Zum Nienburger Spargel und Hermann dem Cherusker

Der Parkplatz am Hermannsdenkmal ist für alle da
Der Parkplatz am Hermannsdenkmal ist für alle da

Nur eine Packung an der Pumpe undicht, stellt der kompetente Mechaniker fest. Mehmet Beslernmis arbeitet unter erschwerten Bedingungen – den „Wasserknecht“ hat Adria in einem engen Loch vor der Heizung platziert – zwei Stunden lang. Ersetzt den Filter und die Dichtung, trocknet anschließend den Zwischenraum unter der Duschwanne mit Pressluft und meldet dann: „Geschafft“.

Rückblende: Auf unserer Tour an die Ostsee kam unerwartet Feuchtigkeit unter der Badezimmertür hervor. Wir mussten umkehren und unsere Fachwerkstatt südlich von Bremen aufsuchen. Ostsee ade. Das kostete nicht nur Nerven, sondern auch einen Tag mit fünfstündigem Stop-and-Go auf der Autobahn.

Denkmal für die Spargelernte
Denkmal für die Spargelernte

Danach heimwärts? Kommt nicht in Frage. Keine Rückkehr ans Baltische Meer. Nun geht es südwärts. Genauer: Weser aufwärts. Weil uns planmäßig noch eine Woche bleibt, wollen wir den Hermann besuchen. Den legendären Cheruskerfürsten, der die Römer das Fürchten lehrte. Anschließend geht’s zu den Externsteinen. Und wer weiß, vielleicht liegt ja noch mehr am Wegesrand.

Weil der Tag nach dem erfolgreichen Werkstattbesuch schon ziemlich weit fortgeschritten ist, geht’s heute nur noch bis Nienburg. Der historischen Stadt an der Weser. Früher eine Metropole der Glasbläser, heute eher durch den weiträumigen Spargelanbau bekannt.

Wie in den Tagen zuvor herrscht azurblauer Himmel, bläst immer noch eine ziemlich kühle Brise, aber es bleibt trocken. Ideales Wetter für Wanderer, Radfahrer und  . . . Menschen, die mit dem Womo unterwegs sind. Die gibt’s reichlich, sehen wir auf der Straße und später auch auf dem Stellplatz direkt an dem Fluss, der in Hann.-Münden aus Werra und Fulda gebildet wird. Doch wir finden noch eine Lücke, in der unser Troll gut aufgehoben ist.

Die Weser - direkt vor dem Stellplatz
Die Weser - direkt vor dem Stellplatz

Dann folgt der Gang in die Altstadt. Mit attraktiver Fußgängerzone, mit gemütlichen Lokalen und einem Wochenmarkt, der weit und breit seinesgleichen sucht. Leider mit Hund tabu. Architektonisches Aushängeschild der fast 1000-jährigen Stadt ist das Rathaus, Prachtstück der Weserrenaissance und Symbol der bürgerlichen Unabhängigkeit. Bereits im 13. Jahrhundert werden die Nienburger Ratsherren urkundlich erwähnt. Der Kern des Gebäudes, dessen Kellergewölbe mit dem Ratskeller noch erhalten ist, stammt wohl aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert. Am bedeutenden Weserübergang zwischen Minden und Bremen kreuzten sich schon früh die bedeutenden „Botenkurse“, wie Postwege damals genannt wurden. 1616 errichtete die Familie von Thurn und Taxis hier eine Station. Der Posthof existiert noch heute. Er wird von der Stadt seit 1977 als Bibliothek genutzt und damit vor dem Verfall bewahrt. Nicht zu vergessen der sehenswerte Dom zwischen schmalen Gassen und engbrüstigen Häusern.

1873 wurde in Nienburg die erste Glashütte eröffnet. Die Umgebung bot reichlich Quarzsand, chemische Industrie gab es ebenfalls. Handarbeit wurde nach den Anfangsjahren durch Maschinen ersetzt. Ergebnis: Über 20.000 Flaschen verließen täglich die Fabrik. Rund 850 Arbeiter und Angestellte fanden ihr Auskommen. Eine weitere Fabrik siedelte sich an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts betrug die Jahresproduktion der Nienburger Glasindustrie rund 45 Millionen Flaschen.

Hermann auf seinem Podest
Hermann auf seinem Podest

Bei Sommersonnenwetter steuern wir am nächsten Morgen gen Detmold und damit Richtung Hermannsdenkmal. Es ist über vierzig Jahre her, dass wir ihn besuchten. Und er hat sich im Laufe der Jahrzehnte nicht verändert. Im Gegensatz zu uns sieht er noch immer jung und kampfeslustig aus. In luftiger Höhe, das Schwert in der Faust. Zu seinen Füßen Pilgerscharen wie damals. Busse spucken ihre „Fracht“ aus. Auf dem weiträumigen Parkplatz (2 Euro) findet unser Troll leicht ein schattiges Plätzchen. Dann geht’s zu Fuß weiter. Nicht weit. Rund 400 Meter. Am 16. August 1875 war die Einweihung durch Kaiser Wilhelm I. 4.000 Personen und 200 bis 300 Fahnen nahmen teil. Rund 30.000 Menschen zählte das anschließende Volksfest. 1909 fand das nächste statt. Zur 1900-jährigen Wiederkehr der Schlacht am Teutoburger Wald. Fast 1.000 Darsteller wirkten mit, dazu 200 Zugtiere (Ochsen und Pferde) für die Gespanne. 30.000 Besucher waren gekommen. 1915 wurden erstmals mehr als 50.000 Besucher gezählt. Die 70-er Jahre brachten dann Rekorde von 400.000 Personen jährlich.