Der nächste Morgen sieht uns wieder zeitig auf den Beinen. Wir wollen zum Eibsee und zur Zugspitze. Die Sonne lacht vom Firmament. Regen ist erst für die Abendstunden angesagt. Zwanzig Minuten lang windet sich der Bus vom Stellplatz durch die engen Straßen von Grainau immer weiter in die Höhe. Dann sind wir da. Aus der geplanten Seilbahnfahrt zur Zugspitze wird allerdings nichts. Alle Gipfel rund um den höchsten Berg Deutschlands glänzen im Sonnenlicht. Nur die Zugspitze versteckt sich in den Wolken. Da hilft auch kein Warten. Wir sparen uns also die 39 Euro pro Nase (Hund kostet drei Euro extra). Machen uns auf den Weg rund um den See. Was wir nicht ahnen, es sind 7,2 Kilometer bergauf und bergab. Nach rund drei Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen. Mit sehr schönen Aussichten auf die umliegenden Bergketten, den See und schmerzenden Gliedern. Wir belohnen uns im Seerestaurant mit Weißwurst und Brezen. Danach geht’s einigermaßen aufgefrischt zum Troll zurück.

Weil das Erste gestern Abend Regen voraussagte, kommt er prompt gegen 18 Uhr. Da sitzen wir schon eine Weile im Trockenen und lassen den Tag ausklingen. Bei Tee und rotem Dornfelder. In der Nacht geraten wir dann in eine richtige Schlechtwetterfront. Es klatscht wie Maschinengewehrfeuer aufs Dach. Das reißt mich aus meinen tiefsten Träumen. Nach einer Weile geht der Wolkenbruch mit Hagel in „normalen“ Regen über. Wenn’s aber am Morgen so bleibt, dann ist der Tag gelaufen. Was machen wir dann? Ich kann meine Pläne für den „Ernstfall“ nicht zu Ende bringen. Schlafe darüber wieder ein. Als es hell wird, hat es längst zu regnen aufgehört. Die Berge ringsum sind in dichte Wolken gehüllt. Nur ab und zu kommen noch ein paar Tropfen von oben. So ganz nach dem Motto: Wenn wir wollen, können wir. Die Temperatur ist von sommerlich warm auf herbstlich frisch – sehr frisch – gesunken. Man könnte auch Temperatursturz dazu sagen. Entsorgen ist vor der Abfahrt angesagt. Toilettenkassetten-Inhalt und Grauwasser lasse ich in Grainau.

Bummelmeile in Bad Tölz.
Bummelmeile in Bad Tölz.

Bad Tölz

Für uns geht’s nun weiter auf der B 11 Richtung Krün und Wallgau. Weiter zum Walchensee mit dem Wikingerdorf „Flake“. Dem Originalkulissendorf aus dem Kinofilm „Wickie und die starken Männer“. Von Walchensee hinab zum Kochelsee mit dem Franz-Marc-Museum und Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Kurz nach Kochel am See sehen wir in der Ferne die Zwiebeltürme des ältesten Klosters Oberbayerns mit seiner barocken Basilika St. Benedikt. Weiter marschiert unser Troll über Bickl nach Bad Heilbrunn und Bad Tölz. „Schöner geht’s fast nimmer“, heißt es in der Eigenwerbung. Ich bin gespannt auf die historische Altstadt und malerische Marktstraße. Bildschöne Lüftmalerei an den Fassaden, barocke Bürgerhäuser warten laut Eigenwerbung auf uns. Belebte Cafés, urige Gaststätten, originelle Geschäfte, lese ich in den Infos der Stadt. „Überall gibt’s was zu entdecken“, heißt es. Meine Ingrid und ich entdecken die belebte Marktstraße, betrachten die Lüftlmalereien an den Fassaden und werfen auch einen Blick ins „Gries“, das einstige Flößerviertel. Nach rund zwei Stunden Stadtbesichtigung haben wir genug gesehen. Das vollmundig verkündete „Schöner geht’s fast nimmer“ in der Werbung, hat kräftig an Farbe eingebüßt. Hier glänzt nur die Marktstraße. Die Seitenstraßen fallen da gewaltig ab. Und schöner fanden wir’s in Lindau, in Oberammergau, in Garmisch-Partenkirchen oder auch in Füssen. Mit acht Euro ist der Stellplatz nicht preisgünstig, auch wenn er nur ein paar Meter von der Isar entfernt ist. Nun gut, für eine Nacht reicht es. Und auf einen Stromanschluss sind wir dank unserer Solarplatten und Batterien nicht angewiesen.

Blick über  den Tegernsee.
Blick über den Tegernsee.

Bayrischzell

Am Morgen sieht der Himmel Grau in Grau aus. Dann klart es auf. Von oben gibt’s wieder strahlenden Sonnenschein. Nur die Temperaturen bleiben jetzt der Jahreszeit treu. Im Schatten geht’s ohne wärmende Weste nicht mehr. Wir „düsen“ mit verhaltener Geschwindigkeit auf der B 13 in Richtung Lenggries, dem Flößerdorf und Wander-/Skiparadies am Brauneck, zum Stausee Sylvensteinspeicher und nach Bad Kreuth. Reisen statt Rasen ist angesagt. Nördlich fahren wir nun Richtung Tegernsee mit gleichnamigem Ort. Das Gewässer zählt zu den saubersten Seen Bayerns. Ein paar Kilometer weiter wartet der Schliersee auf uns. Samt Ortschaft und Freilichtmuseum. Eigentlich gehört zum Pflichtprogramm auch eine Besichtigung der Slyrs Destillerie im Ortsteil Neuhaus. Dort wird der Original bayerische Single Malt Whisky gebrannt. Doch den Besuch schenken wir uns. Whisky ist für einen Weintrinker kein Thema.

Über Serpentinen klettern wir – nein, klettert der Troll – zum Sudelfeld, dem größten zusammenhängenden Skigebiet Deutschlands. Wir genießen den Panoramablick über das Mangfallgebirge und rollen weiter auf der Tatzlwurmstraße (14 Prozent Gefälle) ins Inntal. Erster Halt ist hier Oberaudorf, selbsternannte Perle des Inntals mit ganzjährigem Erholungs-, Freizeit- und Kulturangebot.