Duderstadt Duderstadt in der üppigen Kulturlandschaft des Eichsfeldes, ist eine der schönsten Fachwerkstädte Deutschlands. Das zumindest behauptet die Eigenwerbung. Und weiter: Das einmalige Stadtbild - die alten Straßen und Gassen verlaufen auch heute noch fast so wie vor rund 700 Jahren - wird von mehr als 600 farbenfrohen Fachwerkhäusern der verschiedenen Stilepochen geprägt. Schmuckvolle Fassaden, jede für sich ein kleines Kunstwerk, sind Zeugen einer großen Vergangenheit. Ornamente, Figuren und Inschriften lassen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert lebendig werden. Der Wesertorturm von 1424 mit seiner gedrehten Haube (aufgrund eines Konstruktionsfehlers) ist das einzige erhalten gebliebene Stadttor von Duderstadt.

Auf dem P+R-Parkplatz Adenauerring gibt’s Platz für 150 Mobile. Schreibt die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstraße. Mit Strom und Ver- und Entsorgung. Maximal einen Kilometer sollen es zum Zentrum sein. Da wollen wir hin. Doch immer, wenn den Autoren die Fantasie durchgeht, stimmt es oft hinten und vorne nicht. Schon beim Ankommen ist unschwer zu erkennen, dass es sich in erster Linie um einen öffentlichen Parkplatz – vor allem für Pkw – handelt. In zweiter Linie für Busse und Lkw. An dritter Stelle kommen dann die Womos. Nach Schätzung können hier wohl 20 bis 25 Mobile parken. Aber danach wird’s eng für die anderen. Und die tolle Sanistation samt Stromkasten ist nur mit Wertmarken zu betreiben. Die gibt’s im historischen Rathaus, im Lotto-Laden neben dem Pennymarkt am Adenauerring und im Jugendgästehaus. Wir schenken uns erst einmal diesen Extragang nach Wertmarken und machen uns statt dessen in die Altstadt auf.

Quer durch den Stadtpark und einer Viertelstunde Beine bewegen sind wir dort. Die „einmaligen Gassen und Straßen“ verlaufen tatsächlich noch so wie vor rund 700 Jahren. Doch 600 farbenfrohe Fachwerkhäuser sind wieder ziemlich hochgestapelt. Zugegeben: Duderstadt hat ein restauriertes Zentrum, farbenfrohe Fachwerkhäuser und schmuckvolle Fassaden, die eine wahre Augenfreude sind. Hat ein paar hervorstechende Seitenstraßen mit prachtvoll gepflegten, historischen Bauten. Wer sich – wie wir – aber weiter ins Innere der Altstadt wagt, die Nebenstraßen und Nebengässchen aufsucht, stellt schnell fest, das hier einiges zu tun ist. Da müsste investiert werden. Investiert unter den Auflagen des Denkmalschutzes. Wer nicht genügend “Kohle“ hat, der fällt hinten runter und überlässt sein Eigentum dem Zahn der Zeit. Das kostet nichts, bringt nichts und am Ende hat der Denkmalschutz auch nichts davon. Irgendwann ist Abriss angesagt. Schade, dass offensichtlich etliche historische Häuser in den zentrumsfernen Seitenstraßen dieses Schicksal früher oder später ereilen wird. Meine Canon hält die schönen Eindrücke fest, das Duderstadt im Sonntagsgesicht. Das Straßencafé in der Fußgängerzone, die mächtige St.-Cyriakus-Kirche, das Rathaus. Es ist eines der ältesten und schönsten Deutschlands. Einst als Kophus (Kaufhaus) gebaut, war es der Marktplatz der Händler. Wie in Bremen die Wallanlagen so umschließt auch ein kompletter Ringwall als grüner Gürtel die Stadt.

In den Mittagsstunden sind wir wieder am Troll. Ohne Wertmarken für die Stromkiste mit ihren halb Dutzend Anschlüssen, ohne Wertmarken für die Sanistation. Statt dessen wird der erste Gang eingelegt, Gas gegeben und weiter geht’s nach Osterode. Auf ins norddeutsche Mittelgebirge. Vorbei an Wiesen und Feldern, an Flüsschen und Wäldern. Die sind nur noch zum Teil bunt. Das meiste Laub liegt bereits an der Erde oder wirbelt bei unserer flotten Fahrt quer ab und hinter dem Troll über die Straße. Der Himmel bleibt zwar den ganzen Tag grau, aber auch trocken. Da lässt’s sich Gas geben. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Platz ist in der Nähe des Aloha Erlebnisbades, Schwimmbadstraße 1, mit Strom. Zwölf Euro nur fürs Stehen. Ganz schön teuer. 1,50 Euro für acht Stunden Strom. Ein Euro fürs Ent- oder Versorgen. Eine gute Viertelstunde vom Zentrum entfernt. Wir sind und bleiben allein auf dem gepflegten Areal hinter dem hohen Maschendrahtzaun. Nicht ganz leise, weil direkt an einer Durchgangsstraße, aber mit großzügig parzellierten Stellflächen auf Betonpflaster.

Osterode Osterode ist das „Tor zum Harz", heißt es in der Eigenwerbung. „Osterode ist der Eingang zu Norddeutschlands schönster Bergwelt. Buntes Fachwerk reiht sich harmonisch aneinander. Jahrhundertealte Bürgerhäuser säumen die Straßen.“ Na gut. Das kommt darauf an, aus welcher Himmelsrichtung der Besucher kommt. Sicher ist, dass die weitläufige Fußgängerzone mit ihren historischen Wirtshäusern, Straßencafés und vielen Geschäften vor allem in der warmen Jahreszeit zum Einkaufsbummel und gemütlichen Verweilen einlädt. Doch selbst jetzt, Mitte November, herrscht noch reges Leben in den Straßen und Gassen. Kein Vergleich mit Duderstadt. Kein Vergleich, was Passanten, kein Vergleich was Bausubstanz angeht. Hier wurde und wird investiert. Nicht ganz so wie in Einbeck, doch immerhin nahe dran. Da macht es Freude, durch Haupt- und Nebenstraßen zu wandern, durch Einkaufsmeilen und Seitengässchen.

In der Selbstdarstellung der Stadt heißt es: „Im Bereich der späteren Stadt Osterode trafen mit der Harzrandstraße und mit den Straßen aus dem Leinetal und aus dem Eichsfeld wichtige Handelswege zusammen. Hier war es auch möglich, die Talaue zu passieren und durch eine Sösefurt in das Lerbachtal und von dort weiter in den Oberharz zu gelangen. Diese günstige Lage im Verkehrswegenetz wird Siedler im 10. Jahrhundert bewogen haben, im Bereich um die heutige St.-Jacobi-Schlosskirche ein Dorf mit einer Kapelle zu errichten.“ Als „villa opulentissima“ (= wohlhabende Siedlung) bezeichnet eine Chronik das Dorf. Doch die Machthändel der Fürsten, der Kampf um Einfluss, Land und Reichtümer ging nicht spurlos vorüber: 1152 wurde Osterode im Zuge einer Fehde zwischen dem Welfen Heinrich dem Löwen und dem Askanier Albrecht dem Bär in Schutt und Asche gelegt.