Alfeld Alfeld, auf halber Strecke zwischen Hannover und Göttingen, über 750 Jahre alt und reich geworden durch den Handel mit Hopfen, Bier und Leinen. Die wirtschaftliche Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert ist noch heute an eindrucksvollen Bauten wie z.B. dem Weserrenaissance-Rathaus (1584-1586) und der Lateinschule mit reichem Figurenschmuck abzulesen. Hier ist das Stadtmuseum eingezogen. Nebenan gibt’s das Tiermuseum mit exotischen Präparaten. 1490 wurde das älteste Fachwerkhaus der Stadt in der Seminarstraße 3 erbaut. Sehenswert ist außerdem das von Walter Gropius erbaute Fagus-Werk, das von Deutschland zum Weltkulturerbe nominiert wurde. Die teilweise noch mittelalterlich wirkende Altstadt  wird beherrscht von den Zwillingstürmen der Pfarrkirche St. Nicolai, lese ich im Baedeker. Zu den schönsten Fachwerkgebäuden Norddeutschlands gehört die ehemalige Lateinschule (1610) mit ihren einzigartigen Schnitzereien. Heute ist dort das Stadtmuseum untergebracht. Als wir Alsfeld besuchen, wird das Gebäude (wieder einmal) aufwändig restauriert.

Alfeld hat drei Stellplätze auf einem Parkplatz in zentraler Lage und Rathausnähe. Zum Nulltarif aber auch ohne Ver- und Entsorgung. Mit Strom gibt’s den Platz Am Marktplatz 2. Parken ist kostenfrei. Doch die Anfahrt ist für uns nicht ganz einfach. Straßensperren und Baustellen im Innenstadtbereich behindern das Vorwärtskommen. Machen es teilweise unmöglich. Immer wieder muss ich improvisieren. „Um die Ecke denken.“ Dazu jede Menge parkende Pkw in den ohnehin engen Sträßchen. Dann endlich – auf vielen Umwegen – erreiche in den Seminarplatz. Mit Stellflächen für drei Mobile. Zwei stehen schon dort. So um die fünf Meter lang. Mehr geht auch auf den Flächen im Pkw-Format nicht. Sonst ist alles dicht geparkt. Dicht an dicht im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich versuche es weiter. Kurve langsam durch schmale Gässchen um die Blechkarossen. Komme in die Straße zum Marktplatz und will endlich weiter zum Am Marktplatz 2. Geht aber nicht. Die gesamte freie Fläche vor dem Rathaus ist mit Wochenmarktständen belegt. Daran vorbei zu kommen ist unmöglich. Es gibt nur einen Weg: Zurück. Zurück über eine schmale Straße, viele Pkw am Rand, zurück und zu wenden versuchen. Da hilft uns ein „Engel“ in Gestalt eines älteren Einwohners. „Nächste Straße rechts rauf, dann wieder rechts. Dann liegt ein Stück weiter am rechten Rand ein großer Parkplatz. Da ist immer etwas frei. Ich fahre voraus. Sie folgen mir.“ Das ist ein Wort. Also 100 Meter zurück, dann rechts, dann vorsichtig in die enge und steile Gasse. Ein Rollifahrer steht im Weg und denkt gar nicht daran, einen Schritt zur Seite zu machen. Mit offenem Mund gafft er auf unseren Troll, auf mich hinter dem Lenkrad. Starr wie eine Bildsäule. Aus seiner Begleitung scheint auch jedes Leben gewichen zu sein. Ganz, ganz vorsichtig komme ich an den beiden vorbei. Kaum, dass zwanzig Zentimeter Luft zwischen den beiden Alten und dem Blech vom Troll das unsanfte Berühren vermeiden.

Wenig später stehe ich vor der ausgeguckten Parkplatzeinfahrt. Ein große Fläche zwar, doch ebenfalls völlig zugeparkt. Am Rand zwei leere Mobile mit HI-Kennzeichen. Offensichtlich das „Winterlager“ für die beiden. Am Ende, zur vorbeiführenden Straße hin, entdecke ich eine kleine Fläche, die mit ein bisschen Glück für uns reichen müsste. „Das klappt nie. Das ist viel zu klein“, höre ich meine Ingrid sagen. Vorsichtshalber steigt sie aus und macht den Einweiser. Dann geht’s vor und zurück, vor und zurück und vor und zurück. Ganz langsam. Es ist verdammt eng. Aber schließlich stehen wir, wo wir stehen wollten.

