Eine Stadtmauer braucht Osterode heute eigentlich nicht mehr. Die einfallenden Heerscharen der Touristen sind es, die heute neben Handel und Gewerbe Geld in die Stadt bringen. Und das nicht zu knapp. Zu denen gehören wir auch, obwohl im November der Strom der Sehleute gegenüber den Sommermonaten gewaltig zurückgeht. Doch die, die da sind, sollten auf jeden Fall das Alte Rathaus, die Ratswaage, die Schachtrupp-Villa, das Eseltreiber-Denkmal, das Ritterhaus und die Reste der Osteroder Stadtmauer gesehen haben. Sie wurde 1233 erstmals urkundlich erwähnt. Als ehemalige Verteidigungsanlage war sie etwa 1.700 Meter lang und besaß vier Tore: das Neustädter-Tor, das Jacobi-Tor, das Johannis-Tor und das Marien-Tor, die alle bereits im 19. Jahrhundert abgebrochen wurden. Mittelpunkt ist der von Fachwerkhäusern umgebene Kornmarkt. Die Ratswaage ist das älteste Haus der Stadt (1550).

Wir lassen uns Zeit beim Stadtbummel. Mit der Bildung (Deutsche Fachwerkstraße) geht immer auch ein Geschäftebummel einher. Unser Zuhause im Kreis Osterholz ist voll von solchen Mitbringseln. Vom Schönen „In-die-Ecke-zu-stellen“ oder Praktischem als da sind neuer Rolli für mich oder schicker Schal (mit oder ohne dazugehörige Jacke) für meine Angetraute bis hin zum Lüster, der seit Jahren über dem Wohnzimmertisch seinen Dienst tut. Den haben wir damals in Karlsbad/Tschechien erstanden.

Kurz vor der Dämmerung – die ja um diese Jahreszeit bereits um halb fünf einsetzt – sind wir wieder beim Troll. Meine Ingrid wärmt das Übriggebliebene von gestern auf – Geschnetzeltes mit Pennenudeln, Currysause und „garniert“ mit einer Gekochten (im Süden der Republik heißt die wohl Fleischwurst). Aufs Essen zur Mittagszeit haben wir heute verzichtet, um uns in den Nachmittagstunden möglichst viel Osterode „einzuverleiben“. Es hat sich gelohnt, stelle ich fest. Doch vor Geschnetzeltem und Pennenudeln gibt’s die  - Sie wissen es schon? - die traditionelle Tasse Tee. Der Abend klingt für meine Ingrid vor dem Fernseher und für mich vor dem Laptop aus. „Wer schreibt, der bleibt“, hab’ ich mal in der Schule gelernt. Dabei lässt sich dieser Tag noch einmal erleben. In Bild und Wort. Morgen - am Sonnabend - soll’s dann weitergehen. Nach Wernigerode, der Vorzeigestadt der ehemaligen DDR. Wir sind mehrfach dort gewesen und freuen uns auf ein Wiedersehen.

Noch einmal aber will ich nicht auf den Stellplatz in der Schwimmbadstraße 1. Vom 1. Oktober bis zum 31. März kostet dort das Übernachten zwölf Euro. Nur fürs Stehen ein saftiger Preis. Dazu kommen laut Aushang 1,50 Euro für acht Stunden Strom. Wer’s glaubt, wird selig, heißt es im Sprichwort. 4,50 Euro müssten nach Adam Riese für 24 Stunden Strom reichen. Doch mitten in der Nacht bleibt der Saft weg. Es gibt ein Wort dafür: Betrug. Fürs Entsorgen (4 Minuten) wird noch einmal ein Euro verlangt, Frischwasser (75 Liter?) ebenfalls für einen Euro.

Am frühen Morgen starten wir gen Wernigerode. Anfangs durch noch immer farbigen Laub-, dann durch grünen Nadelwald. Einmal vom Süden in den Norden des Harzes. Erst bei klarer Sicht, doch dunstverhangen. Dann im Nebel, der oft die hundert Meter „Fern“sicht unterschreitet. Aber es bleibt trocken. In Wernigerode stehen wir gern auf dem Großparkplatz Anger/Schloss, Halberstädter Straße/Wegestraße, am Fußgängerzentrum. Für fünf Euro den Tag aber ohne Strom. Hier sind es nur ein paar Schritte (300 Meter) ins Zentrum. Den fahren wir wieder an und wundern uns, dass der doch recht große Platz schon am späten Vormittag fast voll mit Pkw besetzt ist. Nach dem Einparken und der üblichen Tasse Tee, wird die Stadt „gestürmt“. Wir sind zwei von Tausenden von Besuchern in der attraktiven Fußgängerzone.

