Bad Essen Nächstes Ziel ist Bad Essen am Rande des Wiehengebirges. Der Wetterbericht am Sonntagabend hat uns „Sonne pur“ versprochen. Mit ein paar kleinen und unbedeutenden Wölkchen. Er hat Wort gehalten. Am Morgen begrüßt uns ein blauer Himmel. Sonne bis zum Einsetzen der Dämmerung gegen halb fünf. „Entspannung pur“, heißt es in der Eigenwerbung des Sole-Kurortes mit seinen 16 Ortschaften, zwei Schlössern, einer Burg, Wassermühle, Schafstall, Dorfschmiede, Solepark und dem Gradierwerk. Entspannen beim Bummel über den historischen Marktplatz oder im Erfahrungslabyrinth im Kurpark. Möglich ist auch eine Exkursion zu den Spuren der Saurier in Bad Essen-Barkhausen, Eintauchen in die Historie auf dem Kirchplatz mit den Fachwerkhäusern oder ein Trip zur alten Wasserburg. Sehenswert ist der historische Bad Essener Ortskern mit seinen zahlreichen, schmucken Fachwerkbauten und hier vor allem der malerische Kirchplatz mit der St.-Nikolai-Kirche im Zentrum. Aus dem Jahr 1663 stammt der frühere Wehrspeicher, das Kleine Haus. Er wurde zweistöckig errichtet und später um ein weiteres Geschoss aufgestockt. Heute ist er Teil eines gastronomischen Betriebs. Am südlichen Ortsausgang Bad Essens liegt die historische Wassermühle, die das Gemeindewappen ziert. Die Mühle ist heute noch funktionstüchtig und wird gelegentlich zu Mahlvorführungen genutzt.

Zwischen den Ortsteilen Harpenfeld und Wehrendorf befindet sich nördlich des Mittellandkanals das erstmals im Jahre 1146 erwähnte Schloss Hünnefeld. Das heutige Herrenhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert. Unweit von Schloss Hünnefeld liegt im Ortsteil Lockhausen das Schloss Ippenburg. Graf Wilhelm von dem Bussche ließ 1862 bis 1867 das Schloss im Stil der Neugotik errichten. Im Ortsteil Wittlage befindet sich die Stiftsburg Wittlage. Sie wurde im Jahr 1310 auf Veranlassung des Bischofs von Osnabrück erbaut und diente der Sicherung gegen die Grafschaft Ravensberg und dem Bischof von Minden. Von der ursprünglichen Burganlage ist noch der Turm und die Toreinfahrt erhalten. Und . . . Bad Essen gehört zur VarusRegion. Ganz in der Nähe fand 9 n. Chr. die legendäre Varusschlucht statt, bei der die Römer sich mehr als eine blutige Nase holten.

Wohnmobilfahrer wie wir können auf dem Platz nahe des Yachthafens, Falkenburg 3, für sieben Euro einen Stopp einlegen. Mit Stromanschluss (drei Euro). Um diese Jahreszeit vonnöten, denn die Solarplatten auf dem Dach geben nicht mehr viel her. Zum Stadtzentrum ist’s etwas mehr als einen Kilometer. Also laufen wir den Platz auf grüner Wiese an. Unsere Fahrt stoppt vor einem Balken, der die Einfahrt versperrt. „Ganzjährig geöffnet“ hat B0533 im Stellplatzführer angegeben. Weiß der Kuckuck, wo er das her hat. Solange sie denken kann – sagt mir eine Anwohnerin – ist der Platz von November bis Ende Februar dicht. War also nichts mit Übernachten in Bad Essen. Und wäre es möglich gewesen, weiß ich nicht, ob ich die Einfahrt gewagt hätte. Tiefe Spurrillen im weichen Untergrund sind Zeugen eines mühseligen Versuchs, ein festgefahrenes Mobil wieder flott zu kriegen.

