Für Liebhaber der Bildenden Kunst öffnet Neustrelitz von Mai bis September die Plastikgalerie in der Schlosskirche und präsentiert dort die Traditionen bedeutender figürlicher Plastik Deutschlands. Zum vielfältigen Kulturangebot der Stadt gehören außerdem Expositionen des städtischen Museums, die Alte Kachelofenfabrik mit Kino und Galerie, die Hofkonzerte mit Weltmusik in Klein Trebbow sowie der Kunstpfad mit modernen Skulpturen um den Zierker See. Die Residenzstadt Neustrelitz besitzt mit der aus dem südlichen Afrika stammenden Blume Strelitzia reginae ein wahrhaft königliches Symbol. Joseph Banks, der englische Naturforscher und Direktor der Königlichen Gärten in Kew, benannte die exotische Schönheit 1773 nach der Heimat der von ihm verehrten Queen Charlotte, die aus dem herzoglichen Haus Mecklenburg-Strelitz stammte. 1818 machte die Königin die Strelitzie ihrer Familie in Mecklenburg-Strelitz zum Geschenk. Zunächst wurde die Staude in Hohenzieritz, später in Neustrelitz in der fürstlichen Orangerie am Schlossgarten gehalten. Dort gelangte sie 1822 zum ersten Male  in Deutschland zur Blüte. Seit 1995 ist die Strelitzie die Stadtblume von Neustrelitz.

Einfahrt zur Schleuse
Einfahrt zur Schleuse

Dömitz

Heute ist Dömitz unser Ziel. Die Stadt an der Elbe. Sie gehörte zu DDR-Zeiten zum Grenzgebiet und ist die südlichste Gemeinde von Mecklenburg-Vorpommern. Sie liegt im Dreiländereck Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg. Außerdem ist sie Endpunkt der Müritz-Elde-Wasserstraße, die die Elbe mit  der oberen Havel verbindet. Wir sind schon früh auf den Beinen, ääh Rädern, um die 170 Kilometer zurückzulegen. Bei Sonnenschein und blauem Himmel ohne ein Wölkchen geht’s los. Immer Richtung Südwesten. Den oft einladenden Orten, den Sehenswürdigkeiten links und rechts der Straße schenken wir keine Beachtung. Schließlich wollen wir um die Mittagszeit am Zielpunkt sein.

Stellplatz an der Elde
Stellplatz an der Elde

Gegen halb eins treffen wir an der Schleuse in Dömitz ein. Müssen uns erst einmal orientieren. Unser Navi soll uns zum Hafenplatz drei bringen. Und prompt fahren wir daran vorbei. Nach 500 Metern merken wir es und drehen um. Erneuter Anlauf. Diesmal schaffen wir es, die Einfahrt zu den Stellplätzen liegt linker Hand, vorbei an einem unübersehbarem Lokal, der Hafengastronomie. 500 Meter weiter stehen wir endlich am Ufer der Müritz-Elde-Wasserstraße. Mitten im Grünen und doch nicht allzu weit von der Stadt, von Supermärkten, von der Schleuse und einem Campingplatz entfernt. Sogar mit Strom und Wasser. Acht Euro fürs Stehen und zwei Euro pauschal für den Strom. Da kann man nicht meckern. Oben auf dem Deich sind eingeschränkte Stellzeiten. Da heißt es: Vom 30. 4. bis 25. 5. und vom 1. 6. bis zum 31. 8. dürfen dort Wohnmobile parken. Außerhalb dieser Zeiten ist es auf dem Deich verboten.

Historische Gebäude
Historische Gebäude

Wir stellen den Kühlschrank von Gas und zwölf Volt auf elektrisch um, verriegeln unseren Troll und marschieren los. Anfangs geradeaus bis zur Hauptstraße, dann links Richtung Stadt. Lassen uns – weil Mittagszeit – beim Griechen bewirten und setzen dann gestärkt unseren Weg fort. Und wie so oft, stimmt die Entfernungsangabe in den Reiseführern nicht. Aus dem gut einen Kilometer werden am Ende gute zwei, bis wir im Zentrum von Dömitz ankommen. Wir bewundern die große, backsteinerne Johanneskirche, können sie aber leider nicht von innen sehen. Wegen Vandalismus und wohl wegen vorkommender Diebstähle kann das Gotteshaus nicht unbeaufsichtigt geöffnet werden. Schade.

Also bummeln wir weiter durch die Altstadt Richtung Festung. Das ist hier die eigentliche Attraktion. Uns fällt dabei auf, dass etliche Geschäfte geschlossen und die Fenster zugeklebt, eine Vielzahl von Privathäusern in einem schlimmen Zustand und vom Verfall bedroht sind. „Das passiert oft dann, wenn sich die Altbesitzer melden. Ihre Häuser zurückerhalten und sich dann nicht darum kümmern können oder wollen“, erklärt uns eine Frau, die im Ort wohnt und offensichtlich die Verhältnisse kennt. „Mitunter gibt es auch Streit zwischen Erbengemeinschaften. Das Ergebnis sehen Sie dann hier“, sagt sie und zeigt auf ein verkommendes Wohnhaus.

Die Festung
Die Festung

Nach geraumer Zeit und beinahe runden Füßen erreichen wir die Festung am Rande der Stadt. Eine der dicken und hohen Mauern, die von einem breiten Graben umgeben sind, wird gerade restauriert. Durch das imposante Eingangstor gelangen wir ins Innere. Staunen über  die großen und kleinen Gebäude, über die Kasematten und die Räume der Kommandanten. Und erleben eine Hochzeit mit. Ein Brautpaar, just in einem Saal der Festung getraut, geht von Fotografierstation zu Fotografierstation. Von der Treppe des Hauptgebäudes über den weiträumigen Hof bis zum Foto am alten Geschütz. Ihm folgt die Hochzeitsgesellschaft von Foto zu Foto. „Alle Achtung, ein geduldiges Volk, das nicht sofort zu den vollen Schüsseln und Gläsern eilt“, denke ich.

Frisch getraut . . .
Frisch getraut . . .

Für uns geht es zurück zum Wagen. Die Luft hat sich etwas abgekühlt. Leider nur etwas. Wolken sind inzwischen aufgezogen. Wir freuen uns, dass es nicht so ganz heiß ist. Im Troll haben wir Gelegenheit, unsere Füße auszustrecken und uns etwas vom anstrengenden Trip zu erholen.