Im Land der Moore und Fehnkanäle

Mit dem Wohnmobil vom ostfriesischen Saterland ins Oldenburger Münsterland

Ja, Sie haben richtig gelesen. Es gibt in bundesdeutschen und in den benachbarten Niederlanden die Friesen, die Ostfriesen, die Nordfriesen, die Westfriesen aber auch die Saterfriesen im ostfriesischen Fehnland. Kennen Sie nicht? Müssen Sie unbedingt kennen lernen. Ich war da. Für ein paar Tage. Das muss reichen, um die Sehenswürdigkeiten zu besuchen, um die Eigenheiten dieses „Volksstammes“ zu erkunden. Reicht aber nicht, um die Sprache dieser kleinsten anerkannten Sprachminderheit Deutschlands zu erlernen. Doch für mehr war bei dieser Tour ohnehin keine Gelegenheit. Und wer Saterfriesisch hören will, der muss lange suchen. Nur die Alten kennen und sprechen es noch, wurde mir bei meinen Nachfragen gesagt. Doch es gibt Anstrengungen, die alte Sprache am Leben zu erhalten. In einigen Kindergärten und Schulen, in denen Saterfriesisch zumindest stundenweise gelehrt wird.

Fangen wir mal mit dem Saterland an, der 1974 aus den selbstständigen Gemeinden Strücklingen, Ramsloh, Scharrel und Sedelsberg zusammengelegten politischen Gemeinde Saterland. Im Nordwesten des Oldenburger Münsterlandes im Landkreis Cloppenburg. Auf einer 15 Kilometer langen und ein bis vier Kilometer breiten Sandinsel. Rundherum jede Menge Moor. Wen wundert’s, dass die Dörfer über lange Zeit ziemlich isoliert, will sagen, von der Außenwelt abgeschnitten waren. Wer dorthin wollte – und das waren nicht viele – musste bis ins 19. Jahrhundert Schiffsplanken betreten. Über die Sagter Ems ging’s dann zum Wunschziel. Zwischen 1100 und 1400  - also recht spät – wurde die Gegend von Friesen aus dem heutigen Ostfriesland besiedelt. Umstritten ist allerdings, ob sich nicht schon vorher ein paar Siedler aus dem Westfälischen dort niedergelassen hatten. Erste Urkunden über das Saterland stammen aus dem 14. Jahrhundert.

Dieser Abgeschiedenheit, dieser Isolation über lange Zeit hat das Saterland seine eigene Sprache zu verdanken. Sie entwickelte bzw. erhielt sich als Dialekt aus der friesischen Sprache. Saterfriesisch (Eigenbezeichnung nach Wikipedia: Seeltersk) ist die letzte verbliebene Varietät der ostfriesischen Sprache. In Wikipedia ist weiter zu lesen: „Das Saterfriesische wird in der Gemeinde Saterland nach unterschiedlichen Schätzungen von 1.500 bis 2.500Menschen gesprochen. Damit handelt es sich um eine der kleinsten Sprachinseln Europas.“ Im März 1990 durch Chefredakteur Hans-Heintrich Kümmel mit den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde unter der Registriernummer 91079 überregional gewürdigt: „Wir bestätigen der Großgemeinde Saterland den Rekord der kleinsten Sprachinsel“.

Wikipedia macht’s möglich. Hier eine Kostprobe: Saterfriesisch: Die Wänt strookede dät Wucht uum ju Keeuwe un oapede hier ap do Sooken.Hochdeutsch: Der Junge streichelte dem Mädchen ums Kinn und küsste es auf die Wangen. Noch ein Beispiel: „Baalst du seeltersk?“ – „Sprichst du Saterfriesisch?“

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Strücklingen Doch jetzt soll’s genug sein mit Sprache und Geschichte. Das erste Ziel für unseren Kurzbesuch ist der Reisemobilpark Sagter-Ems in Strücklingen an der Hauptstraße 608 und seit einem Jahr in Betrieb. Besitzer Jerome Plaisir (Nomen est omen: Auf Französisch bedeutet der Name Vergnügen) verspricht einen aufwändig angelegten und schön begrünten Stellplatz für 53 Mobile am Ortsrand. Mit Empfangsgebäude und Servicebereich, mit Liegewiese und im hinteren Teil mit der Sagter Ems. Das Ganze für sieben Euro und jeder fünfte Tag in Folge kostenfrei. Mit der Anmeldung in einem Blockhaus, mit Grill-Kota, Bouleplatz und Paddel-und-Pedal-Station. Dirkvonküste schreibt am 21. April im Stellplatzführer: „Zu Feiertagen reservieren, sonst keine Chance“.

Viel Platz für den Troll
Viel Platz für den Troll

Pfingsten ist vorbei, nun muss ja etwas frei sein. Und es war mehr als etwas frei. Wir konnten uns von rund 25 einen aussuchen. Der war schnell gefunden. Ein herrliches Stückchen Erde. Mit viel Liebe hergerichtet und mit allem Komfort. Einziges Mako an diesem Sommer-Sonnen-Sonntag die unüberhörbaren Motorräder, die auf der Hauptausfallstraße vorüberdüsten. Deren Lenker, kaum die letzten Häuser des Ortes hinter sich lassend, am Gasgriff drehten, als seien sie auf dem Nürburgring. Das ging leider bis in den frühen Abend so.

Sehr gewöhnungsbedürftig auch die sanitären Anlagen. Für 53 Stellplätze (macht rund 106 Personen) zwei Duschen und Toiletten. Dazu eine Behindertentoilette. Dusche und Toilette zusammen in einem großzügig bemessenem Raum. Wenn der „Vornutzer“ duscht und den Rakel zum „Wasserwegwischen“ lässig bedient, läuft der Nachnutzer zur Toilette in einem „Feuchtbiotop“.

Die Schleuse vor dem Museum
Die Schleuse vor dem Museum

Weil wir zeitig ankommen, habe ich eine gute eine Stunde zu warten, um uns anzumelden und die sieben Euro Platzgeld zu zahlen. Dann geht’s auf die Fahrräder und ab Richtung Elisabethfehn. Moor und mehr wird dort geboten. Direkt bei den „Dreibrücken“ zwischen dem Elisabethfehnkanal und dem Bollinger Kanal liegt das Moor- und Fehnmuseum. In einem 1896 erbautem Kanalwärterhaus, einem Fehnhaus und auf einem 1,5 ha großen Außengelände. Highlights sind die Siedlungsgeschichte des Fehngebietes, der Moorlehrgarten mit seltenen Pflanzen des Hoch- und Niedermoores, die Moorarchäologie (Bohlenwege, Moorleiche), die Museumstjalk „Jantina“ das Muttschiff „Johanna“, Maschinen aus der Torfindustrie und Sinnliches für die Füße (ein Moortretbecken). Nach dem Besuch ist Gelegenheit, in der Teestube gleich nebenan „Moortypisches“ zu genießen als da sind Buchweizen-, Ostfriesen- oder Fehnjertorte.