Wernigerode Wernigerode liegt am Nordrand des norddeutschen Mittelgebirges. In einzigartiger Vielfalt begeistern prachtvolle Fachwerkhäuser die Besucher. Schon Hermann Löns erkannte, dass die „bunte Stadt am Harz“ viele gut erhaltene Kunst- und Kulturdenkmäler, eine große Zahl schöner Fachwerkhäuser aus vier Jahrhunderten und das malerische, hoch gelegene Schloss besitzt, steht im Baedeker, den ich wie so oft zu Rate ziehe, wenn’s um Informationen geht. Eine Perle mittelalterlicher Baukunst ist das Rathaus von 1277, bekannt und geschätzt als Ort der Trauungen in historischem Ambiente. Ursprünglich war es eine gräfliche Gerichtsstätte. Der heutige Bau entstand zwischen 1427 und 1450. An den Außenwänden befinden sich 33 aus Holz geschnitzte Figuren (Heilige, Narren, Gaukler, Spielleute und Tänzer).  Der älteste Teil Wernigerodes ist der „Klint“. Um 1580 wurde das Haus in der Klintgasse 3 gebaut, um 1680 (Haus Nummer 5) die ehemalige Teichmühle (Schiefes Haus). Die Schieflage des Hauses ist wohl die Folge der andauernden Unterspülung der Fundamente. Einige der bedeutendsten Fachwerkhäuser in Wernigerode stehen in der Breiten Straße. Wie z. B. das Café Wien, Nr. 4 (1583) und das Haus Krummel (Nr. 72) aus 1674 mit seiner Fassade und den geschnitzten Pferdeköpfen und Hufeisen über der Tür. Aus der Krellschen Schmiede von 1678 wurde vor Jahren ein kleines Schmiedemuseum.

Hoch über der Altstadt in 350 Metern Höhe thront das Schloss, das Blicke in die fürstlichen Gemächer ermöglicht und ganzjährig mit wechselnden Ausstellungen aufwartet. „Neuschwanstein des Harzes“ ist der volkstümliche Name der im Stil der Neugotik umgebauten ehemaligen Burg aus dem 12. Jahrhundert. Vom Schloss bietet sich – bei klarem Wetter - eine herrliche Aussicht über die Harzlandschaft bis hin zum Brocken. Hinauf geht’s entweder mit der kleinen Bimmelbahn ab Großparkplatz oder auf Schusters Rappen – kurz aber steil. Klares Wetter haben wir aber nicht. Eher trübe Aussicht. Die ehemalige Burg über der Stadt liegt im dichten Dunstschleier. Also lohnt ein Trip dorthin nicht. Trotzdem sind die Bimmelbahnen immer gut besetzt, wenn sie zu ihrer Tour durch die Stadt und den Berg hinauf starten.

Nach unserer Runde über den Marktplatz kehren wir am Nachmittag zum Troll zurück. Wie in den Tagen zuvor, bleibt auch heute der Himmel grau. Kein Sonnenstrahl durchbricht die Wolkendecke. Aber es bleibt wieder trocken. Ein früher Abend kündigt sich an. Wir machen’s uns in unserem rollenden Ferienhaus gemütlich. Mit einer . . . . na, Sie wissen es schon?

Als nächstes Ziel habe ich Halberstadt auf dem Plan. Das streiche ich. In Alfeld haben wir nur unter Schwierigkeiten einen Parkplatz gefunden. In Halberstadt könnte uns Ähnliches passieren. Innerorts gibt’s eine Stellmöglichkeit auf einem Parkplatz am Düsterngraben. Für null Euro und ohne Strom. Manko: Leider oft mit Pkw zugestellt. Das muss ich mir nicht noch einmal antun. Also geht’s eine Station weiter. Nach Osterwieck. Ich habe „Marktplatz“ im Navi eingegeben. Mal sehen, wo wir morgen landen.