Themen- und Premienwanderwege warten in Reit im Winkl auf mich. Die können warten. Ich wandere lieber dort, wo die Berge nicht ganz so steil und auch nicht ganz so hoch sind. Und vor allem dort, wo die Sonne scheint. Und die Sonne scheint eben nicht, als wir uns vom Stellplatz an der Waldbahnstraße auf die Socken ins Dorf machen. Aus den angegebenen zehn Minuten im Stellplatzführer werden am Ende zwanzig. Zehn davon bei leichtem Nieselregen. Dann ist endlich Reit im Winkl erreicht.

Mein Leibgericht: Schnitzel ohne Schnickschnack.
Mein Leibgericht: Schnitzel ohne Schnickschnack.

Hier ist die Saison im Gegensatz zu Bernau noch im vollen Gange. Touristen – so wie wir – schlendern durch die Straßen zwischen den gepflegten Häusern. Wer Fassadenmalerei mag und Wohngebäude mit umlaufenden Holzbalkonen, wer’s farbenprächtig mag und bayerisch gemütlich, der ist hier gut aufgehoben. Und das sind nicht nur wir, sondern auch Tausende von Gleichgesinnten. Im „Gast Stüberl“ von Hans Peter Obinger am Kirchplatz gönnen wir uns mein Leibgericht: Schnitzel. Ohne großen Schnickschnack. Nur mit Pommes und als Deko eine halbe Tomate und ein winziges Blättchen Petersilie. Dazu ein großes, dunkles Bier. Bayerischer geht’s nimmer. Anschließend setzen wir unsere Sightseeingtour fort. Inzwischen hat das Nass von oben nachgelassen. Und als wir mit dem Gucken in die Auslagen der Geschäfte fertig, wieder zurück beim Troll sind, da zeigt sich sogar die Sonne am Himmel. Bei schönstem Herbstwetter geht der Tag zu Ende. Morgen - bei hoffentlich gutem Wetter – nehmen wir das letzte Stück der Deutschen Alpenstraße unter die Räder. Unser Ziel ist Schönau am Königssee.

Diese Sicht auf den Königssee hat viele Maler in ihren Bann gezogen
Diese Sicht auf den Königssee hat viele Maler in ihren Bann gezogen

Schönau am Königssee

Auf der B 305 passieren wir zwangsweise Ruhpolding mit dem Holzknechtmuseum. Eine kilometerträchtige Umleitung ist der Grund. Dann  geht’s nach Inzell. Bekannt durch internationale Eisschnelllaufveranstaltungen. Ab hier kommt die „letzte Kurve“, die letzte Etappe auf dieser anspruchsvollen Tour. In die Berchtesgadener Alpen mit der Weißbachschlucht zwischen Weißbach und Schneizlreuth. Ich verzichte auf einen Abstecher nach Bad Reichenhall. Vor Jahren waren wir mit dem Pkw dort, wollten mit der Seilbahn auf den Predigstuhl. Damals haben wir es nicht geschafft. Und heute? Auch nicht, sei ehrlicherweise eingestanden. Auf der Weiterfahrt geht’s wieder nur bergauf. Über die 868 Meter hohe Schwarzbachwacht mit Ausblick auf die Reiteralpe, den Hochkalter und den Watzmann. Unser Fremdenführer empfiehlt uns einen Fotostopp an der über 500-jährigen Pfarrkirche in Ramsau. Den legen wir allerdings nicht ein, weil wir durch die Straßenbauarbeiten und etliche Baustellenampeln echt Zeit verloren haben.

An der Wimbachklamm vorbei lassen wir Berchtesgaden rechter Hand liegen. Ein Ort mit historischem Ortskern und königlichem Schloss. Auf dem Obersalzberg plante Hitler den Angriff auf Polen. Hierhin zog er sich zurück, wenn er Ruhe haben wollte. Ließ in 1800 Meter Höhe seinen „Berghof“ bauen. Die Einwohner wurden damals enteignet. Bis 1945 blieb der Berg „Führersperrgebiet“. Heute ist  der Obersalzberg eine touristische Attraktion. Ebenso wie das Kehlsteinhaus, eine Berghütte auf dem Obersalzberg, als Geschenk der NSDAP zu Hitlers 50. Geburtstag.