Der Jungbrunnen
Der Jungbrunnen

Wir haben noch zwei Tage. Am dritten soll’s nach Hause gehen. Bleiben wir an der Weser oder geben wir dem Troll die Sporen? „In Bad Harzburg gibt’s einen neuen Platz. Dort waren wir noch nicht“, sagt meine Angetraute. Ihr Wunsch ist mir Befehl. 160 Kilometer liegen vor uns. Dass es zwanzig mehr werden, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Eine Straßenbaustelle verhindert die direkte Zufahrt über Goslar. Wir müssen einen weiten Umweg machen. Doch in den Mittagsstunden ist das Ziel mit den 25 Standplätzen erreicht. Leider liegt es an der Hauptdurchgangsstraße. Verkehrslärm ohne Ende. Vor allem Kradfahrer strapazieren die Gehörmuscheln. Einparken und ab in den Ort. Zu Fuß eine Viertelstunde. Dann ist die Shoppingmeile erreicht. „Vor wenigen Tagen war hier noch schauderhaftes Wetter“, erzählt eine Einwohnerin, „Gott sei Dank ist jetzt endlich Sommer.“

Esel als Reittier
Esel als Reittier

Am Weg in die Innenstadt liegt die Touristinfo. Hier versorgen wir uns mit Material. Die „Stadt der Luchse“ gehört zu den 4-Top-Heilbädern Deutschlands, wenn man der Eigenwerbung Glauben schenken will. Die Sole-Therme im Kurpark soll ein wahrer Wellness-Tempel sein. Auf jeden Fall ist Bad Harzburg ein echtes Wanderparadies. Ob als Starthilfe mit der Burgberg-Seilbahn oder gleich per pedes. Auf uns wartet nicht nur die Luchs-Fütterung, sondern auch die Magd Minna, die Kiepenfrau und das Wildkatzen-Walderlebnis. Übrigens sind auch Vollblüter in Bad Harzburg Zuhause. Fünf Renntage gibt es in diesem Jahr. Golf und Hochseilgarten, Nordic Walking und Mountainbiking, vieles ist möglich. Wir beschränken uns auf den Bummel in die Innenstadt. Kehren am frühen Abend zum Platz zurück und finden dort weitere vier Mobile vor.

Bummelmeile
Bummelmeile

Der neue Stellplatz war ursprünglich eines von drei Freibädern. Das war für Bad Harzburg eines zuviel. Die Kommune ließ das Becken zuschütten. Platz für den neuen Stellplatz war geschaffen. Der Abend wird gemütlich, auch ohne Fernsehen. Hohe Bäume verhindern auf den meisten Plätzen den Empfang. Auch auf unserem. Leider hatten wir das beim Eintreffen nicht ausprobiert. Nun ist es zu spät.

Marktplatz in Celle
Marktplatz in Celle

Am nächsten Morgen geht’s zum letzten Ziel auf dieser Reise. Gen Norden. Nach Celle. International bekannt durch die Pferdezucht. Gegründet wurde das Landgestüt am 27. Juli 1735 durch Kurfürst Georg II. von Hannover. Der Blaublütige war auch König von Großbritannien. Mit dem Rückgang der landwirtschaftlichen Pferdenutzung fokussierte das Gestüt sich konsequent auf die Zucht von Sportpferden, war Vorreiter der deutschen Warmblutzucht und agierte neben dem deutschen auch auf dem internationalen Markt.

Innenstadt
Innenstadt

Uns kümmern an diesem hochsommerlichen Tag weniger die edlen Rösser. Unser Interesse gilt der historischen Innenstadt mit rund 450 liebevoll gepflegten Fachwerkhäusern, mit Gassen und Straßen, die den Betrachter leicht ein paar Jahrhunderte zurückversetzen.

Stellplatz an der Aller
Stellplatz an der Aller

Vom Langensalzaplatz aus (laut Führer vier Stellplätze, in der Realität bestenfalls zwei für bis zu sechs Meter Länge) machen wir uns auf den Weg. Pluspunkt für den Platz: In wenigen Minuten lassen sich das Zentrum und die Sehenswürdigkeiten erreichen. Da warten neben dem Altstadtkern das Herzogschloss mit Residenzmuseum, Stadtkirche mit Fürstengruft, herrliche Parkanlagen, Museen und Heilpflanzengarten auf uns. Dreimal täglich ertönt das Celler Glockenspiel (11, 13 und 17 Uhr).

Zur Mittagszeit kehrten wir beim Tai ein. Spazieren anschließend zurück zum „Troll’“ und beschließen, die Nacht nicht mitten in der Stadt mit ihrem Verkehrslärm zu verbringen. Also auf zum Schützenplatz an der Hafenstraße. Den gibt’s wie die beiden Plätze in der Stadt zum Nulltarif. Direkt an der Aller finden wir noch eine Lücke zwischen den vielen Fahrzeugen. Ein warmer Sommerabend mit blauem Himmel und ein paar weißen Wölkchen kommt uns vor wie ein Abschiedsgeschenk nach einer interessanten Fahrt durch Deutschlands Norden.

Nach einer ruhigen Nacht starten wir noch einmal durch. Unser Zuhause wartet auf unsere Rückkehr. Und natürlich unsere vierjährige Enkelin, die Oma und Opa einige Zeit entbehren musste.celle2

Eins schöner als das andere.

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