Ich wende und zuckele in Richtung Innenstadt. Irgendwo wird’s eine Parkmöglichkeit für mich geben. Ich finde sie auf einem Pflasterstreifen vor einer Schule. Dort ist Pause für den Troll. Für uns gibt’s keine Pause und damit auch keinen Tee. Wir machen uns auf die Socken in Richtung Innenstadt. Drehen eine Runde um die St.-Nikolai-Kirche. Ein wahrer Augenschmaus für den, der Fachwerk liebt. Pikobello in Schuss und mit viel Liebe zum Detail über Jahrhunderte hinweg erhalten. Dann statte ich dem Büro der Touristinfo einen Besuch ab. Erlebe freundliche und hilfsbereite Damen, die sich alle Mühe geben, mich mit weiterem Material zu versorgen. Alles zum Nulltarif. Von diesen Mitarbeiterinnen könnten etliche Verkäuferinen  noch etwas lernen. Sattgesehen und gut bepackt geht’s zum Troll zurück. Dann folgt der Start zum nächsten Halt.

Stadthagen Stadthagen wollen wir als nächste Station anlaufen. Stadthagen, die Stadt der „Weserrenaissance“ am Nordhang der Bückeburger Berge zwischen Deister und Weser, zwischen Weserbergland und Steinhuder Meer. Sehenswert wegen ihrer attraktiven Altstadt mit zahlreichen, teilweise mit großem Aufwand restaurierten, historischen Fachwerkbauten, einigen geradezu klassischen Beispielen der Weserrenaissance. Umgeben von der mittelalterlichen Wallanlage, lässt sich in den Straßen der ehemaligen Residenz- und Universitätsstadt genüsslich bummeln. Sie ist jedes Jahr Ziel von Tausenden von Touristen. Hauptsächlich in den Sommermonaten. Doch selbst jetzt im November immer noch Highlight für zahlreiche Sehleute. Für Sehleute wie uns. Komisch eigentlich, dass wir Touristen schon in einigen Metern Entfernung als solche ausmachen können. Und die uns wahrscheinlich auch. Irgendwie bewegt man sich anders als die Einheimischen, guckt, ja beguckt seine Umgebung intensiver. Das fällt auf. Dazu braucht es keine Kamera in der linken oder rechten Hand.

Wie gehabt benötigen wir eine runde halbe Stunde, um in die Altstadt mit Rathaus und Marktplatz zu kommen. Kehren im „Haus zum Wolf“ ein. Die Mittagszeit ist längst vorüber, der große Zeiger der Uhr steht kurz vor drei. Aber die Küche hat noch eine Viertelstunde geöffnet. Schon zehn Minuten später stehen Bandnudeln mit Curryrahmsauce, Speckböhnchen mit zartem Gemüsedekor und Putenbrustscheiben auf dem Tisch. Danach drehen wir unsere Runde durch die belebte Stadt. Es gibt wieder viel zu sehen. Auf der Bummelmeile mit ihren prächtigen Fachwerkhäusern und zahlreichen Geschäften, rund um den Marktplatz mit seinen oft viele Jahrhunderte alten Bauten und weitere in den schmalen Seitengassen.

In der Jahnstraße 2 beim Freizeitbad Tropicana gibt’s den offiziellen Stellplatz. Mit allem, was sich Womofahrer wünschen. Mit Strom, aber ohne Papierkorb. Entsorgt werden kann nur der Abwassertank und die Toilettenkassette. Laut Stadtinfo nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt. Ich frage mich noch heute, wie anderthalb Kilometer in wenigen Gehminuten zu schaffen sind. Für null Euro könnten wir hier drei Tage lang stehen. Strom (1 Euro für 2 kWh innerhalb von 24 Stunden). Einziger Wermutstropfen: „Kein Signal“ kommt vom Fernseher. Damit auch kein Wetterbericht für morgen. Von meiner Schwägerin erfahre ich im obligatorischem Telefonat, dass es in der Bremer Gegend regnen wird. Das könnte dann auch für uns gelten.

Wer mehr über Stadthagen wissen möchte, findet es unter „Nach Bad Marienberg und zurück“, Fortsetzung 2.