Wenig Rangierrraum vor dem Ochsenwirt.
Wenig Rangierrraum vor dem Ochsenwirt.

Eigentlich wollen wir beim Ochsenwirt vor Anker gehen. Aber erstens ist der Raum zum Rangieren verflixt eng, zum anderen ist die eigentlich recht hübsche Gaststätte dienstags geschlossen. Und heute haben wir Dienstag. „Sie können bleiben, aber zu Essen gibt es heute nix“, sagt mir eine weibliche Stimme durch den kleinen Lautsprecher am Eingang. Wir bleiben aber nicht. Ich wende und lenke den Troll weiter nach Bernau am Chiemsee. Der nächsten Station unserer Reise auf der Deutschen Alpenstraße. Das heißt, über die nächsten Kilometer geht es über die A 8 und nicht über die Landstraße, weil ich aus Versehen auf der Autobahnauffahrt gelandet bin. An Rohrdorf vorbei, dann an Frasdorf und Aschau im Chiemgau. Wir fahren der Kampenwand entgegen und sind von dem grandiosem Bergpanorama beeindruckt.

Blick vom Stellplatz.
Blick vom Stellplatz.

Bernau am Chiemsee

Ich erreiche Bernau am Chiemsee und nehme Kurs auf den Stellplatz am Tenniszentrum. Checke ein (zwölf Euro einschl. Dusche, zuzüglich ein Euro Kurtaxe pro Person). Erstmal für eine Nacht, und morgen soll die Verlängerung folgen. Später erfahre ich, dass eigentlich auch eine Gästekarte im Preis enthalten ist. Die erhalte ich jedoch nicht. Nach dem Bummel durchs Dorf höre ich von der Dame hinter dem Tresen: „Bei einer Übernachtung geben wir die meist nicht aus.“ Also muss ich morgen früh bei der Verlängerung noch einmal nachhaken. Dann gibt’s den Ortsbus zum Chiemsee zum Nulltarif.

Bei der Verlängerung am nächsten Morgen gibt’s dann auf Nachfrage auch die Gästekarte. Also geht’s per Kleinbus im hellen Sonnenschein Richtung Chiemseepark-Felden. Von hier aus wollen wir (per Schiff) die Herreninsel mit dem berühmten Schloss von König Ludwig II. besuchen. Die liegt im Bayerischen Meer (82 Quadratkilometer groß), und die Visite ist ein Muss! 1878 sollte der Bau eine Kopie von Versailles werden. Der Spiegelsaal in barocker Pracht wurde am Ende noch größer als in Versailles. Die Prunkräume, das Marmor-Treppchen und das legendäre „Tischlein-deck-dich“ stehen für die Märchenwelt, die sich Ludwig II. hier geschaffen hat.

Der älteste Bau auf Herrenchiemsee jedoch ist die ehemalige Klosteranlage unweit der Schiffs-Anlegestelle. 765 gegründet ab 1215 Hauptsitz des Bistums Chiemsee wurde es 1803 zur Säkularisation und Auflösung des Klosters. Heute beherbergt der Bau ein Museum und Galerien. 1948 wurde übrigens die Konzeption des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland auf Herrenchiemsee erarbeitet.

Die Insel des bayerischen Märchenkönigs, Ludwig II., wurde vor fast 140 Jahren durch Ankauf vor dem Kahlschlag bewahrt. Baden-württembergische Holzfäller hatten damals begonnen, den parkähnlichen Wald abzuholzen. Dank der königlichen Intervention im Jahr 1873 geht’s heute auf weiten Strecken durch alten, parkähnlichen Laubwald zum Schloss. Wer die „Insel des Königs“ umrunden möchte, läuft zehn Kilometer, vorbei an Futterstellen für Hirsche und Rehe und entlang ausgedehnter Schilfzonen.

Wir aber laufen überhaupt nicht. Weder zehn noch einen Kilometer. Es kommt kein Schiff, um uns hinüberzubringen. Obwohl laut Fahrplan sechsmal täglich ein Dampfer der Ludwig Feßler KG die hölzerne Landungsbrücke anlaufen müsste. Erst auf Nachfrage in der nahen Touristinfo wissen wir warum. Vom 22. September 2014 bis zum 22. Mai 2015 sind alle Fahrten von diesem Haltepunkt gestrichen, obwohl der Fahrplan sie aufführt. Und heute schreiben wir den 24. September. Nur von Prien fahren die „Musikdampfer“ halbstündlich. Doch bis dahin sind es fünfeinhalb Kilometer. Zu Fuß zu viel für uns. Also vertreiben wir uns die Zeit bis zur Rückfahrt mit dem Stadtbus bei Kaffee, Zwetschgenkuchen und mit dem Blick auf die Herreninsel. Den Rest des Tages sitzen wir in der Sonne vorm Troll.

Reit im Winkl

In der Nacht klatscht der Regen aufs Dach. Will einfach nicht aufhören. Gegen Morgen wird’s dann endlich weniger. Das Wasser von oben legt Pausen ein. In einer mache ich den Troll reisefertig. Es kann losgehen. Nun führt uns die Route weiter durch Rottau und Grassau. Wir folgen der Tiroler Ache gen Süden nach Marquardtstein (1587 Meter). Immer wieder muss der Scheibenwischer in Aktion treten. Deshalb bleibt unser Ausblick von „Berges Höhen“ über das Chiemgau und den Chiemsee ziemlich im Trüben. Dann geht’s weiter aufwärts durch Unter- und Oberwössen. Höhenunterschied 95 Meter. Ich hatte gedacht, dass es nun nach der Kletterei wieder abwärts geht. Denkste. Ab nun geht’s nur noch aufwärts bis auf 979 Meter auf die Maseralm. Aber dann soll’s gut sein. Noch immer hängen dichte Wolken am Himmel. Nun geht’s wieder runter. Nach Reit im Winkl, um genau zu sein. Wir parken unseren Troll auf dem Stellplatz an der Waldbahnstraße. Im Grünen, direkt vor einem Wildbach. So schön haben wir es auf der bisherigen Strecke noch nicht gehabt. Lediglich der Fernseher macht wieder einmal, was er will. „Kein Signal“ verkündet der Bildschirm. Witzigerweise haben andere Womos „Signal“, wie an den ausgefahrenen Antennen leicht zu erkennen ist.