Die Hafeneinfahrt in Lindau, ein beliebtes Fotomotiv.
Die Hafeneinfahrt in Lindau, ein beliebtes Fotomotiv.

Lindau

Der Start erfolgt am Morgen nach dem Frühstück, nach dem Zahlen des Parkticket: drei Stockwerke im Parkhaus am Stellplatz runter, Euronen in den Automaten, quittiertes Ticket raus, drei Stockwerke wieder hoch und hinüber zum Platz. Dann „schippern“ wir erst im Frühdunst, danach im hellsten Sonnenschein über die Autobahn gen Süden. Auf Anhieb den Großparkplatz Reutiner Straße gefunden. Dort 20 Euronen Parkgebühr in den blechernen Automaten (das lässt sich nur als Abzocke bezeichnen, denn VE und WC kosten extra),  Ticket gezogen und wenig später zur nahen Bushaltestelle zur Fahrt ins Zentrum von Lindau.

Dort am Hafen geht’s zu wie in der Hochsaison des Sommerschlussverkaufs. Dicht an dicht drängen sich die Menschenmassen. Die Lokalitäten machen das Geschäft ihres Lebens. Kein Tisch vor  den zahlreichen Lokalen am Hafen ist mehr frei. Mit wesentlich weniger Umsatz (und Gewinn) müssen sich die vielen fliegenden Händler an der Promenade zufrieden geben. Unheimlich viel Sehleute, aber kaum Käufer für die Kunsthändler, die Schmuckstände und das Selbstgebastelte. Kaum Einkommen für die Musikanten oder das lebende Standbild (siehe unter dem Text) auf  kleinem Sockel.

Hier brutzeln unsere beiden halben Hähnchen.
Hier brutzeln unsere beiden halben Hähnchen.

Wir gönnen uns – weil sich der Magen mürrisch meldet – ein halbes Hähnchen mit Pommes. Und müssen eine geschlagene halbe Stunde darauf warten, bis es endlich auf den Tisch kommt. Schneller ging’s mit einem Glas Wasser und einem Bier, das stand schon nach wenigen Minuten vor uns. Noch ein Bummel durch die alten Straßen, die engen Gassen und dann am Hafen entlang wieder zurück zum Stadtbus Linie 1. Der bringt uns am frühen Abend für 2,10 Euro wieder zurück zum Parkplatz Blauwiese. Dort geht dann (ohne Fernsehen, weil kein Signal) ein warmer Sommertag in die Dämmerung und danach in einen laue Nacht über.

Lindau, die Stadt im Dreiländereck Deutschland/Österreich/Schweiz zählt jährlich 800.000 Übernachtungen, rund 80 Hotels und Gasthöfe stellen 2.920 Gästebetten, Ferien- und Privathäuser weitere 120.000. Die Insel- und Gartenstadt, liegt auf einer Insel im Oststeil des Bodensees. Den Namen „mit Linden bestandene Insel“ gibt’s seit 882. Er bezog sich damals auf ein adliges Frauenkloster, das der Legende nach um 810 von einem Grafen als Dank für seine Rettung aus Seenot gestiftet worden war. Vor den Nonnen lebten Fischer auf der Insel. Zwischen Stift und Fischerdorf entstand eine Kaufmannssiedlung. Später verband eine steinerne Brücke die Insel mit dem Festland. Die Stadt profitierte vom Transport von Massengütern (Salz, Getreide, Holz) über den See und auch vom transalpinen Handel. 1805 fiel Lindau an Bayern, das seitdem einen Zugang zum „Schwäbischen Meer“ besitzt.

Er spielt fantastisch Harfe . . . und hat auch CD's dabei.
Er spielt fantastisch Harfe . . . und hat auch CD's dabei.

1853/54 wurde Lindau an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Das neue Verkehrsmittel förderte den Getreidehandel als zeitweise wichtigsten Wirtschaftszweig und den Tourismus. Die ersten Hotelbauten entstanden in der Nähe des Bahnhofs. 1856 wurde der neue Seehafen als Schnittstelle der damals modernsten Verkehrsmittel -  Dampfschifffahrt und Eisenbahn - fertiggestellt. Als südwestliche Eingangspforte Bayerns erhielt er einen besonders repräsentativen Charakter. Davon zeugen noch heute der 36 Meter hohe Leuchtturm und der sechs Meter hohe und 50 Tonnen schwere bayerische Löwe aus Marmor, die zu Wahrzeichen der Stadt geworden sind. Nach einhelliger Meinung die schönste Hafeneinfahrt am Bodensee. Doch neben Leuchtturm und Löwe hat Lindau noch anderes zu bieten. Zum Beispiel das Alte Rathaus am Bismarckplatz. 1496 Schauplatz eines Reichstages und mit einer Fassadenmalerei, die weithin ihresgleichen sucht. Oder die Maximilianstraße, die Bummelmeile der Lindauer Altstadt mit ihren Prachtbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dazu kommen Kirchen und Türme wie der Pulverturm, Mangturm oder der Diebsturm. Um 1400 erbaut als westlicher Punkt der ehemaligen Stadtbefestigung und in der Vergangenheit Gefängnis und Wachtturm.

Doch nun genug von Stadt und Geschichte. Bei dieser Fahrt durchs Land der Bajuwaren will ich in erster Linie Landschaft und nicht Städte genießen. Will Aus- und Einblicke haben. Ausblicke von Höhen, für die unser Weyerberg – die einzige größere Erhebung im Großraum Bremen - mit seinen 54 Metern ein Fliegenschiss ist. Will Einblicke haben in Täler und Schluchten, die weder die Hammeniederung noch unser heimatliches Teufelsmoor bieten kann.

Über 450 kurvenreiche Kilometer liegen laut Info vor mir. Von West nach Ost durchs größte Hochgebirge Europas. Entstanden durch die anhaltende Nordtrift der Afrikanischen Platte gegen die Eurasische Platte. Und das dauert immer noch an. In ein paar Millionen Jahren werden die Alpen beträchtlich höher sein. Meine Reise soll von Lindau am Bodensee bis nach Schönau am Königssee gehen. 25 Burgen, Klöster, Schlösser und über 20 kristallklare Bergseen liegen an der Strecke. Dazu renommierte Kurorte und Kulturdenkmäler. Von Lindau aus geht’s über den Rohrach-Anstieg in die Höhen des Pfänderrückens. Nach Lindenberg. Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum im Westallgäu.