Am Weg: Der Schäfermarkt hat (fast) alles.
Am Weg: Der Schäfermarkt hat (fast) alles.

Westerhever

Nach einer ruhigen Nacht und einem nebligen Morgen, rüsten wir uns langsam zur Weiterfahrt. Wir wollen uns einen der bekanntesten Leuchttürme ansehen. Den auf Westerheversand. Er gehört zum norddeutschen „Trio“ Rote Sand, Pilsum (der Otto-Turm), Westerhever. Sein Konterfei findet sich auf einer Briefmarke wieder. Los geht’s erst in den Mittagsstunden. So lange dauert es, bis das morgendliche Grau durchsichtiger wird.

Hier kann sich keiner verlaufen.
Hier kann sich keiner verlaufen.

Nur zehn Kilometer sind es bis zum Parkplatz in Westerhever. Dort hat Troll für eine Stunde Pause. Für sechs Euro Gebühr. Ich finde, dass auch das Abzocke, dass es Strandräuberei ist. Leider gibt’s keine Ausweichmöglichkeit. Dann geht’s zu Fuß weiter. Erst über den Deich, dann auf glatter Piste zweieinhalb Kilometer quer durch die Salzwiesen hin zum Leuchtturm. Der schon vom Weitem trotz trüber Sicht gut auszumachen ist. Erbaut 1906-1907. Da die Landeigentümer in Westerhever kein passendes Grundstück abgeben konnten oder wollten, wurde der Turm weit draußen im Vorland auf Staatsgrund gebaut. Sein Fundament bilden mehr als 120 und acht Meter lange Pfähle. Gleichzeitig wurde die Warft aufgeschüttet, auf der auch die Leuchtturmwärterhäuschen stehen. Das Leuchtfeuer befindet sich in 40 Meter Höhe und ist noch in 22 Seemeilen Entfernung zu sehen. Bei guter Sicht ist das Signal noch in Helgoland zu erkennen. Noch hängt ein Grauschleier am Himmel, der sich nur langsam, ganz langsam verzieht. Die Sonne traut sich noch nicht hervor. Auch nicht, als wir den Leuchtturm endlich vor uns haben. Danach ist Kehrtwende angesagt. Zweieinhalb Kilometer zurück. Dort wartet Troll auf uns. Und der Kassierer des Parkplatzes, der hoch und heilig versichert, dass es wirklich nur zweieinhalb Kilometer gewesen sind, die wir zurückgelegt haben und keine zehn wie „bauchgefühlt“.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Friedrichstadt

Weiter geht’s nach Friedrichstadt. Endlich traut sich am Nachmittag die Sonne aus dem Dunst, schiebt die Nebel zur Seite. Anlaufpunkt sollte der im vergangenen Jahr eingerichtete neue Stellplatz für 60 Mobile auf dem sogenannten Halbmond direkt am Eiderdeich werden. Pech gehabt. Er ist noch nicht fertig. Ende 2013 sollte die Einweihung sein, dann im März 2014. Dann lese ich im Internet Anfang April 2014, nun soll es erst Anfang Mai losgehen. Vielleicht, so denke ich, habe ich Glück und kann mich schon auf einen fertigen Platz stellen, auch wenn der Rest noch in Arbeit ist. Also rein in den Halbmond. Auf der rechten Seite sehen wir eine große Baustelle. Das muss wohl der Platz werden. Ein Bagger am baggern, ein Lastwagen am Last aufladen und hinter uns ein 20-Tonner, dessen Fahrer ganz nervös wird, als ich aus dem Troll klettere und die Baustelle näher ins Auge nehmen will. Also Kehrtwende und zurück auf die Hauptstraße.

"Klein Holland" geht anders.
"Klein Holland" geht anders.

Weiter zum Campingplatz. Was wir da sehen, baut uns nicht auf. Eine ungepflegte Fläche Grün mit ein paar Wohnanhängern. Ein ungepflegtes und unbesetztes Servicegebäude. Also noch einmal Kehrtwende und zurück auf die Hauptstraße. Wenige Meter weiter parken wir dann auf dem Grünstreifen des P 3 ein. Rechter Hand der vorbeifließende Verkehr, linker Hand die leere Wasserfläche des Sportboothafens. Hinter uns – und das ist doch etwas Gutes – ein mit einem blauen Müllsack verhüllter Kassenautomat. Später erfahren wir in der Touristinfo, dass der Parkplatz bis zur Einweihung des neuen Stellplatzes auf der anderen Seite der Marina zum Nulltarif zu haben ist. Außerdem hätten Vandalen den blechernen Kassierer schwer zugerichtet.

Treppen- oder Stufengiebel.
Treppen- oder Stufengiebel.

Stadtbummel ist angesagt. Die obligatorische Tasse Tee soll’s beim Heimkommen geben. „Wer zum ersten Mal nach Friedrichstadt kommt, glaubt, sich verfahren zu haben“, sagt die Eigenwerbung. „Grachten und Treppengiebel beherrschen das Bild“, ist im Internet und in den Broschüren zu lesen. 1621 von Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf für Glaubensflüchtlinge aus Holland gegründet, bietet die Stadt aus dem 17. Jahrhundert ein angeblich pittoreskes Bild. Uns bietet sie hoffentlich eine kurze Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Stadt. Wir wollen mehr erfahren. Mehr über die Menschen und die Ereignisse, die das heutige Friedrichstadt mit gestaltet haben.

Am Marktplatz wird das Auge entschädigt.
Am Marktplatz wird das Auge entschädigt.

Einmal durch die Fußgängerzone hin, eine Runde um den Marktplatz und die Fußgängerzone zurück. Ein Blick in die Seitenstraßen. Ich bin mittelprächtig enttäuscht. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich kenne die Niederlanden gut und weiß, wie dort die Städte und Städtchen aussehen. Mit und ohne Grachten. Denen kann Friedrichstadt leider nicht das Wasser reichen. Das hochgelobte einzigartige Flair der „Holländerstadt“, so die Werbung, kommt an die Originale im Land der Holzschuhe und Käseträger bei weitem nicht heran. Nur rund um den Marktplatz und in der Fußgängerzone fühlt man sich in die Städte der westlichen Nachbarn versetzt. Der Anblick dort ist ein Augenschmaus. Aber das war’s dann auch. Meine Ingrid besorgt aus der Schlachterküche Spargelcremesuppe, und zurück geht’s zum Troll. Dort wird  - wenn auch längst Spätnachmittag - Mittag gemacht. Und, das sei ehrlicherweise gesagt, die Spargelcremesuppe ist ausgezeichnet.