Die Berge (fast) immer fest im Blick        

Mit dem Wohnmobil auf der Deutschen Alpenstraße vom Bodensee zum Königssee

Der Sommer ist kalendermäßig vorbei, der Herbst hat noch nicht mit voller Macht Einzug gehalten. Die Temperaturen bewegen sich weit unter der 25-Grad-Marke. Ja, ich möchte sagen, es ist angenehm. Morgens und Abends zwar ein bisschen frisch, aber gut auszuhalten. Genau das Richtige für Leute in unserem Alter. Wie (fast) immer mache ich am Schreibtisch und PC die Reiseplanung. Ins Blaue zu fahren, nicht zu wissen wo ich morgen, übermorgen oder nächste Woche mein Bett aufstelle, ist nicht mein Ding. Norddeutschland haben wir in diesem Sommer genug gehabt. Jetzt ist der Süden dran. Nein, nicht die Südsee und auch nicht Südafrika. Ich bleibe weiter in heimischen Gefilden. Aber im südlichsten Süden soll es sein. Und im südlichsten Süden liegen die Alpen. Sozusagen Südbayern, das Chiemseer und Berchtesgadener Land, Königssee, Tegernsee, Neuschwanstein, historische Kurorte wie Lindau, Bad Hindelang, Füssen, Garmisch-Partenkirchen oder Bad Tölz und grüne Wälder, sattgrüne Alpenwiesen und sanftes Hügelland, wehrhafte Burgen und prächtige Schlösser, romantische Täler und  . . . immer wieder eine grandiose Bergkulisse.

Dieses Schild begleitete uns am Straßenrand auf 450 Kilometer durch die Alpen.
Dieses Schild begleitete uns am Straßenrand auf 450 Kilometer durch die Alpen.

Mir hilft bei der Planung der Touristikverein Deutsche Alpenstraße mit seiner Website. Mit einer Route für Motorradfans, Cabriofahrer und eben Wohnmobilisten. Die gedruckte Ausgabe mit den schönen Bildern – die ich so gerne hätte, um mich schon einmal im Vorfeld daran zu freuen – ist leider vergriffen. Mir hilft nur das Internet. Mir hilft außerdem der Reiseführer von Andrea Herfurth-Schindler und Andreas Schulz. In ihrem 344 Seiten starkem Buch heißt es: Die Mass ist das Maß aller Dinge. Mass – kurz und knapp gesprochen. Niemals Maß mit langgezogenem „a“. Das ist preußisch. Und die Saupreißn mag man in Bayern nicht sonderlich. Doch mehr als 20 Millionen Gäste (unter ihnen auch jede Menge Preußen) lassen sich davon nicht abschrecken. Die verbringen ihren Urlaub im Bajuwarenland. So wie wir jetzt. Und mir hilft bei der Planung auch wie schon so oft der Baedeker, der Rhöntourist und Wikipedia.

Weil Lindau, der Ausgangspunkt zu dieser Tour in alpine Höhen, nicht in einem Tag erreicht werden muss, soll es eine Zwischenübernachtung geben. In Bad Brückenau. Hier machten wir vor Jahren schon einmal Halt auf einer Tour gen Bayern. Damals brachen wir die Fahrt ab, weil unser 14 Jahres altes „Fritzchen“, der Kumpel von Calle, unheilbar krank war und eingeschläfert werden musste.

Bad Brückenau

Das bayerische Staatsbad liegt im Sinntal in der bayerischen Rhön und ist als Kurort für seine Heilwasserquellen und seine medizinische Kompetenz berühmt, lese im „Rhöntourist“. Besonders sehenswert in Bad Brückenau sei vor allem der Stadtteil „Staatsbad“ mit seinem beindruckenden historischen Kurgarten, der direkt von den Bergen der Rhön umgeben ist. König Ludwig I. von Bayern prägte Bad Brückenau mit seinen prachtvollen Bauten und legte damit den Grundstein für den historischen Flair und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Die Bauten König Ludwigs I. und der Fürst-Äbte von Fulda befinden sich geballt im und um den Kurpark und beeindrucken jeden Besucher. Ob sie auch mich beeindrucken, will ich an Ort und Stelle überprüfen.

