Wir bummeln durchs Zentrum, über den Marktplatz und die Fußgängerzone. Gehen bis zur Stadtkirche und mit „Schwenk-marsch“ zum romanischen Kaiserdom von 1135 (Stiftskirche St. Peter und Paul) mit einzigartigem Kreuzgang, dem rätselhaften Jagdvries und dem Grab von Kaiser Lothar III. von Süpplingenburg, seiner Gemahlin Richenza und seinem Schwiegersohn, Heinrich den Stolzen. Zur Zeit seiner Erbauung war dieser Sakralbau der größte in Norddeutschland.

Morgen wollen wir weiter Richtung Norden. Nach Celle an der Aller. 500 Meter sind es vom Schützenplatz, Hafenstraße, in die Altstadt. Für Troll entstehen keine Kosten, dafür gibt’s auch keinen Strom. Ein weiterer Platz ist am Freizeitbad Sportgelände an der 77-er Straße. Dort standen wir schon einmal und hatten mit über sieben Metern Länge echte Probleme. Also werden wir auf unsere Batterien bauen und auf dem Schützenplatz an der Aller übernachten.

Celle Die Residenzstadt mit dem unverwechselbaren Flair wurde vor 700 Jahren gegründet. In der Eigenwerbung liest sich das so: „Heute ist sie eine moderne Fachwerkstadt voller Leben, Aktualität und Tradition. In Celle wachsen die Gegensätze zum harmonischen Gesamtbild, begegnen sich Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Celle ist Vielfalt. Zwischen Tradition und Moderne – Celle gelingt dieser Brückenschlag mühelos.“ Fast 500 aufwändig restaurierte und denkmalgeschützte Fachwerkhäuser bilden das größte geschlossene Ensemble in Europa. In Celle findet sich niedersächsisches Fachwerk in Stockbauweise mit enger Stützenstellung, vorwiegend giebelständige Häuser und Schmuckelemente wie Treppenfries, Laubstab, Zickzackfries, Beschlagwerk und Hausinschriften. Die älteren Häuser mit zum Hof führender Durchfahrt sind Überbleibsel des früheren Ackerbürgertums. Ab 1600 erhielten einige Häuser - zum Teil nachträglich - vorspringende Erker (z.B. am Rathaus) oder bis zum Boden reichende „Utluchten“. Vielfach kragen die Geschosse vor. Mehr oder weniger reiches Schnitzwerk und Inschriften zeigen vor allem die Geschossschwellen. Die Art der Ornamentik lässt dabei Rückschlüsse auf das Alter des Hauses zu.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Ornamentik einfacher und fiel anschließend ganz weg. Statt dessen wurden Fachwerkhäuser den um diese Zeit entstehenden Barockhäusern „angeglichen“. Sie wurden einfach mit einem grauen Anstrich übertüncht. Der verdeckte das Fachwerk fast zweihundert Jahre lang. Erst in neuerer Zeit wurde begonnen, die alten Fachwerkhäuser im historischen Sinn instand zu setzen. Sie wurden mit farbigen Anstrichen ausgestattet, um die Holzkonstruktionen und die Schnitzerein wieder hervortreten zu lassen.

Als Residenzstadt kann Celle eine Reihe imposanter Bauwerke vorweisen. Das Herzogschloss, das aus einer Burg von 1292 entstand. Dazu die Stadtkirche mit barocker Innenausstattung  und das Alte Rathaus (1530-1581) im Stil der Spätrenaissance sind die ältesten Bauwerke. Ein architektonischer Leckerbissen ist das Neue Rathaus, ein eindrucksvolles Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert, das eines der größten Bauwerke dieser Art in Deutschland ist. Nicht zu vergessen. Pferdeliebhaber schätzen Celle als Sitz des Niedersächsischen Landgestüts.

In der Nacht hat es geregnet. Am Morgen ist der Regen in Schauer übergegangen. Wir starten bei grau verhangenem Himmel im Nieselregen. Damit die Stimmung an Bord nicht ebenso grau wie der Himmel wird, habe ich im nahen Supermarkt Brötchen und Zwiebelmett eingekauft. Das ist nicht nur gut für den Gaumen, sondern auch fürs Gemüt. Ein leckeres Frühstück stimmt positiv auf den Tag ein. Mag er noch so mies beginnen. Dann geht’s los. Rund 70 Kilometer rollt der Troll über schmale und breite Straßen. Zwischendurch gibt’s von oben Duschen. Der Scheibenwischer sorgt für klare Sicht.

Beim Eintreffen auf dem Parkplatz am Hafen die nächste Überraschung. Die große Fläche, auf der im vergangenen Sommer mehr als 50 Wagen standen, ist abgesperrt. Mit einem hohen Bauzaun. Bagger und Planierraupen haben dahinter das Sagen. Uns bleibt nur ein Stellstreifen am Pkw-Parkplatz. Sechs Mobile fasst der. Vier stehen dort bereits. Also dürfen wir uns von zweien einen aussuchen. Einen Meter nach links und einen Meter nach rechts ist der verbleibende Raum nach dem Einparken. Das reicht, um bequem die Türen auf- und zuzumachen. Mehr geht nicht. Dafür ist’s diesmal wieder zum Nulltarif. Und so ganz nebenbei erfahre ich, dass die frühere große Fläche für die vielen Besucher mit den vierrädrigen Ferienhäusern perdü ist. „Da werden Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt. Ein Stellplatz ist nach Abschluss der Baumaßnahmen bisher nicht vorgesehen.“ Wenn das durchgeführt wird, hat Celle künftig statt der bisherigen 60 bis 70 Parkgelegenheiten für Wohnmobile künftig nur noch sechs. Glücklich der, der in der Saison dann einen davon erwischt.

Nach dem Einparken geht’s ohne die obligatorische Teepause in Richtung Altstadt. Wir drehen unsere Runde durch die geschichtsträchtigen Straßen am alten Rathaus vorbei bis zum Schloss. Kehren – weil’s wieder einmal feucht von oben kommt – auf eine Tasse Kaffee ein. Dann geht’s im großen Bogen zurück zum Troll. Zum Troll und zur Tasse Tee, die zumindest ein kleines Trostpflaster für diesen trüben, nasskalten Novembertag ist. Schon gegen vier Uhr wird’s dämmrig und ungemütlich. Im Troll sorgt die Heizung für angenehme Temperaturen . . . und Fernsehen geht auch.

Morgen, Mittwoch, soll’s weitergehen. Wieder nach Norden. Nach Salzwedel. Wenn der Wetterfrosch gestern Abend recht hatte, dann müsste zumindest morgen hin und wieder die Sonne durchkommen.

Wer mehr über Celle wissen möchte, findet es unter “Zum Nienburger Spargel und Hermann dem Cherusker“.