Die Moorkate von Johann Harms
Die Moorkate von Johann Harms

Doch vor dem Genuss steht die Bildung. Wir waren vor Jahren schon einmal hier und staunen, wie sehr sich das Museum verändert hat. Anschaulich die Schaukästen, informativ die Ausstellungsstücke. Die harte Arbeit an der „Pütte“, die später mit Hilfe von zum Teil riesigen Maschinen leichter wurde. Und das Replikat einer Moorkate, der Behausung der ersten Siedler. Die in Elisabethfehn baute Johann Harms vor rund 150 Jahren und zog mit seiner Frau Christina und ihren kleinen drei Kindern Georg, Charlotte und Joachim ins Moor. Die Kolonate waren 80 Meter breit und hundert Meter lang. Um überhaupt ein solches Stück Land zu erhalten, mussten die Siedler Bedingungen erfüllen: Sie mussten sich mit der Landwirtschaft auskennen, innerhalb von fünf Jahren ein festes Haus bauen und regelmäßig Torf als Brennstoff abgraben. Und wo er abgegraben war, konnte man Weiden und Äcker anlegen. Weil das aber zum Leben nicht reichte, mussten die ersten Siedler Nebenerwerbe suchen. Zum Beispiel in der Schifffahrt. Vom Moor zum Meer. Kolonisten wurden Schiffer und Seeleute.

3.500 Jahre alt ist diese Mooreiche
3.500 Jahre alt ist diese Mooreiche

Wer ins Museum will, der muss – ob er will oder nicht – an einer 3.500 Jahre alten Mooreiche vorbei. Gefunden wurde sie im Ipweger Moor. Erstaunlich, wie sich das Holz unter Luftabschluss über diesen Zeitraum erhalten hat. Ach ja, fast hätte ich’s vergessen: Elisabethfehn ist das einstige Innovationszentrum des industriellen Torfabbaus.

Die Fehnkultur war nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Nordwestdeutschland im 17. bis 19. Jahrhundert typisch. Mit einem umfangreichen System von Kanälen und Nebenkanälen wurde das Moor trockengelegt. Der in mühevoller Handarbeit gestochene Schwarztorf war als Brennmaterial gefragte Handelsware und wurde mit Schiffen in die Städte gebracht. Die oberen Schichten, der Weißtorf, wurde mit Sand vermischt Dünger für neu gewonnenes Acker- und Weideland.

Übrigens liegt das Moor- und Fehnmuseum am einzigen noch durchgehend schiffbaren Fehnkanal Deutschlands. Zwar nicht im Guinessbuch der Rekorde zu finden aber immerhin als technisches Kulturdenkmal anerkannt. 1885 begann der Bau. 38 Jahre später wurde der Kanal für den Verkehr freigegeben. Namensgeberin war Großherzogin Elisabeth, Ehefrau des Großherzogs Petter II. von Oldenburg. Um die historische Wasserstraße wird seit anderthalb Jahren gekämpft. Nicht auf dem Schlachtfeld, aber im 400 Mitglieder starkem Verein „Rettet den Elisabethfehnkanal“. Rund 1,8 Millionen Euro werden benötigt, um ihn und die Schleuse Osterhausen zu erhalten. Sie liegt am Kanalende und ist die älteste der vier Schleusen. Stammt aus dem Jahre 1869. Wird sie nicht erneuert, könnte dann das Ende des ganzen Kanals eingeläutet werden.

Früher, das sagte ich eingangs, war das Saterland von unzugänglichen Mooren umgeben. Und Moore prägen auch heute noch das Landschaftsbild. Hier besteht die Möglichkeit, auf weichem Moorboden zu stehen, zu fühlen, wie er bei jedem festen Tritt schwankt. Bei einer Fahrt mit der Torflore des Torfwerks „Moorkultur Ramsloh“ kann der Besucher mehr erfahren. Mehr über die Entstehungsgeschichte der Hochmoore, über Torfabbau und Regenerierung der abgetorften Flächen. In Ramsloh gibt’s außerdem die erst 1999 renovierte „Schoofsche Mühle“ zu besichtigen.

In Scharrel steht der 1870 erbaute Galerie-Holländer. 2002 grundlegend saniert und noch heute voll betriebsbereit. Die gesamte Holzkonstruktion ist seit 1870 unverändert geblieben. Leider ist das Schmuckstück nur an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat geöffnet. Sogar der „Bund fürs Leben“ kann hier geschlossen werden. Trauungen in der Scharreler Mühle sind auf Wunsch in saterfriesischer Sprache möglich. Und an den Wochenenden ist eine Fahrt mit der Museumseisenbahn Ammerland-Saterland zu empfehlen. Nicht zu vergessen die Deutsche Fehnroute, die per Drahtesel über Hunderte von Kilometern durchs flache Land führt. Eine der schönsten Radwanderrouten Deutschlands mit Fehnkanälen, Mooren, Klappbrücken, Windmühlen, Kirchen und Museen auf jedem Streckenabschnitt. In Strücklingen gibt’s zwei Routenabschnitte davon.