Noch Fragen?
Noch Fragen?

Blick zurück: Noch um 1200 gehörte Nordstrand zu einer großen eingedeichten Halbinsel. Das legendäre Rungholt war Hauptort. Diese Insel lag nördlich der drei nunmehr zur Halbinsel Eiderstedt vereinigten Inseln Utholm, Evershop und Eiderstedt und füllte damit den größten Teil der heutigen Husumer Bucht aus. 59 Kirchen und Kapellen standen in Nordstrand. Sturmfluten von 1300 und 1362  führten zur Gestaltung einer hufeisenförmigen, vom Festland weit abgelegenen Insel. 1362 veränderte die große Mandränke alles. 50.000 Menschen ertranken. Land ging unter. Rungholt und Edomsharde verschwanden in den Fluten.

Am 11. Oktober 1634 kam die nächste Katastrophe. Die Burchardiflut machte aus einer großen Insel die kleineren Nordstrand und Pellworm sowie die Halligen Nordstrandischmoor, Hamburger Hallig und Südfall. 20 Kirchspiele mit 19 Kirchen (drei blieben erhalten), 1.332 Häuser und 30 Windmühlen wurden vernichtet. Mehr als 6.400 Menschen ertranken, 2.633 Menschen überlebten die Schreckensnacht. Vor dieser Flut hatte Nordstrand eine Fläche von 22.169 Hektar, danach nur noch 9.000.

Der neue Stellplatz.
Der neue Stellplatz.

Schleswig

Es ist noch kein halbes Jahr her, dass wir in Schleswig waren. Im Novemberregen standen wir am Yachthafen. Jetzt schreiben wir April. Wir hoffen, dass das trockene Wetter so bleibt. Stadtbummel kann man auch bei Wind und Kälte machen. Da wären unsere Pedelecs fehl am Platze. Nach 51 Kilometern und ohne Stau erreichen wir den Stadthafen. Ankern auf dem neuen Stellplatz. Er wurde ein Sahnestück. Stellflächen aus Split, Betonpflasterzufahrten glatt wie der berühmte Kinderpopo, jeder Platz mit Stromanschluss. Zentrale Ver- und Entsorgung. Für den WC-Schlüssel sind 20 Euro Pfand zu hinterlegen. Einziger Wermutstropfen heute: Der Wind hat über Nacht noch mehr zugelegt, die Wellen der Ostsee haben Schaumkronen. Es ist eisigkalt. Selbst der Bummel durch die Fußgängerzone wird zum Härtetest. Bald sind wir am Troll zurück.

Am Nachmittag geht’s dann noch einmal auf die Piste. Im November konnten wir den Holm, die alte Fischersiedlung, wegen Dauerregens nicht besuchen. Das holen wir heute nach. Wir kennen die Halbinsel, die früher eine Insel war. Lieben die kleinen Häuser, die liebevoll geschmückten Eingänge, die oft kunstvollen Haustüren. Manchmal sogar mit einem geschnitzten Fisch. Der Holm, erst 1933 mit dem Festland verbunden, ist einer der ältesten Stadtteile. Die winzigen Häuschen, meist mit einer „Klöntür“ - einer Haustür, die man zur Hälfte öffnen kann - haben an der Rückseite oft einen direkten Zugang zur Schlei. Die Boote der Fischer konnten quasi im Hinterhof geparkt werden. Die kleinen Häuser bilden einen Kreis um den Friedhof. 1650 gründete sich die „Holmer Beliebung“. Die Mitglieder erwarben sich  damit das Recht, in Würde begraben zu werden. In Zeiten von Krieg und Pest keine Selbstverständlichkeit.

Einkaufsmeile.
Einkaufsmeile.

Doch es gibt noch mehr zu sehen als den Holm und die Fußgängerzone. Es ist zwar kalt und ziemlich windig, aber immerhin trocken. Wir hängen einen Tag dran. Schleswig ist Kulturstadt. Nicht weit vom Hafen wächst der Turm des Doms in den Himmel. Und zur Bummelmeile mit zahlreichen Geschäften ist es nur ein kleiner Spaziergang entlang der Hauptstraße oder durch den Stadtpark "Königswiesen". Nur wenige Kilometer sind es zum Wikinger-Museum Haithabu und zum Schloss Gottorf mit dem Landesmuseum.

Bis 1066 war Haithabu mit seinem Hafen einer der bedeutendsten Siedlungsplätze der Wikinger in Nordeuropa – und nach den Maßstäben der Wikingerzeit eine echte Metropole. In fußläufiger  Nähe bietet seit Mitte der 1980-er Jahre  ein Museum Einblicke in die Geschichte. Ein rekonstruiertes Dorf mit sieben Häusern lässt die Wikingerzeit wieder lebendig werden. Zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert hatten die Wikinger – das Wort bedeutet „Seekrieger“ – den Norden Europas fest im Griff. Doch die legendären Nordmänner waren nicht nur räuberische Rotbärte, sondern auch Fischer und Bauern, Handwerker und Händler.

Dom innen.
Dom innen.

St.-Petri-Dom

Das bedeutendste mittelalterliche Baudenkmal der Stadt ist der fast 900 Jahre alte St.-Petri-Dom. Der 120 Meter lange, 45 Meter breite und zirka 25 Meter hohe Innenraum zeigt Sehenswürdigkeiten aus der romanischen und gotischen Bauperiode, der Renaissance und dem Barock. Das berühmteste Kunstwerk ist der dreiflügelige Schnitzaltar von Hans Brüggemann von 1521. Das Altarblatt enthält fast 400 aus Eichenholz geschnitzte Figuren und misst mehr als zwölf Meter in der Höhe und sieben Meter in der Breite. Im 17. und im frühen 18. Jh. erhielt der Dom seine reiche Ausstattung mit Epitaphien und Gemälden. Den 112 Meter hohen Turm erhielt der gotische Bau aber erst 1894.

Nach heftigem Wind und schneidender Kälte hat am Abend Regen eingesetzt. Wir gönnen uns einen Fernsehabend im mollig warmen Troll und hoffen auf besseres Wetter am nächsten Tag. In der Nacht schüttet es vom Himmel. Doch wir haben Glück. Der Regen hört am Morgen auf. Der Wind ist eingeschlafen. Ein grauer Himmel lässt allerdings keine Sonne durchkommen. Und es bleibt diesig. Das kann uns bei unserem  Stadtbummel egal sein. Dombesichtigung ist angesagt. Fotos aus dem Handgelenk heraus, blitzen verboten. Leider steht mein kleines Stativ Zuhause. Nach ausgiebigem zweiten Stadtbummel ist im Troll Gemütlichkeit angesagt. Den Ausflug per Stahlross nach Haithabu und Schloss Gottorf verkneifen wir uns. Draußen kommt wieder einmal H2O von oben.