Wieck ist seit 1954 Heimathafen des Segelschulschiffes Greif (ex Wilhelm Pieck). Als Namensgeber diente der damalige Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, der auch an der Jungfernfahrt teilnahm. 1954 erfolgte die Übernahme durch die Gesellschaft für Sport und Technik. Die „Wilhelm Pieck“ war das einzige Hochseesegelschul-schiff der DDR und führte meist Reisen in der Ostsee zu Häfen in der Volksrepublik Polen und der UdSSR durch. Nach der Wende wurde das Schiff  1990 von der Stadt Greifswald übernommen und 1991 in „Greif“ umgetauft.

Der Marktplatz
Der Marktplatz

Ueckermünde

Da es von Greifswald nach Ueckermünde nur rund 70 Kilometer sind, haben wir am Mittwochmorgen noch Zeit. Können in Ruhe frühstücken und langsam, ganz langsam den Troll wieder reisefertig machen. Planen, so gegen halb elf/elf am Ziel anzukommen. Schließlich müssen ja auch dort die ersten Wohnmobile den Platz verlassen haben, damit wir einen erhalten. Dann geht’s los. Mal schneller, mal langsamer, je nachdem, ob wir flotte Pkw oder langsame Lkw vor uns haben. Mal „segeln“ wir unter Alleebäumen gen Osten, mal begleiten uns grüne Wiesen und abgeerntete Getreidefelder. Und kommen genau um halb elf am Platz an der Uecker an. Allerdings mit einem nicht einplanten Umweg. Bei unserem Besuch vor ein paar Jahren ging es quer durch die Stadt. Das geht heute nicht mehr. Die Verwaltung hat dem einen Riegel in Form von dicken Pollern vorgeschoben. Leider weiß das unser Navi nicht und versucht uns, auf der alten Trasse zum Ziel zu bringen. Da hilft wieder einmal meine Copilotin. Ich fahre ganz langsam und halte an, als ich mich dem nächsten Fußgänger am rechten Fahrbahnrand nähere. Meine Frau kurbelt das Fenster auf  der Beifahrerseite herunter und fragt. Erhält eine Antwort, die sich in etwa so anhört: „Sie müssen über die nächste Kreuzung, bei der zweiten biegen Sie links ab. Dann fahren Sie weiter bis zum nächsten Kreisel. Zweite Ausfahrt und weiter, bis ein weiterer Kreisel kommt. Dann wieder zweite Ausfahrt. Bei der nächsten Kreuzung links. Dann ist es nur noch ein kurzes Stückchen weiter auf der rechten Seite.“ Zum Glück behalten wir alles und kommen tatsächlich nach kurzer Zeit am Platz an.

Hauptstraße
Hauptstraße

Zum Vergleich mit Greifswald ist Ueckermünde ein Dorf. Verkehrs- und publikumsmäßig. Doch wir stellen fest, dass sich in den vergangenen Jahren viel getan hat. Der Tourismus ist ein Trumpf, mit dem auch hier Geld gemacht wird und gemacht werden soll. Die Innenstadt zeigt sich im „Sonntagsstaat“. Huckeliges Kopfsteinpflaster ist feinstem Klinker gewichen. Fassade an Fassade glänzt in frischer Farbe. Von keinem Haus bröckelt mehr der Putz, von ein paar „alten Hütten“ in Nebenstraßen einmal abgesehen. Offene Türen in der St.-Marien-Kirche. Leider dürfen auch hier keine Vierbeiner das Haus Gottes betreten. Und es dürfen auch keine Fotos gemacht werden. Im Vorraum passt eine „Tempelwächterin“ auf, dass sich auch jeder Besucher an diese Vorschrift hält. Ob sie auch kontrolliert, dass alle Sehleute einen Obolus in den aufgestellten Spendenkasten stecken, kann ich nicht feststellen. Wir halten uns an unseren Vorsatz: Wo unser Zwergdackel nicht hineindarf, gehen wir auch nicht hinein und geben auch keine Spende.

Fischerdenkmal
Fischerdenkmal

Auf  dem Marktplatz ist – vor Jahren hatten wir dasselbe Glück – Markttag. Mit Händlern aus der Stadt und der Umgebung. Da reicht das Angebot vom „fangfrischen“ Fisch über Honig aus eigener Imkerei bis hin zu den Klamottenständen unserer ausländischen Mitbürger mit dunkler Hautfarbe. Nach einer Platzrunde geht’s weiter die Hauptstraße entlang. Es ist nicht weit, bis die Läden aufhören. Ueckermünde ist eben nicht Bremen, nicht Hamburg aber auch nicht Grömitz oder Timmendorf. Auf dem Rückweg zum Troll kehren wir in der „Freundschaft“ ein. Ein soziales Lokal, in dem Eisbein mit Sauerkraut und Erbsenpüree noch für fünf Euro zu haben sind. Jägerschnitzel mit Pommes und kleinem Salat 5,80 Euro oder Wurstgulasch mit Nudeln für vier Euro. Für alle, die auch dort in einfachem aber sauberen Ambiente speisen möchten: Das Angebot findet sich wenige Meter links hinter der Brücke, wenn man von Stellplatz an der Uecker stadteinwärts geht.

An der Uecker
An der Uecker

Frisch gestärkt besuchen wir das Rathaus, das im ehemaligen Schloss untergebracht ist. Werfen einen Blick ins Haffmuseum, bummeln ein Stück an der Uecker entlang und kehren anschließend zum Troll zurück. Bei hochsommerlichen Temperaturen und einem blauen Himmel mit lauter Schönwetterwolken machen wir es uns vorm Troll bequem. Schatten spenden dabei unsere großen Badetücher, fein säuberlich an einer „Wäscheleine“ an der ausgefahrenen Markise aufgehängt. Einzige Unterbrechung an diesem Sommersonnennachmittag: Eine Beauftragte der Stadt kommt vorbei, um die Kurtaxe zu kassieren. Ich mache ihr klar, dass aus Brüssel durch ein aktuelles Urteil Kurtaxe an Orten verboten wurde, die keine echten Kurorte sind. Das beeindruckt sie zwar nicht, aber sie verzichtet nach dem Hinweis, dass wir bereits am nächsten Morgen weiterfahren wollen.