Im Vergleich zum benachbarten Weltbad Kissingen bleibt der Kurbetrieb jedoch bescheiden. Aber immerhin kommen die russische Zarin Maria Alexandrowna (geborene Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt) und die griechische Königin Amalie (Ludwigs Schwiegertochter) nach Brückenau. Doch vermutlich war der König aufgrund seiner hervorragenden Gesundheit kein guter Werbeträger für ein Kurbad. Bereits zu Zeiten Karls des Großen führte an der Stelle der heutigen Stadt eine „Heerstraße in Speeresbreite“ über die Sinn, und vermutlich siedelten sich an dieser Furt bereits erste Bauern an. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand eine größere Siedlung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1249. Schon im 15. Jahrhundert war im Sinntal rund vier Kilometer südwestlich der Stadt eine sauer schmeckende Quelle bekannt, deren Wasser Heilwirkung zugesprochen wurde. 1747 wurde dort unter dem Fuldaer Fürst-Abt Amandus von Buseck die erste Heilquelle eingefasst. Unter seinem Nachfolger, dem Fuldaer Fürst-Bischof Heinrich von Bibra, entwickelte sich im Sinntal ein Badeort mit ersten kleineren Hotels und einem Badehaus. Der beginnende Kurbetrieb sorgte zwischen 1759 und 1788 für eine erste Blütezeit. Aus dieser Zeit stammen die barocken Bauten entlang der Hauptachse des Kurparks.

Nur eine von etlichen Brunnenanlagen im Kurpark.
Nur eine von etlichen Brunnenanlagen im Kurpark.

In Bad Brückenau gibt’s drei Plätze, auf denen wir Troll eine Pause gönnen können. Warum aber in der offiziellen Stadtvorstellung im Internet unter „meinestadt“ zwar Ferienwohnungen, Hotels, Pensionen und Privatunterkünfte aufgeführt sind aber nicht der kleinste Hinweis auf einen Wohnmobilstellplatz erfolgt, kann ich nicht nachvollziehen. Aber da hilft uns Gott sei Dank der Stellplatzführer weiter. Mit zwei ungepflegten Plätzen, hat „kpra6548“ im vergangenen Jahr festgestellt und einem sehr schönen. Der letztere in der Schlüchterner Straße für 13,50 Euro einschließlich Kurtaxe. Da soll’s nun hingehen.

Den erreichen wir bei grauem aber meist trockenen Himmel in flotter Fahrt nach rund 450 Kilometern auf der A 7 und einer kleinen Strecke über Landstraßen. Haben sogar die Möglichkeit, uns von drei freien Stellflächen eine aussuchen zu können. Gönnen uns nach dem Einparken die traditionelle Tasse Tee. Dann geht’s in „Dorf“. Dorf ist hier natürlich stark untertrieben, denn wir stehen oberhalb des Kurviertels mit seinen Prunkbauten samt Kurpark. Das lassen wir beim Bummel durch die gepflegten Anlagen auf uns wirken. Samt Parkhotel und Fürstenhof. Ein Teil der Parkanlage bleibt uns allerdings verschlossen. Dort findet gerade ein „Gartenfest“ statt. Für sechs Euro Eintritt pro Nase. Weil das „Gartenfest“ aber in erster Linie eine Verkaufsschau für alle möglichen und unmöglichen Dinge ist (durch das Absperrgitter lässt sich das prima beurteilen), verzichten wir gern darauf. Schließlich muss ich bei Karstadt oder Hertie, Kaufhof oder Kaufland ja auch keinen Eintritt zahlen, wenn ich mir die Auslagen der Stände zwecks Erwerb angucken will. Den Rest des Nachmittags machen wir es uns im Troll gemütlich. Na, Sie wissen es schon? Natürlich mit Tee. Echtem ostfriesischen. Morgen früh soll’s dann an die zweite Etappe der Anreise zur Deutschen Alpenstraße gehen. Nach Lindau.