den längsten Strand in Schleswig-Holstein.

Die Passat
Die Passat

Travemünde

Weiter geht’s am nächsten Morgen Richtung Travemünde. Eigentlich ein Katzensprung von rund zehn Kilometern. Wir halten uns zurück, um nicht zu früh loszufahren. Schließlich muss ja an der Trave auch ein Platz frei werden. Gegen halb zehn heißt es dann „Leinen los“. Es ist ein „Gefummel“, um aus dem „engen Loch“ herauszukommen. Beidseitig stehen in allernächster Nähe die Nachbarwagen. Und auch der Gegenüber steht ein ganzes Stück in die Fahrbahn hinein. Doch es glückt. Mit ein bisschen vor und ein bisschen zurück. Dann ist der Engpass auf der Zufahrt ohne Schrammen zu durchfahren. Vom blauen Himmel strahlt an diesem Tag die Augustsonne und heizt uns mächtig ein.

Schöne Aussicht
Schöne Aussicht

Dann erreichen wir den Stellplatz in Travemünde am Hafen. Stellen fest, dass es hier wirklich eng wird. Parken auf Anweisung der Platzwartin neben zwei Schweden ein. Natürlich auf „Tuchfühlung“. Dann machen wir uns landfein. Der Hafen ist tatsächlich nur wenige Schritte entfernt. Wir bummeln entlang der Fischmeile. Immer geradeaus. Auf der Promenade mit ihren unzähligen Geschäften jedweder Art. Wie schon gehabt, haben auch hier Textilläden und Gaststätten die Oberhand.

Das Hotel Maritim
Das Hotel Maritim

In Höhe der Viermastbark Passat kehren wir um. Genehmigen uns – weil längst Mittag – einen herzhaften Imbiss in einem der Restaurants mit Blick aufs Wasser. Langsam und mit „müden Füßen“ ob des strahlenden Tagesgestirns und der angestiegenen Quecksilbersäule kehren wir zum Troll zurück. Die Schweden sind inzwischen weg. Statt dessen kommt ein Platzwart auf uns zu. Ziemlich erregt und in forschem Ton: „Hier können Sie nicht stehen bleiben, hier kommen Pkw hin. Stellen Sie sich hinten in die letzte Reihe.“ Mein Einwurf, dass ich laut Anweisung seiner Kollegin eingeparkt habe, sticht nicht. Es hilft nichts, ich starte und stelle mich anschließend in die letzte Reihe. Links und rechts von mir sind die Plätze frei. Hoffentlich bleibt das auch so, denke ich, dann war der Wechsel positiv.

Straßencafés
Straßencafés

Zur Geschichte: Travemünde ist eines der traditionsreichsten Seebäder Europas. Kann mit seinen über 800 Jahren auf zahlreiche historische Begebenheiten und Wandlungen zurückblicken. 1187 von Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein Travemünde gegründet. Zuvor gab’s hier nur eine Burg.

Von Beginn an war das Schicksal der Siedlung eng mit Lübeck verknüpft. Weil die beherrschende Stellung an der Travemündung und damit die Kontrolle der Schifffahrt  den Lübeckern ein Dorn im Auge war, kauften sie 1329 für 1060 Lübsche Mark das kleine Fischerdorf. Ab sofort hatte damals der Vogt aus Lübeck das Sagen. 1522 brannte der Ort vollständig ab. Die Lübecker bauten alles geschwind wieder auf. Jahrhunderte später wurde die erste Badeanstalt gegründet. Dampfschifffahrtslinien steuerten Travemünde an. Eine Spielbank wurde 1833 eingerichtet. 1872 wurde per Gesetz ein Schlussstrich gezogen. Doch seit 1949 kann man wieder bei Roulette, Baccara oder Black Jack viel Geld gewinnen – oder verlieren

 

 

 

 

 

Seit 1889 gibt es übrigens die Travemünder Woche. Damals von Hamburger Kaufleuten - Hermann Wentzel und Hermann Dröge - gegründet. Sie riefen damit eine der größten Segelregatten der Welt ins Leben. Im Veranstaltungskalender für Segler und Landratten ein fester Termin Ende Juli eines jeden Jahres. 2009 zum 120. Geburtstag kamen über eine Million Besucher, um das Spektakel auf dem Wasser und an Land mitzuerleben. Immer im Blick: der historische Viermaster und ehemalige Lastensegler „Passat“, ein Flying-P-Liner von 1911, der auf der Priwallseite der Trave als Wahrzeichen Travemündes vor Anker gegangen ist. Das Schwesterschiff „Pamir“ sank vor etlichen Jahren in einem schweren Sturm mit Mann und Maus im Atlantik.