Hafenansicht, rechts davon ist der Stellplatz
Hafenansicht, rechts davon ist der Stellplatz

Nach dem Mittagessen und der selbst verordneten Ruhepause machen wir uns auf die Socken. Auch hier waren wir schon einmal vor Jahren und freuen uns, Bekanntes noch einmal zu erleben. Bergan geht’s zum Marktplatz. Da heißt es aufgepasst, um nicht von den unablässig den Kreis durchfahrenden Blechkisten „auf Trab“ gebracht zu werden. Er ist übrigens der Kern der spätbarocken Stadtanlage und wurde 1733 von Christoph Julius Löwe aus Braunschweig angelegt. Alles überragt von der Stadtkirche. 1778 von Leibmedicus Verpoorten erbaut. Von Buttel 1831 mit einem 45 Meter hohem Turm ausgestattet. Weiter geht’s in die Fußgängerzone, die Einkaufsmeile. Geschäft reiht sich an Geschäft, quer durch alle Branchen. Meine Holde kann der Auslage eines Modegeschäfts nicht widerstehen. Mit einem neuen Top für sich kommt sie nach einer Weile wieder zurück. Zwischendurch – damit es mir vor dem Laden wohl nicht zu langweilig wird - bringt mir die Inhaberin einen Bonschen.

Es dauert eine Weile, bis wir auch die letzte Auslage begutachtet haben. Dann kommt als krönender Abschluss ein Eisbecher „obendrauf“. Den Gang durch den Park sparen wir uns heute. Den haben bereits bei unserem vorigen Besuch gemacht. Am Troll angekommen, gibt es die zweite Portion Kuchen vom Ueckermünder Bäcker samt einem – das sei ehrlicherweise gesagt – vorzüglich aufgegossenem Tee, den mir meine Ingrid vor dem Mobil serviert. Inzwischen ist der Platz bis auf wenige Flächen belegt. Mit Wohnmobilen und Gespannen. Als es langsam Abend wird, kann ich zufrieden feststellen, dass wieder einmal ein schöner Tag zuende geht. Morgen soll es weitergehen, Richtung Heimat.

Die Strelitzie, Wahrzeichen der Stadt
Die Strelitzie, Wahrzeichen der Stadt

Zur Geschichte: In der Mecklenburgischen Seenplatte gründeten die Herzöge von Mecklenburg-Strelitz im Jahr 1733 die Residenzstadt Neustrelitz. Ein Bummel durch die Straßen der denkmalgeschützten Altstadt erinnert an die Blütezeit der Residenz im 19. Jahrhundert. Sehenswert ist der Schlossgarten, eine grüne Oase am Rande der Innenstadt, mit einer barocken Mittelachse, zahlreichen Skulpturen und Brunnen, an alten Bäumen und romantischen Spazierwegen. Er wurde 1729 bis 1731 angelegt und im 19. Jahrhundert nach Plänen von Peter Josef Lenné im englischen Stil erweitert. Neustrelitz entstand als spätbarocke Planstadt, nachdem die wenige Kilometer entfernte ursprüngliche Residenz Strelitz im Jahr 1712 abgebrannt und zwischen 1726 und 1732 ein Jagdschloss am Zierker See zum neuen Residenzschloss ausgebaut worden war. Das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz entstand aufgrund der letzten mecklenburgischen Landesteilung. In dem kleinen Fürstentum konnte der territorialstaatliche Absolutismus, der in den meisten anderen deutschen Kleinstaaten existierte, nicht durchgesetzt werden.

Viereckiger Marktplatz mit Kreisverkehr
Viereckiger Marktplatz mit Kreisverkehr

Europaweit einzigartig ist der vom quadratischen Markt ausgehende achtstrahlige Straßenstern in direkter Nachbarschaft des weitläufigen Schlossgartenareals. Einen herrlichen Rundblick auf die Stadt und ihr Umland genießt der Neustrelitz-Besucher von dem im toskanischen Stil erbauten Turm der Stadtkirche. Im 19. Jahrhundert wurde das Stadtbild von Neustrelitz baulich durch den Schinkelschüler Friedrich Wilhelm Buttel geprägt, der im Auftrag des Großherzogs Kirchen, Repräsentanzbauten und Wirtschaftsgebäude errichtete. Nach Plänen Buttels wurde 1840 bis 1842 auch der Kammerkanal gebaut, die schiffbare Verbindung bis nach Berlin und Hamburg. Ein Hafen am Zierker See entstand. Mit der Eröffnung des Eisenbahnverkehrs von Berlin nach Stralsund (1877/78) bzw. Rostock (1886) erhielt der Fremdenverkehr in Neustrelitz Aufschwung. Die Seen um die Stadt waren insbesondere in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts „Badewannen“ der Berliner.

Das Residenzschloss wurde Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und später abgetragen. Zum erhalten gebliebenen schönen Schlossgartenensemble mit seinen Skulpturen, Brunnen und alten Bäumen gehören Bauten wie die neugotische Schlosskirche, die klassizistische Orangerie, der Marstall, der Hebetempel und die Gedächtnishalle für Königin Luise von Preußen. Die Gemahlin von Friedrich Wilhelm III. war eine geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz. Einer ihrer Söhne wurde als Wilhelm I. deutscher Kaiser, eine Tochter Zarin von Russland, Königin Luise starb am 19. Juli 1810 nahe Neustrelitz auf Schloss Hohenzieritz.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Dass Neustrelitz sich als kulturelles Zentrum der Seenplatte versteht, beweist die Stadt mit zahlreichen Veranstaltungen und Festen. Der malerische Schlossgarten ist im Juni/Juli Schauplatz der Festspiele und wechselnden Freilicht-Operetteninszenierungen des Landestheaters Neustrelitz. Im Sommer stehen auch Auftritte der Deutschen Tanzkompanie, des weltbekannten in Neustrelitz beheimateten Tournee-Tanztheaters auf dem Programm.