Gegen neun geben wir unserem Troll die Sporen. Es geht erst steil bergan, dann steil bergab. Auf einer der schönsten Panoramastrecken der Alpenstraße. Auf den nächsten 40 Kilometern und 800 Metern Höhe eröffnen sich für meinen Co-Piloten immer neue Landschaftsbilder und Ausblicke. Ich habe keinen Blick für solche Aussichten. Und wenn, nur einen kurzen. Mein Augenmerk gilt der Straße. Ein Fahrfehler kann hier zum Verhängnis werden. Es dauert nicht lange und wir kommen an.

Immer wieder gibt's traumhafte Ausblicke.
Immer wieder gibt's traumhafte Ausblicke.

Lindenberg

Lindenberg war eine Stadt der Hutmacher. Namen wie Mayser, Milz & Cie., Aurel Huber und die Hutfabrik „Mercedes“ und Reich brachten der Stadt Einnahmen. Nach und nach müssen die Firmen aufgeben. Die hutlose Mode macht ihnen den Garaus. 2010 stellt als letztes Mayser die Produktion ein. Nach der Überlieferung haben die Lindenberger Pferdehändler Kenntnisse des Strohflechtens und Hutnähens von Italien mit in die Heimat gebracht. 1815 erfolgt Gründung der Wagnerschen Hut-Compagnie. Die Angehörigen von über 300 Familien sind in Heimarbeit mit der Herstellung von Strohhüten beschäftigt. Die Jahresproduktion beträgt etwa 56.000 Stück.

Beim Einbiegen in die Austraße zum Stellplatz sehen wir das Dilemma. Der Stellstreifen für Pkw und Mobile ist enttäuschend. Mehr als fünf Meter sind hier wirklich nicht möglich. Unser Fahrradträger ragt über eineinhalb Meter in den Fuß- und Radweg hinter uns. Das geht natürlich gar nicht. Also wieder gestartet und los. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Stur nach Navi geht’s durch die Stadt. Wir kommen einfach nicht wieder auf die B 308. Machen statt dessen zwei Rundfahrten. Durch enge Straßen und Gassen. Bis mich die Wut packt und ich „frei nach Schnauze“ den Kurs bestimme. Und siehe da. Wir verlassen zwar nicht auf der 308 die „Stadt der Irrwege“, kommen aber über die Landstraße und zwei Dörfer weiter auf die gesuchte Trasse. Nun geht’s weiter auf der Alpenstraße Richtung Markt Weiler-Simmerberg, 25 Kilometer nordöstlich vom Bodensee. Weiler auf 632 Metern Höhe, Simmerberg sogar in 700 bis 800 Metern Höhe. Gucken in die Allgäuer und Vorarlberger Berge bis hin zum Schweizer Säntis-Massiv. Kurvenreich geht’s voran. Vorbei an Oberreute. Im Hintergrund die Gipfel des Allgäus, Österreichs und der Schweiz. Fantastische Ausblicke gibt’s in Langeried vom Oberberg auf die Nagelfluhkette bis hin zum Säntis. Nach Oberstaufen führt uns nun die Route. Über das sogenannte Paradies. Hier ist natürlich ein Stopp angesagt. Mit Panoramablick und ein paar hässlichen Worten über die Dreckfinken, die einen Parkplatz wie eine Müllhalde hinterlassen haben.

Auf der Fahrt nach Immenstadt gibt's was zu sehen.
Auf der Fahrt nach Immenstadt gibt's was zu sehen.

Am Großen Alpsee vorbei geht es weiter nach Immenstadt. Weil unser Navi sich diesmal hundertprozentig an die Vorgabe „Badweg“ hält, bringt es uns auf einen Parkplatz am Kleinen Alpsee. Ausschließlich für Pkw. Ich parke auf einem verflixt schrägen Seitenstreifen ein, füttere den Automaten mit drei Euro. Dann kommen die Zweifel. Das kann’s doch nicht sein. Das sieht auch nicht wie Großparkplatz oder Festplatz aus. Also: Durchstarten und weiter suchen. Und siehe da, am Stadteingang findet sich der Hinweis auf den Stellplatz. Auch hier heißt die Einfahrtsstraße „Badweg“. Wie sich später herausstellt, läuft der Badweg am Kleinen Alpsee entlang und kommt tatsächlich am Kilometer entfernten Pkw-Parkplatz an der B 308 wieder heraus.

Immenstadt.

Immenstadt, das Etappenziel mit beeindruckendem Stadtschloss von 1550, hübschen Plätzen und etlichen Sehenswürdigkeiten. Die älteste Stadt im Landkreis Oberallgäu (1275), mit dem Klosterplatz, der Pfarrkirche St. Nikolaus (1275)  und der Kapuzinerkirche St. Josef, lädt ein zum Bummeln und Schauen. Die Mariensäule auf dem Marktplatz wurde 1628-1635 aus Dankbarkeit für das Erlöschen der Pest gestiftet. Der Landwehrplatz mit einer Reihe von Exponaten wie den Alpzug des Aachener Bildhauers Bonifatius Stirnberg oder das bewegliche Objekt von Matthias Peters aus Stollberg im oberirdischen Brunnenlauf, den Bräuhausplatz mit seinen Skulpturen, der an die einst hier arbeitende Kaiserbrauerei erinnert oder den Vogelbrunnen im Klostergarten. Mit dem historischen Rathaus von 1640. Einstmals als herrschaftliches Haus gebaut, ab 1753 zum Rathaus umfunktioniert.