Meine Angetraute hat ein dummes Gefühl. Unsere Seitenwand schneidet mit der Fußwegkante ab. „Was da nachts alles passieren kann.“ Darüber will ich jetzt noch nicht nachdenken. Auf geht’s zur Stadtbesichtigung. Nach einer knappen Stunde geht’s zurück. Mit einer Curywurst im Magen und der Gewissheit: Das tun wir uns nicht noch einmal an. Und weil wir an einer stark frequentierten Straße mitten in der Stadt stehen, quasi in Tuchfühlung mit dem Bürgersteig, wird der Zündschlüssel eingesteckt, umgedreht und gestartet. Wir wollen eine ruhige Nacht und keinen unliebsamen Besuch. Auf geht’s. Nach Bockenem.

Bockenem Bockenem – im Harzvorland zwischen Harz und Weserbergland - besteht im Stadtzentrum nahezu ausschließlich aus Fachwerkgebäuden - der größte Teil aus den Jahren nach 1847. Im Jahr 1847 vernichtete ein Brand über 90 Prozent aller Häuser. Verschont blieben die gotische Hallenkirche St. Pankratius und das Tillyhaus sowie einige Straßenzüge, die sich heute durch ein besonderes Flair auszeichnen. Bockenem, mit seinen heute 17 Ortschaften, hat sich zu einer jungen Fachwerkstatt entwickelt, die neben historischen Bauten einiges zu bieten hat. Von hier ist der Harz in nur wenigen Autominuten zu erreichen – wenn man in keinen Stau gerät. Wir schlendern mit Muse durch die Straßen. Wenn jetzt ein Ritter, ein Knappe oder ein von Kühen gezogener Ackerwagen um die Ecke käme, mich würde es nicht wundern. Wir fühlen uns mit einem Zeitsprung ins Mittelalter versetzt. Hier finden wir vor allem „niedersächsisches Fachwerk“ ohne besondere Ornamente. Das sogenannte „Arme-Leute-Fachwerk“ als Folge des raschen Wiederaufbaus nach dem Brand von 1847.

Um das Jahr 1300 mit dem Stadtrecht ausgestattet, wird dem Besucher auch heute noch der Eindruck einer ehemaligen Ackerbürgerstadt vermittelt. Dazu der große zentrale Marktplatz, die gotische Hallenkirche St. Pankratius, das Tillyhaus und die verwinkelten Gassen. Für Besucher lohnt sich eine Visite im Turmuhrenmuseum, lese ich im Stadtführer. Doch das ist an einem Mittwochnachmittag – an dem wir Bockenem besuchen – nicht möglich. Mittwochs ist „alles dicht“. Die Kirche sowieso, die Ladengeschäfte und auch das Rathaus (von 8–12 Uhr geöffnet). Soll der Gast doch sehen, wo er bleibt. Mittwoch Nachmittag ist „Beamten-Sonntag“. Nix geführte Stadtrundgänge, nix Museum, nix Einkauf. Nur ein Woll- und ein Papierladen durchbrechen die eherne Regel und haben geöffnet.

Alle Regeln durchbrochen haben auf jeden Fall die Mitglieder des Stadtrates samt Bürgermeister und verantwortlichem Architekten. Das neue Rathaus, das sie vor einigen Jahren als wuchtigen dunklen Klotz der geschichtsträchtigen Altstadt aufdrückten, passt weder von der Optik noch von der Ausführung in solch eine Umgebung. Hier wäre nicht nur ein Quentchen, sondern ein ganzer Wagen voll Fingerspitzengefühl angesagt gewesen, um solch eine „Missgeburt“ zu vermeiden. Schade um die Steuergelder, die hier verpulvert worden sind. Damit hätte jeder Architekturstudent  wohl etwas Besseres zustande gebracht. Zugegeben: Der Verwaltung sind hier angenehme Arbeitsplätze geschaffen worden. Doch das hätte man auch mit einem Gebäude geschafft, das besser in solch ein Umgebung passt.