Brot frisch aus dem Steinofen
Brot frisch aus dem Steinofen

Dabei geht’s um die Kulturgeschichte aller ländlichen Bevölkerungsschichten. Dazu gehören natürlich auch Gebrauchsgegenstände, Möbel, Hausrat, Kleidung und Arbeitsgeräte. Es gibt Tage, an denen sich Schmied und Töpferin über die Schulter schauen lassen. Wir haben das Erlebnis des Brotbackens im Steinofen. Klar, dass wir mit einigen Laibern aus der Produktion den Rückweg zum Troll antreten. Dabei auch ein echtes Schwarzbrot, das 14 bis 16 Stunden im heißen Ofen durchgebacken wurde. Das liegt nicht nur schwer in der Hand, sondern vielleicht auch schwer im Magen. Wir werden’s sehen. Nicht mehr in Cloppenburg, aber Zuhause. Erst dort wird es angeschnitten.

In der Grönloh-Scheune begrüßt uns ein wahres Monster landtechnischen Erfindergeistes. Das Dampflokomobil der Firma Ottomeyer ist wohl die größte und schwerste Maschine, die je in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Große Fachwerkhäuser mit prächtigem Schnitzwerk zeugen vom Besitzerstolz wohlhabender Bauern. Im Kontrastprogramm dazu die geduckten Häuschen, ja Hütten, der Landarbeiter und Heuerlinge. Hier ist sichtbar, dass Armut und die Sorge um das tägliche Brot vorherrschend waren.

Ich erfahre Geschichten voller Mühsal und Entbehrungen. Über das raue Wetter im Nordwesten, den Hunger von Mensch und Tier, über Holzmangel für den Hausbau, fürs Herdfeuer und fürs Handwerk, über trockene und ausgelaugte Böden auf der Geest und feuchtes bis nasses Ödland im Moor. Doch ich erfahre auch Geschichten voller Zuversicht. Von stolzen Bauherren und tüchtigen Handwerkern, von genügsamen Schafen und fleißigen Bienen, von fruchtbaren Plaggeneschen auf kargem Sand, von beeindruckender Technik und großen Reformen in der Landwirtschaft.

An sechs Plätzen und Gebäuden gibt’s Umweltgeschichten. Von 1.000 Jahren Roggen auf der Geest und ihren Folgen, von Holzverschwendung, von Äpfeln und Birnen und der Angst vor dem „grünen Zeug“, von Bienen und der Wallhecke, der norddeutschen Lösung für Zäune ohne Stacheldraht.

Fahrräder waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im wesentlichen Spielzeuge für gut Betuchte, steht im Flyer für die neuesten Ausstellungsstücke. 200 historische Drahtesel, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Siegeszug antraten, hat das Museum von Gaby und Kalle Kalkhoff erhalten. Eine Sammlung, die die individuelle Mobilität auch auf dem Lande deutlich macht.

Pause im Schatten
Pause im Schatten

Wir runden unseren Museumsbesuch mit Tee, Kaffee, Kuchen, mit Bratwurst, Sauerkraut und Bratkartoffeln im „Dorfkrug“ auf dem weiträumigen Gelände ab. Machen anschließend einen echten Umweg zum Troll, weil ich den verkehrten Ausgang ansteuere und landen endlich leicht abgeschlafft ob der hochsommerlichen Temperaturen an unserer rollenden Ferienwohnung. Noch vor der Tagesschau und dem Wetterbericht stehen wir allein auf dem weiträumigen Parkplatz. Bei einer, nein bei mehreren Tassen Tee kommen wir wieder „in Form“ und genießen einen warmen Sommerabend. Heute Abend will ich auf jeden Fall unsere „Pieper“ anstellen, damit wir bei ungebetenem Besuch gewarnt werden. So ganz allein „auf weiter Flur“, ist doch ein bisschen komisch. Da ist letztendlich Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Morgen Vormittag soll’s dann Richtung Heimat gehen.

Der Mittwochmorgen beschert uns dann wieder den „richtigen“ norddeutschen Sommer. Ein bisschen Wolken, ein bisschen blauer Himmel, ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen. Da kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen. Beim ersten Blick aus dem Fenster – das geht bei Betten in Längsrichtung prima – sehe ich, dass wir in der Nacht Gesellschaft bekommen haben. Nun stehen drei Mobile auf dem weiträumigen Parkplatz. Keine halbe Stunde später – wir sind gerade mit dem Frühstück durch – startet das erste und verschwindet damit aus unserem Blickfeld. Kurze Zeit darauf drehe auch ich den Zündschlüssel um. Rund 120 Kilometer liegen zwischen uns und unserem Zuhause im Kreis Osterholz. Und, obwohl die Autobahn ziemlich voll ist, kein Stau unterwegs. Es läuft „wie geschmiert“. Schon weit vor Mittag sind wir am Ziel. Calle ergreift wieder von seinem Territorium Besitz, wir ergreifen die Sachen, die vom Troll ins Haus müssen. Doch beim Ausräumen müssen wir uns bremsen. Nur nicht zu viel ausräumen. Schließlich soll es in ein paar Tagen wieder losgehen.