Bayerischer geht's nimmer: Haxen und Mass
Bayerischer geht's nimmer: Haxen und Mass

Wenig später erreichen wir den Parkplatz am Königssee. 24 Stunden kosten hier vier Euro ohne jeden Service. Da kann man nicht meckern. Ich erklomm vor gut acht Jahren per Seilbahn (dann ist’s am leichtesten) den Jenner und ließ mich per Elektroschiff gen St. Bartholomä schippern. Samt Trompetenecho unterwegs. Dass ich das auch heute noch einmal erleben darf, ist schon ein Ding. Für 13,90 Euro pro Nase leisten wir uns diese „See“fahrt. Calle darf für drei Euro auch mitfahren. Obwohl Kundenfreundlichkeit anders aussieht, bestelle ich mir im Restaurant auf der Halbinsel die Hax’n samt Mass (kurz und knapp ausgeprochen). Meine Ingrid lässt sich Schweinebraten servieren. Beide Gerichte mit der traditionellen hausgemachten Semmelknödel. Dann geht’s mit dem Elektroausflugs“dampfer“ wieder zum Troll zurück. Dass wir an diesem überwiegend trockenem Herbsttag die Watzmannspitze nicht sehen können, liegt einzig und allein an den verflixten Nebelbänken. Wie schon bei der Zugspitze liegen die höchsten Gipfel im weißen Dunst. Morgen – wenn das Wetter mitspielt – soll’s wie schon einmal zum Jenner hinauf gehen. Dann hoffen wir auf besseren Fernblick. Mit diesem Ausflug endet dann die Kletterpartie durch den deutschen Teil der Alpen.

Der nächste Morgen bringt uns trockenes und schönes Herbstwetter. Erst dunstig. Dann aufklarend und ab Mittag Sonnenschein bei wiederum wolkenlosen Himmel. Für 42,80 Euro lassen wir uns per Seilbahn zum Jenner bringen. Calle nehmen die Betreiber im Gegensatz zur Bootsbesatzung auf dem See zum Nulltarif mit. Nach einer Viertelstunde sind wir oben. In 1874 Metern Höhe. Genießen erst den Aus- und wenig später den Fernblick über Täler und Höhen. Im Sommer ein ausgezeichnetes Wander- und im Winter ein anspruchsvolles Skigebiet. Nach drei Stunden geht’s zurück zum Troll. Zwischen uns und den neuen Nachbarn auf dem Parkplatz gibt’s jetzt einen Abstand von rund 30 Zentimetern. Ein bisschen verdammt wenig. Selbst für einen Kuschelparker. Also stelle ich den Troll um, bis ich 1,20 Meter erreicht habe. Gott sei Dank ist zur anderen Seite Platz genug.

Richtig lebendig wird es aber wenig später, als ein Konvoi von vier Österreichern den Platz erreicht. Die belegen hinter uns die letzten freien Plätze. Lassen rund zwei Meter Abstand zu unserem Wagen und bauen dann in der engen Gasse dazwischen Tische und Stühle auf. Für die weiter oben stehenden Mobile ist damit ein eventueller Fluchtweg passé. Die können den Platz nur verlassen, wenn die Fahrzeuglenker mit dem A-Kennzeichen ihre „Gartenwirtschaft“ abräumen. Und wie in einer Gartenwirtschaft geht’s nun hinter unserem Troll arg lustig zu. Als es dämmrig wird und herbstlich kühl kehrt endlich Ruhe ein.

Das dürfte das bekannteste Motiv von Rothenburg an der Tauber sein
Das dürfte das bekannteste Motiv von Rothenburg an der Tauber sein
Rothenburg ob der Tauber

Am nächsten Morgen ist alles in Nebel gehüllt. Die Berge ringsum, der Parkplatz, die zahlreichen Wohnmobile um uns herum. Frühstück ist angesagt und heißer Kaffee. Der weckt die Lebensgeister und treibt den Schlaf aus den Augen. Dann geht’s zur 150 Meter entfernten Toilette. „Wat mut, dat mut“, seggt wie op Platt. Langsam lichtet sich der graue Schleier. Anfangs zwischen den Mobilen, dann über dem Parkplatz und später auch über den Bergen. Erst ein bisschen, dann immer mehr. Aus den Wolkenlöchern guckt die Sonne hervor. Sie begleitet uns auf den nächsten 420 Kilometern bis nach Rothenburg ob der Tauber. Und sie lacht von oben, als wir auf der A 6 eineinhalbe Stunde im „Stop and go“ im Großraum Nürnberg aufgehalten werden. Ein zig Kilometer langer Stau, der an den Nerven zerrt und der kein Ende nehmen will. Erst beim Wechsel auf die A 7 ist es endlich vorbei. Dazwischen immer wieder Baustellen. Mal an Brücken, mal mitten auf der Strecke.

Brunnen am Marktplatz
Brunnen am Marktplatz

Mir reicht’s, als wir nach sechseinhalb Stunden auf dem Parkplatz unweit der Stadtmauer ankommen. An den Stromsäulen ist alles besetzt. Aber zum Glück haben wir ja Solar und Batterien, die zu Dreiviertel gefüllt sind. Der „Saft“ in unseren körpereigenen Batterien reicht aus, um am Nachmittag zu einem Stadtbummel zu starten. Wir bummeln also zusammen mit Tausenden von Touristen durch die engen Straßen. Es geht zu wie in einem Bienenstock. Mit dem Unterschied, dass bei den Hautflüglern keine Kfz verkehren. Dafür aber in der mittelalterlichen Stadt um so mehr. Selbst Busse quälen sich durch die Menschenmengen. Da heißt es aufgepasst und immer wieder ausgewichen. Bei einer Tasse Kaffee vor einem Café habe ich immerhin das Glück, dass die Pkw meinen Stuhl nicht umfahren. Nur zehn Zentimeter Abstand zwischen ihnen und der hölzernen Lehne im Rücken sind eben nicht allzuviel. Nach gut zwei Stunden reicht’s. Wir machen uns auf den Rückweg. Schließlich ist Sonntag und die „Lindenstraße“ kommt um zehn vor sieben. Die wollen wir sehen. Bei einer Tasse Tee, das ist klar. Dann wird es langsam dunkel. Morgen soll der Heimathafen in Steden angelaufen werden. Das sind, wenn keine Umleitung wie heute unsere Route verlängert, gut 570 Kilometer.