Wieck

Weil ein Tag für Greifswald „und umzu“ nicht ausreicht, hängen wir den zweiten an. Es geht per Drahtesel nach Wieck am Greifswalder Bodden. Wieck ist ein Ortsteil der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald mit 472 Einwohnern. Das ehemalige Fischerdorf liegt auf der nördlichen Seite der Mündung des Flusses Ryck in die Dänische Wiek, einer Bucht des Greifswalder Boddens. Bekanntestes Wahrzeichen des über 800 Jahren alten Dorfes ist die Wiecker Klappbrücke. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Fischereihafen, die vielen reetgedeckten Häuser und die Bugenhagenkirche. Insbesondere in den Sommermonaten ist Wieck das beliebteste Naherholungsziel der Greifswalder. Deshalb sind im Dorf zahlreiche Cafés, Restaurants und Hotels entstanden.

Jedes Jahr am dritten Wochenende findet in Greifswald-Wieck das traditionelle Fischerfest Gaffelrigg statt. Neben der Hanse Sail in Rostock ist dies mit jeweils über 50.000 Besuchern das größte maritime Volksfest in Mecklenburg-Vorpommern. Höhepunkt ist hierbei die Regatta von Traditionsschiffen aus dem Museumshafen Greifswald, der sich auch ausländische Traditionsschiffe und viele Sportboote anschließen.

Der Name „Wieck“ leitet sich aus dem dänischen „vik“ ab; in der altnordischen Sprache weist das Wort auf eine Bucht oder eine Flusseinbuchtung hin. 1248 wurde „Wico ante claustrum“ erstmals als Besitz des Klosters Eldena urkundlich erwähnt und ist damit eines der ältesten Fischerdörfer in Norddeutschland.

Das Wahrzeichen von Wieck
Das Wahrzeichen von Wieck

1297 erwarb die Stadt Greifswald vom Kloster einen Streifen Land am Nordufer der damaligen Mündung des Rycks. Möglicherweise bereits zu dieser Zeit oder etwas später erfolgte die Verlegung der Ryckmündung nach Norden. Der Bodenaushub wurde auf dem verbleibenden Landstück zwischen alter und neuer Flussmündung, dem sogenannten „Remel“ gelagert. Der Besitz des „Remels“ und die Ausübung der Fischereigerechtsame wurden zum langwierigen Streitfall mit den Zisterziensermönchen im benachbarten südlich des Flusses Ryck gelegenen Klosters Eldena. Auch nach der Säkularisierung des Klosters wurde der Streit mit dem herzoglichen Amt Eldena fortgesetzt, bis es 1611 zu einer Einigung kam und ein Grenzgraben gezogen wurde.

Der Wiecker Hafen diente schon in früheren Zeiten sowohl als Fischereihafen als auch als Vorhafen für die damalige Frachtschifffahrt nach Greifswald. An der Spitze des Nordufers befand sich um 1600 ein Leuchtfeuer („Blüse“). Ein städtischer Vogt beaufsichtigte den Hafen und nahm die Gebühren ein. Mittels des „Baums“, eines quer zur Fahrrinne im Wasser schwimmenden Balkens, konnte die Einfahrt gesperrt werden. In der Schwedenzeit wurde 1665 an der Nordseite der Ryckmündung eine Schanze errichtet.

Reetgedeckte Alt"stadt"häuser
Reetgedeckte Alt"stadt"häuser

Der städtische Anteil Wiecks konnte sich wegen seiner engen Grenzen nicht ausbreiten, während die Bevölkerung im ehemals klösterlichen, seit 1634 der Universität Greifswald gehörenden Teil von 245 Einwohnern im Jahr 1767 bis auf 898 Einwohner im Jahr 1852 anstieg. Mit dem Wachsen der Segelschifffahrt wurde Wieck im 19. Jahrhundert zu einem Fischer- und Seefahrerdorf. Der Hafen gehörte auch zu den wichtigsten Schutzhäfen der Küstenfischerei. Bis 1897, als die Ausflugsgaststätte „Utkiek“ errichtet wurde, befand sich am Nordufer der Ryckmündung ein Netztrockenplatz der Wiecker Fischer.

Gucken stur in die Ferne
Gucken stur in die Ferne

1827 verlegte die preußische Postverwaltung wegen der Versandung des Stralsunder Hafens den südlichen Punkt der Seepostlinie von Pommern zum schwedischen Ystad in den Wiecker Hafen. Zwischen Greifswald und Wieck verkehrte zu diesem Zweck eine von einem Pferd getreidelte Treckschute. Die Verkehrsverbindung ermöglichte daneben die Entwicklung Wiecks zu einem Naherholungsziel. Seit 1834 ist hier Badebetrieb nachweisbar. Die Treckschute blieb auch nach der Zurückverlegung der Seepost nach Stralsund 1841 erhalten und wurde später durch Dampfboote abgelöst.

Die Greif
Die Greif

Ab 1857 wurde der Wiecker Hafen ständig ausgebaut. Der Bau der am 25. Juli 1887 eingeweihten hölzernen Zugbrücke nach holländischem Vorbild bildete den Abschluss. Die Wiecker Klappbrücke ist seitdem das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes. Der Ausbau des anfänglich studentischen Sportflugplatzes im benachbarten Dorf Ladebow zu einem militärischem Fliegerhorst in den Jahren 1934 bis 1939 führte dazu, dass der Turm der Wiecker Kirche deutlich gekürzt wurde, weil er sonst den Flugbetrieb behindert hätte. Am 1. April 1939 wurde Wieck gleichzeitig mit Eldena und Ladebow nach Greifswald eingemeindet.