Kutter als Verkaufs"stand"
Kutter als Verkaufs"stand"

Wismar

Um zehn müssen die Plätze geräumt sein, sonst ist der nächste Tagessatz fällig, steht in der Platzordnung von Travemünde. Wir fahren sogar eine halbe Stunde früher los. Vor uns liegen hundert Kilometer und der Wechsel von einem Bundesland zum anderen. Wir kommen von Schleswig-Holstein nach Mecklenburg-Vorpommern. Um halb zwölf sind wir am Platz, obwohl in der Stadt ein gehöriger Umweg gefahren werden muss. Kanalarbeiter haben die Zufahrtsstraße aufgerissen. Jede Menge Stellflächen sind frei. Wir können uns wieder einmal eine aussuchen. Dann machen wir uns „schick“, und ab geht’s in die Stadt. Die Sonne brennt wieder einmal von Himmel. Immerhin ist es ja noch August und ziemlich warm. In der Innenstadt der gleiche Trubel wie vor Jahren. Das Leben pulsiert in den Einkaufsstraßen. Wir steuern auf den Marktplatz zu. Vorbei am Stammhaus von Karstadt, das hier in Wismar gegründet wurde. Gönnen uns unter großen Sonnenschirmen eine Cola und beobachten das Treiben vor uns.

Wie damals ist Markttag. Auch heute steht der einen Hektar große Platz voller Stände. Mit breiter Palette an Angeboten. Die reichen von Fisch über Fleisch, Back- und Wurstwaren bis hin zum Angebot für den heimischen Garten, von Blumen und Grünpflanzen bis zu Lederwaren und Textilien. Und weil wir vor Jahren die Ausgrabungen der St.-Marien-Kirche miterlebten, gilt dem Sakralbau unser Abstecher. Nur der 80 Meter hohe Turm überlebte den Krieg. Dann geht’s weiter durch historische Gassen und Straßen zu St. Georgen. Die einstmals größte Kirche der Stadt ragt seit Kriegsende als Ruine gen Himmel. Seit 1960 wird sie wieder aufgebaut. Durch Spenden im ganzen Land und durch die Initiative „Wege zur Backsteingotik“. Inzwischen ist der Himmel über St. Georgen wieder geschlossen. Nur im Innern bleibt noch viel zu tun. Bei schönstem Sommersonnenwetter kehren wir zum Troll zurück und lassen bei einer Tasse Tee den Tag ausklingen. Der Stellplatz ist inzwischen bis auf den letzten Platz besetzt. Nichts geht mehr.

Die "Wasserkunst", Brunnen auf dem Marktplatz
Die "Wasserkunst", Brunnen auf dem Marktplatz

Zur Stadtgeschichte: In der Wendenzeit liegt Wismars Wiege. Eine kleine Hafen- und Bauernsiedlung. Nahe der legendären Via Regia, der einstmals wendischen Ost-West-Straße. Als in Mecklenburg die ersten Städte gegründet wurden ist Wismar – 1229 erstmals urkundlich erwähnt – unter ihnen. Kaufleute kommen in die Stadt, Seefahrer, Fischer, Salzer, Böttcher, Bauleute. Aus allen Himmelsrichtungen. Die Stadt gelangt schnell zu wirtschaftlicher Blüte und zieht auch Seeräuber an. Klaus Störtebeker soll hier in eine Schlägerei verwickelt worden sein. Seit seiner Gründung bekennt sich Wismar zur Seefahrt und zu Mecklenburg. Ein 1259 geschlossener Dreierbund zwischen Lübeck, Wismar und Rostock soll die Handelswege auf See und Land schützen, vor allem vor Piraten. Wismar wird zum Handelsplatz für Wein, Seide und Wolle, Fische, Gewürze, Wachs, Schmalz, Holz, Pelze, Malz und Salz. Und die Stadt wird wohlhabend. Wird bedeutend in der Hanse. Dies spiegelt sich noch heute in den Bauten wider.

Am Hafen
Am Hafen

Der Dreißigjährige Krieg trifft die Stadt schwer. Sie wird 1632 durch die Schweden besetzt. 1648 den Schweden zugesprochen. Für 1.250.000 Taler fällt Wismar 1903 wieder an Mecklenburg. Aus den Südschweden werden wieder Mecklenburger. Aus dieser Zeit stammen die „Schwedenköpfe“. Wie zum Beispiel am „Alten Schweden“ am Marktplatz. Übrigens ein Haus um 1380 und damit eines der ältesten Bürgerhäuser, seit 1878 eine Gaststätte. Der Marktplatz – oben bereits erwähnt – ist mit einem Hektar Größe einer der größten in Norddeutschland.

Sei zum Schluss noch festgehalten, dass Wismar mit den ägyptischen Pyramiden, Amerikas Grand Canyon und Indiens Taj Mahal eines gemeinsam hat: Die Stadt gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Insel Poel

Am nächsten Morgen brechen wir unsere Zelte in Wismar ab. Wir wollen nach Poel. Nach Niendorf, um genau zu sein. Zum Stellplatz neben dem Hafen und der Fischräucherei. 15 Stellflächen gibt es dort. Vielleicht auch eine für uns. Weit vor Mittag laufen wir am Forellenhof ein. „Sie haben Glück“, sagt die Dame hinterm Tresen, „es ist gerade einer frei geworden. Sonst ist um diese Zeit schon alles besetzt.“ Ticket lösen, einparken, Fahrräder abnehmen ist eine Sache von einer halben Stunde. Dann machen wir uns auf den Weg nach Kirchdorf. Besuchen den Sakralbau, der dem Dorf seinen Namen gab. Dann geht’s mit beinahe Rückenwind weiter nach Timmendorf auf Poel. Wir wollen uns den dortigen Stellplatz vor dem Campingplatz ansehen. Und natürlich auch den Hafen, einen Blick auf den Leuchtturm von 1871 werfen, der noch heute den Schiffen den Weg weist. Im Laufe der Zeit wurde er um 3,50 Meter erhöht. Wollen die Bucht sehen und den kilometerlangen Sandstrand. Mit unserem Calle haben wir hier nicht überall Zugang. Leider ist der Hundestrand ziemlich weit entfernt. Am frühen Nachmittag geht’s zurück nach Niendorf. Meist gegen den Wind. Kein Problem mit unseren Vehikeln, bei denen der E-Motor beim Treten hilft.