Die ersten Siedler rodeten den Wald. Trieben Ackerbau und ihre Tiere in die Wälder. War der Boden erschöpft, wurde der Wald lichter. Das Vieh fraß die jungen Baumtriebe. Gut für Calluna vulgaris, die Besenheide. Ein Großteil zu ihrem Entstehen hat auch Lüneburg beigetragen. Die alte Hansestadt wurde durch den Salzhandel reich. Für die Siedepfannen brauchte man Holz zum Heizen. Den gab’s auf den Flächen der heutigen Heide. Also wurde abgeholzt, was abzuholzen war. Das war das Todesurteil für den Wald. Zurück blieb Brachland. Auf den Ödflächen hatte die Heide ideale Lebensbedingungen. Jahrhunderte lang. Heidschnucken hielten sie durch Verbiss kurz. Verbissen auch aufkommende Saat von Birken und Kiefern. Und mit dem Heidekraut kamen die Insekten. Das machten sich die Heidjer zunutze. Sie züchteten Bienen und holten aus den traditionellen, geflochtenen, runden Bienenstöcken den Honig, der den begehrten Zucker lieferte. Wolle und Honig wurden die Hauptwirtschaftsgüter in der Heide. Noch vor hundert Jahren wurden mehr als 500.000 Heidschnucken gezählt. Dann ging’s bergab. Durch Billigwolle aus Australien. Gräser verdrängten die Heide. Durch natürlichen Anflug wuchs Wald. Rettung für Erika & Co. brachte der Verein Naturschutzpark. Er erhält seit Jahren die rund 9000 Hektar verbliebene Heidefläche. Ach ja, fast hätte ich’s vergessen. Der Himmel blieb bis zum Abend trocken. Ein Sommertag verabschiedete sich mit einem Sommerabend. Aber morgen, morgen soll’s regnen . . . sagt der Wetterbericht.

Am nächsten Morgen kurz vor halb zehn kommt die erste Ladung Touristen mit dem Franken-Express aus KUN. Von oben betrachtet das strahlende Tagesgestirn das Gewusel. Bevor es losgeht, wird erst das Gruppenfoto gemacht. Zeit für mich zu starten. Nach Lüneburg.

Der Lüneburger Hafen mitten in der Altstadt
Der Lüneburger Hafen mitten in der Altstadt

Lüneburg

Lüneburg, das sind winklige Gassen, Backstein- und Fachwerkhäuser, Türme, Brunnen, ein Schloss. All’ das ist märchengeeignet, würden die Brüder Grimm sagen. Lüneburg ist pulsierendes Leben, attraktive Einkaufsstadt. Mit kunstvollen Giebeln und verzierten Backsteinbauten, gotischen Kirchen und einem der schönsten und größten mittelalterlichen Rathäuser Norddeutschlands. Lüneburg ist eine Stadt mit trendigen Geschäften, unzähligen und gemütlichen Kneipen und Studentenstadt. In der Eigenwerbung heißt es „Die schönste Stadt der Welt liegt an der Ilmenau“.

Der Legende nach gelangte Lüneburg vor mehr als tausend Jahren ganz zufällig zu seinem weißen Gold, dem Salz. Jäger folgten einer Wildsau in die Ilmenau-Niederung. Als sie das Tier erlegten, sahen sie, dass die Borsten mit weißen Kristallen bedeckt waren. Sie probierten und schmeckten Salz. Die Quelle, in der sich die Sau gesuhlt hatte, war bald gefunden. Die Stadt wurde vor über 1050 Jahren auf einem Salzstock erbaut. Der reichte bis zum Grundwasserspiegel und bildete so die Sole. Die pumpten die Lüneburger ans Tageslicht und kochten sie in Siedepfannen ein. Bis das kostbare Gut, das weiße Gold, übrig blieb. Das wurde per Schiff entlang der „Alten Salzstraße“ bis nach Lübeck und von dort in die ganze Welt exportiert. Reichtum „brach aus“. Das Salz war es auch, das der Stadt im 14. Jahrhundert die Aufnahme in die Hanse ermöglichte. Mehr als 200 Jahre gehörte Lüneburg diesem Städtebund an.

Hier bauten die Eggers anno 1593
Hier bauten die Eggers anno 1593

Ich bummle gemächlich durch die Straßen mit ihren 1400 denkmalgeschützten Häusern. Lasse mich vom typisch hanseatischen Baustil in den Bann ziehen: der norddeutschen Backsteingotik, den prächtigen mittelalterlichen Patrizierhäusern mit ihren kunstvollen Giebeln. Hier zeigen sich noch heute Spuren des Reichtums vergangener Zeiten. Die Formel „Mons, Pons, Fons“ ist als Symbol der Stadt auf vielen Gullydeckeln und auch als Relief an Hauswänden zu finden. Die Bedeutung der lateinischen Worte geht auf den Ursprung der Stadt zurück. Mons steht für den Kalkberg, auf dem die herzogliche Burg stand. Pons verweist auf die Brücke über die Ilmenau. Fons bezeichnet die Salzquelle, die der Stadt zu wirtschaftlichem Aufschwung und Reichtum verhalf.

Backsteingotik, mittelalterliches Flair und verwinkelte Gassen, das ist auch die Kulisse der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ mit Brigitte Antorius und Gerry Hungbauer. Hier spielt Lüneburg eine Hauptrolle in inzwischen über 1500 Folgen. Die „Heidehauptstadt“ (Eigenwerbung Lüneburgs) trägt damit zum Erfolg des TV-Dauerbrenners bei.

Das prachtvolle Rathaus
Das prachtvolle Rathaus

Kein Besucher – auch ich nicht - kommt am mittelalterlichen Rathaus vorbei. Mit seiner güldenen Uhr und dem Glockenspiel.  Die Baustile der Gotik, Renaissance und Barock prägen den größten erhaltenen Rathauskomplex Deutschlands. Mit seinem in Jahrhunderten gewachsenen Bau und seiner kostbaren Ausstattung zählt es zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Lüneburgs. Noch heute ist das Rathaus Zeuge vom wirtschaftlichen Aufstieg und Niedergang. Weil die ausländische Konkurrenz für den Preisverfall des Salzes sorgte, ging die Produktion an der Ilmenau zurück. Das endgültige Aus kam mit dem Zerfall der Hanse. Seit 2007 darf sich Lüneburg aber wieder Hansestadt nennen und nimmt an den internationalen Hansetagen teil.