Der Stellplatz am Barßeler Hafen
Der Stellplatz am Barßeler Hafen

Barßel Nach dem Sommer-Sonnen-Sonntag begrüßt uns am Montag ein grauer Himmel. Mal nieselt es ein bisschen, dann ist es wieder trocken. Ich wende den Troll und steuere gen Norden. Nach Barßel soll die Reise gehen. Vom Saterland ins Erholungsgebiet Barßel-Saterland. Dorthin, wo Fahrradfahren ebenfalls „in“ ist. Wo die Berge höchstens einen kleinen Deich hoch sind. Wo man – wenn man will – zusammen mit weiteren 54 Passagieren mit der „Spitzhörn“ über die Gewässer gleiten, die Landschaft und seltene Vögel begucken kann. Wir konnten es allerdings an diesem Montag nicht, selbst wenn wir gewollt hätten. Am Schiff hing ein Schild „Heute keine Fahrt“. Im Kasten der Speisenkarte der „Queen of Texas“, dem großen Lokal am Barßeler Hafen hing auch ein Schild. „Heute sind auch wir im Fussballfieber und haben geschlossen. Wir freuen uns, Sie morgen, Dienstag, 17.06. wieder begrüßen zu dürfen!“ Ich frage mich allerdings, warum Fußballfieber hier mit zwei „s“ geschrieben wurde. So heiß kann es doch gar nicht werden, wenn Deutschlands Elf gegen Portugals Kicker antritt.

Angela von Barßel
Angela von Barßel

Beim Gang in die Stadt sagen wir der alten Dame „Angela von Barßel“ guten Tag. Sie ist seit Jahren in der Obhut eines Trägervereins, erfreut sich bester Gesundheit und sticht hin und wieder in See. Mit und ohne Gäste. 1896 wurde die Tjalk in Holland gebaut. Als Schiffstyp der hiesigen Fluss- und Küstenschifffahrt. Diese Plattbodenschiffe hatten keinen Kiel. Deshalb wurden zur Stabilisierung bei Fahrten auf offenen Gewässern und bei Wind „querab“ Seitenschwerter ins Wasser gelassen. So war gewährleistet, dass das Schiff weder kenterte noch seitlich von seinem Kurs abkam. Könnte sogar sein, dass die Angela von Barßel“ unter anderem Namen sogar auf der Soeste und den Barßeler Kanal schipperte. 1876 bis 1890 wurde er gebaut. Der reichte fast bis an den Ortsrand unweit der katholischen Kirche heran. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab man den Barßeler Kanal als Schifffahrtsweg und Hafen auf. In den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde er beim Straßenbau fast völlig zugeschüttet.

Blick vom Troll auf die Soeste
Blick vom Troll auf die Soeste

Barßel selbst hat für wissbegierige Besucher wenig zu bieten, wenn man von der Ebkensschen Mühle einmal absieht. Sie steht seit fast 300 Jahren als weithin sichtbare Landmarke am Ortsrand. Quasi als „älteste Maschine der Menschheit“. „Vom Korn zum Brot“ oder heute „Vom Kern zum Öl“ ist die Formel, unter denen man Mühlen noch erleben kann. Dort waren wir vor Jahren schon einmal. Bei dem Wind, der uns mal von hinten anschiebt, mal von vorn ins Gesicht bläst und einem immer wiederkehrenden Sprühregen verzichten wir auf einen erneuten Besuch und kehren zum Troll zurück. Und – als wenn ich’s geahnt hätte – der Rest des Nachmittags bleibt trocken, wenn auch mit frischem Wind und immer wieder mit kräftigen Böen gespickt. Zwischendurch traut sich sogar einmal die Sonne hervor. Nur für ein paar Minuten, aber immerhin. Am Abend zeigt sich dann blauer Himmel. Aber die steife Brise weht immer noch.

Wir verzichten am Abend auf die Übertragung des Spiels Deutschland-Portugal. Ich werde nicht vom Fußballfieber ergriffen, und an den Fenstern unseres Troll wehen auch keine schwarz-rot-gelben Fähnchen. Keiner unserer Außenspiegel ist in bundesrepublikanische Farben gehüllt. Der Tag klingt aus – wie könnte es anders sein – mit einer Tasse heißen Tee, dem Ausblick auf die immer dunkler werdende Soeste mit ihren Booten und auf das abendlich beleuchtete Barßel. Morgen geht’s weiter. Richtung Freilichtmuseum Cloppenburg.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Cloppenburg Nun lassen wir unseren Troll nach Süden traben. Unter blauem Himmel und bei sommerlichen Temperaturen. Vom ostfriesischen Fehnland ins Oldenburger Münsterland. Nach Cloppenburg soll die Reise gehen. Zum Besuch des Museumsdorfes, das für Mobilisten sogar einen kostenlosen Stellplatz am Randes des großen Parkplatzes bietet. Maximaler Aufenthalt 24 Stunden. Ohne jeden Service. Zwei Wagen stehen dort. Über Tag werden es ein paar mehr. Am Abend aber wieder weniger. Und . . . wir haben ein Loch im Blätterwald der jungen Eichen gefunden, in dem sogar Fernsehen möglich ist.

Dieser Tag wird ein Museumstag. Auch hier haben wir uns vor Jahren schon einmal (oder vielleicht sogar zweimal, das weiß ich nicht mehr genau) die Füße rund getreten. Damals waren wir begeistert. Nun wollen wir das Erlebnis wieder auffrischen. Eintritt sieben Euro pro Nase, und unser Hund ist frei. Ich merke allerdings erst bei der Rückkehr zum Troll, dass ich als Schwerbehinderter (mit Ausweis) ein paar Euro hätte sparen können. Doch mich macht’s nicht arm, und das inzwischen 70 Jahre alte Niedersächsische Freilichtmuseum kann es wohl gut gebrauchen. In parkähnlicher Landschaft, eingerahmt von hohen Bäumen, präsentieren sich uns Baudenkmäler aus den vergangenen 500 Jahren. Die Mehrzahl der über 50 Gebäude stammt aus der alten Kulturlandschaft zwischen Weser und Ems. In Cloppenburg, im Niederungsgebiet der Soeste, wurden sie wieder aufgebaut. Hier zeigen sie die ländliche Alltagswelt. Zu sehen sind auf dem rund 20 Hektar großem Gelände Gehöfte des ländlichen Adels genauso wie die wohlhabender Bauern, armer Landarbeiter und Tagelöhner, Handwerker und Heuerlinge.