Ohne Worte.
Ohne Worte.

Kappeln

Nass ist es auch am nächsten Morgen. Mal mehr, mal weniger. Als wir Richtung Kappeln starten ist es beinahe trocken. Das bleibt es auch für die nächsten 36 Kilometer. Wir finden einen Parkplatz direkt am Hafen. Vor uns die Schlei, Museumsschiffe und Angler, Angler, Angler. Fast Schulter an Schulter. Es ist die Zeit, in der die Heringe vorbeiziehen. Und, Gott sei’s geklagt, die Fänge der Petrijünger können sich sehen lassen. Halbvolle und volle Eimer, halbvolle und volle Plastiktüten. Und mein Geschirr liegt Zuhause. So entgeht mir fangfrischer Hering. Leider. „Du“, sagt meine Angetraute, „so viele Fische könnten wir gar nicht im Eisfach unterbringen. Und beim Braten entstünden Gerüche im Troll, über die du dich ganz bestimmt nicht freuen würdest.“

War also nichts mit Petri Heil. Dafür gibt’s während des ersten Schauers in Kappeln leckeren Mittagstisch in einer Gaststätte am Hafen. Fisch für meine Ingrid und ein Zigeunerschnitzel für mich. Als wir wieder ins Freie kommen, ist es trocken. Also auf in die Stadt. Bummeln in der Einkaufsmeile, Besichtigung der St.-Nikolai-Kirche von 1789 ist angesagt. Dabei haben wir wieder einmal unser Schlüsselerlebnis. Meine Frau nimmt unseren kleinen Zwergteckel grundsätzlich auf den Arm, wenn wir ein Geschäft oder in diesem Fall eine Kirche betreten. Doch dagegen hat der anwesende Pastor etwas.  Er weist sie höflich aber bestimmt aus dem Gotteshaus. Den Einwand, dass doch auch Tiere Geschöpfe Gottes sind, lässt er nicht gelten. Danach gilt bei mir: In die Spendenkiste für die Restaurierung der Orgel kommt von mir kein Cent. Dann gilt der Grundsatz: Wo unser Lütter nicht hineindarf, gibt’s von uns auch keine milde Gabe.

Das ist der Heringszaun aus dem Mittelalter.
Das ist der Heringszaun aus dem Mittelalter.

Die Kleinstadt an der Schlei wurde vor Jahren vom ZDF entdeckt. Hier spielte die Fernsehserie „Der Landarzt“. Im Museumshafen liegen restaurierte Frachtsegler und Dampfboote. Haupteinnahmequelle der Fischer war immer der Hering. In der Schlei – aber über Wasser noch gut sichtbar – ein Heringszaun aus dem 15. Jahrhundert. Einzigartig in Europa und noch heute im Einsatz. Zu Christi Himmelfahrt trifft man sich in Kappeln übrigens zu den Heringstagen, die sich zu einem großen Volksfest gemausert haben..

Als wir aus der Kirche in Freie kommen, empfängt uns der nächste Schauer. Bis an den Horizont ist der Himmel grau. Nach einer Wetterbesserung sieht das nicht aus. Kurzer Entschluss: Wenn wir in Kappeln wegen Regens im Troll sitzen müssen, können wir das auch in Rendsburg, unserem nächsten Ziel. Also auf nach Rendsburg. Die rund fünfzig Kilometer sind eine Kleinigkeit.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Rendsburg

Im Nieselregen treffen wir auf dem stadtnahen Platz an der Untereider ein. Kaum den Kassenautomaten gefüttert, Strom angeschlossen und den Fernseher ausprobiert, dann ist Tea-Time. Nicht lange, dann beginnt’s wieder zu nieseln. Als wir in die Kojen huschen, kommt’s wie aus Eimern von oben. „Was machen wir morgen bei dem Wetter?“ will meine Angetraute wissen. „Das sehen wir morgen“, kommt meine Antwort.