Eigentlich wollen wir in Oberammergau übernachten. Der Stellplatz – besser Übernachtungsplatz – ist so trist wie vor Jahren. Da steht noch immer kein Papierkorb. Selbst der blecherne Kassierer ist nicht bei bester Gesundheit. "Zur Zeit außer Betrieb" steht auf dem Zettel an der Säule. Und die Bitte, doch im Servicegebäude des benachbarten Campingplatzes die sieben Euro Gebühr zu entrichten. Ich mache mich guten Willens auf den Weg. Rund 700 Meter bei schweißtreibenden Temperaturen. Doch hinter dem Empfangstresen steht niemand, der meine Anmeldung (und mein Geld) annehmen will. „Links an der Tür klingeln“, steht auf einem Zettel. Ich klingele und warte, klingele noch einmal und warte weiter. Nach zehn Minuten reicht’s. Wer Geld von mir haben will, der muss sich nun selbst auf die Socken machen. Wir machen uns auch auf die Socken und bummeln durch den Ort. Kehren kurz nach Mittag zum Troll zurück und starten durch. Es gibt bessere Übernachtungsplätze als die schäbige Schottertrasse neben einem Lagerplatz des Bauhofes.

Blick vom Stellplatz.
Blick vom Stellplatz.

Grainau

In der Nähe des Zugspitzdorfes Grainau gibt es einen neuen Stellplatz vor dem Campingplatz. Der ist nur knapp dreißig Kilometer entfernt und in kurzer Zeit erreicht. Große Parzellen auf Schotter tun sich vor uns auf. In Sichtweite der Alpspitze mit Osterfelderkopf, Riffelscharte Waxenstein, Höllentalklamm und Höllentalgrat. Nicht weit davon die Zugspitze. Die Sanitäreinrichtungen des Campingplatzes dürfen mitgenutzt werden. Die Ver- und Entsorgung lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Und die Empfangsdamen in der Rezeption sind ausnehmend freundlich. Wir checken für 19 Euro pro Tag ein. Wollen erst eine Nacht bleiben. Entscheiden uns dann aber für zwei weitere Tage. Mit der Grainau-Card haben wir freie Fahrt in Bus und Zugspitzbahn. Das wollen wir nutzen, um per Bus nach Garmisch-Partenkirchen zu kommen und auch zur Zugspitze und zum Eibsee. Ab morgen wollen wir nicht selbst fahren, sondern gefahren werden. Am frühen Abend ziehen dunkle Wolken über den Bergen auf. Kurze Zeit später gibt’s einen Regenschauer. Aber bald ist alles wieder vorbei. Da auch der Fernseher endlich das macht, wofür er einmal eingebaut wurde, können wir uns schon heute auf das Wetter morgen einstellen: Anhaltender Regen mit unwetterartigen Schauern im Süden der Republik. Also genau da, wo wir uns derzeit aufhalten.

So schön kann eine Apotheke sein.
So schön kann eine Apotheke sein.

Garmisch-Partenkirchen

Am nächsten Vormittag geht’s mit dem Bus zum Nulltarif nach Garmisch-Partenkirchen.  Bei strahlend blauem Himmel. Das ist der Ort, in dem regelmäßig Sportgeschichte geschrieben wird. 1922 gibt’s die erste Sprungschanze. 1936 finden die 4. Olympischen Winterspiele und 1978 die alpinen Skiweltmeisterschaften statt. 1950 entsteht hier die weltweit erste Schanze aus Stahl. Garmisch-Partenkirchen ist außerdem der Ort mit Ausflugszielen wie Partnachklamm, Alpspitze, Eibsee und Zugspitze. Mit 2962 Metern der höchste Berg Deutschlands. Hier können auch wir, die Flachländer, den Gipfel erstürmen. Mit der Seil- oder mit der Zahnradbahn. Oben sind - bei klarem Wetter - bis zu 250 Kilometer Fernsicht möglich. Das reicht dann von der Münchener Stadtsilhouette über den Großglockner bis hin nach Innsbruck und den Dolomiten. Rund eine Million Touristen sind jedes Jahr hier. Und wir sind zwei davon. Garmisch-Partenkirchen, das ist Olympia-Eissportzentrum, das ist die alte Pfarrkirche St. Martin, ist die Burg Werdenfels und das ist das sehenswerte Stadtzentrum. Der Ort der Lüftlmalereien an den Hausfassaden, die oft die Schutzheiligen des Volkes oder das Gewerbe des Hausbesitzers darstellen. Wir schlendern durch die Gassen und Wege. Gönnen uns zur Mittagszeit einen Imbiss. Ich liebe Schnitzel und alles, was dazugehört. Meine Ingrid gibt sich mit einem Wurstsalat zufrieden. Anschließend statten wir dem Kurpark einen Besuch ab und in den Nachmittagsstunden der Bushaltestelle für die Rückfahrt. Erreichen den Troll gerade rechtzeitig vor einem kurzem Gewitter samt dazugehörigem Platzregen. Dann kommt die Sonne wieder hervor und wechselt sich mit den nächsten kleinen – wirklich kleinen – Schauern ab. Dann wird’s trocken.