Nicht zu übersehen: das Hohe Schloss
Nicht zu übersehen: das Hohe Schloss

Im Campers Stop finden wir für Troll ein Plätzchen. Für 13 Euro inklusive Kurtaxe. Eins von den letzten. Die 206 Parkmöglichkeiten sind fast ausgebucht. Dann geht’s per Bus in das knapp zwei Kilometer entfernte Zentrum der Stadt. Für 1,50 Euro pro Nase müssen wir uns bei wieder einmal sommerlichen Temperaturen und blauem Himmel nicht die Füße rund treten. In der Fußgängerzone drängen sich die Menschenmassen. Wir drängen mit und gönnen uns im „Hotel und Restaurant König Ludwig“ Kaffee und Capuccino. Doch da kann ich potenzielle Nachahmer nur warnen. Über eine geschlagene Viertelstunde warten wir auf die beiden Heißgetränke, bis sie offensichtlich lustlos von eine Serviererin auf den Tisch gestellt werden. Da gibt’s natürlich kein Trinkgeld, auch wenn die Dame im schwarzen Dress mit dem weißen Schürzchen davon nicht gerade begeistert ist. Füssen ist auch die Wiege des europäischen Lautenbaus. 1562 wurde hier die erste Lautenmacherzunft Europas gegründet. Das Geschäft blühte damals. Auch wegen der strategisch guten Lage an der Via Claudia Augusta. In drei Werkstätten wird noch heute der Geigen- und Lautenbau gepflegt.

Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück. Hatten einen erlebnisreichen, sommerlich warmen Tag und lassen nun für die restlichen Stunden Ruhe einkehren. Viel Ruhe, weil trotz freier Sicht gen Süden unsere Caro auf dem Womodach einfach kein Bild einfangen will. „Kein Signal“ heißt die Zeile auf dem Bildschirm. Da kann man nichts machen, auch wenn ich innerlich zu kochen anfange. Wenn’s so weitergeht wie bisher, dann muss endlich eine bessere Empfangsanlage aufs Dach. Und als Krönung des Tages ziehen dunkle Wolken auf, es donnert und blitzt. Dann geht ein kurzer Regenschauer nieder. Nach einer Viertelstunde ist alles wieder vorbei.

Die Wieskirche.
Die Wieskirche.

Wieskirche

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne schon zeitig von Himmel. Den sechsten Tag in Folge. Kein Morgennebel trübt die Sicht. Uns führt der Weg weiter Richtung Steingaden, ein Bauern- und Handwerkerdorf. Nur wenige Kilometer weiter steht die Wieskirche. Die Wallfahrtskirche mit dem vollen Namen „Zum Gegeißelten Heiland auf der Wiese“. Am 14. Juni 1738 sah die Bäuerin Maria Lory in den Augen einer Figur, die den leidenden Jesus an der Geißelsäule darstellt, Tränen. Dieses Tränenwunder war der Beginn für die Wallfahrt zum Gegeißelten Heiland auf der Wies im Ortsteil Wies bei Steingaden. 1746 begann der Bau der Wallfahrtskapelle. Ein ovales Gebäude mit 45 Metern Länge, 24 Meter Breite und einer Höhe von 32 Metern. Mehr als 40 Fenster sorgen für einen faszinierenden Raumeindruck. 1983 wurde die Kapelle in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen. Der Name lässt sich nicht wissenschaftlich nachweisen. Ob die Tränen nun Tau waren oder nicht, war für die Unesco kein Kriterium. Die eigentlichen Gründe waren die Deckenfresken, in deren Zentrum der auferstandene Heiland auf einem Regenbogen thront. Hier sehen wir bayerisches Rokoko in höchster Vollendung.

Das Rotkäppchenmotiv ist ebenso wie "Hänsel und Gretel" in Oberammergau die Ausnahme.
Das Rotkäppchenmotiv ist ebenso wie "Hänsel und Gretel" in Oberammergau die Ausnahme.

Oberammergau

Dann geht’s weiter nach Wildsteig. Am Aussichtspunkt der Echelsbacher Brücke beginnen die Ammergauer Alpen. Weiter führt die Straße immer bergauf nach Saulgrub. Anschließend wieder ins Tal. Vorbei an Unterammergau und nach Oberammergau. Das Dorf, das durch die Passionsspiele weltbekannt wurde. Am Beginn steht ein Gelübde aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In Oberammergau fielen 80 Menschen der Pest zum Opfer. In der Hoffnung auf Gottes Hilfe gelobten 1633 die Gemeindevorsteher, „die Passions-Tragödie alle zehn Jahre zu halten“, wenn das Dorf von der Pest befreit würde. Die Seuche kam zum Stillstand, und bereits 1634 lösten die Bewohner ihr Versprechen zum ersten Mal ein. 2010 fanden die letzten, 2020 finden die nächsten Spiele von Mitte Mai bis Ende September mit über 100 Aufführungen und über 2000 Darstellern statt. Oberammergau ist außerdem berühmt für seine Lüftlmalereien. Mit vorwiegend biblischen Motiven. Eine der wenigen Ausnahmen von der Regel, das "Rotkäppchen-" und "Hänsel-und-Gretchen"-Motiv in der Ettaler Straße. Nicht zu vergessen: Oberammergau ist ein Zentrum der Holzschnitzerei.