Früher Brauerei, heute Industriedenkmal und Museum
Früher Brauerei, heute Industriedenkmal und Museum

Einer der schönsten Weihnachtsmärkte Norddeutschlands ist in Lüneburg. Alljährlich auf dem großen Marktplatz vor den Rathaus. Dann begrüßt der Weihnachtsmann seine Gäste, geben sich Kunsthandwerker, Glühwein und Lebkuchen ein Stelldichein. Am ersten Wochenende im Dezember gibt’s außerdem den historischen Christmarkt um die Michaeliskirche mit historisch gekleideten Bauern, Handwerkern und Händlern aus der Zeit der Renaissance. Nicht zu vergessen: Die inzwischen zweiten Wohnmobiltage fanden in diesem Jahr von 3. bis zum 6. April statt. Mit einem großen Treffen auf den Sülzwiesen.

Dafür komme ich natürlich Mitte August zu spät. Nicht zu spät dran bin ich beim Besuch im historischen Sudhaus der Kronen-Brauerei in der Heiligengeiststraße. Sie war eine von mehr als 80 Braustätten und hielt sich bis 1974. Seitdem gehört sie zur Hamburger Holstengruppe. Das ehemalige Brauhaus im Herzen der Stadt ist heute Industriedenkmal und Gastronomie. Auf drei Stockwerken werden hier Zeugnisse einer Lüneburger Brautradition bewahrt, an deren Beginn der Brauer Thomas Lampe an der Sudpfanne stand.

Backsteingotik am Platz "Am Sande"
Backsteingotik am Platz "Am Sande"

In den Nachmittagsstunden bin ich zurück von meiner Stadterkundung. Mache es mir für den Rest des Tages im Troll gemütlich. Könnte mich eigentlich draußen in die Sonne setzen und den ein- und ausfahrenden Womos nachschauen. Selbst am Nachmittag bis in den späten Abend kommen sie an. Drehen eine Runde und verschwinden wieder. Die Sülzwiesen sind längst bis aufs letzte Fleckchen belegt. Einige von ihnen erbeuten eine Fläche auf dem Pkw-Parkplatz nebenan. Andere versuchen’s im nächstgelegenen Ort. Vom für heute angekündigten Regen keine Spur – bis auf den mittelprächtigen Schauer, der mich für eine knappe Viertelstunde im Eingangsbereich von Karstadt „festnagelte“. Ob der Wetter“frosch“ – also der verantwortliche Meteorologe beim TV – Hellseher ist oder ob er in den späten Nachmittagsstunden meine Zeilen gelesen hat, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall will er, dass seine gestrige Ankündigung korrekt ist und schüttet einen Wolkenbruch über dem Stellplatz Sülzwiesen aus. Mit blauschwarzem Himmel und jede Menge Nass. Und weil er gestern in der Vorausschau nichts von Gewitter und Donner gesagt hat, gibt’s heute auch keinen. Es ist beinahe windstill, als die Sintflut von oben kommt. Glücklicherweise ist nach einer halben Stunde alles vorbei. Die nasse Katastrophe geht in einen Landregen über, und nach einer weiteren halben Stunde ist es wieder trocken. Selbst die Sonne traut sich wieder hervor.

Morgen soll’s weitergehen. Von der „Heidehauptstadt“ zurück in die Heide. Nach Undeloh.  Dort gibt’s zwar keinen Stellplatz, keinen Strom und auch kein WC. Doch ich will mal sehen, wo ich dem Troll eine Pause gönnen kann.

Idyllischer aber kein offizieller "Stellplatz" am Rande von Undeloh
Idyllischer aber kein offizieller "Stellplatz" am Rande von Undeloh

Undeloh

Am frühen Morgen weckt mich die Sonne. Kein Wölkchen am Himmel. Wieder einmal war Regen angesagt. Ob der Wetterprophet daneben lag oder Nass vom Himmel kommt, müssen die nächsten Stunden zeigen. Ich starte, nachdem der Troll aufgeräumt ist. Lenke mein kleines Ferienhaus Richtung Undeloh. Beim Einfahren in die Wilseder Straße komme ich an der 800 Jahre alten Feldsteinkirche St. Magdalenen vorbei. Hier hat sich vor vielen Jahren Dunja Rajter das Ja-Wort gegeben. Glück gehabt. Am Ende des Dorfes, kurz bevor die Kopfsteinpflasterstraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, liegt ein Parkplatz. Für Pkw und was sonst noch vier Räder und einen Motor unter der Haube hat. Drei Euro soll es für einen Tag „Stillstand“ kosten. Die sollen der Erhaltung des Naturschutzgebietes Heide zugute kommen. Steht jedenfalls auf den Hinweisschildern der Parkplätze entlang der Flächen, die von Erika – also gemeiner Besenheide – bewachsen und die Touristenattraktion jeden Sommers sind. Von Anfang August bis zum Tag der Deutschen Einheit im Oktober sind die Kutschen unterwegs. Erst dann müssen sich die Lenker der Zwei-PS-Gefährte nach einem anderen Job umsehen, um über die Runden zu kommen. Ich kann mir heute - wie schon ein paar Mal zuvor - die drei Euro sparen. Im hinteren Bereich unter Birken und Eichen gibt’s Stellflächen en masse. Allerdings ohne jeden Service. Den gibt’s allerdings auf dem kostenpflichtigen Parkplatz auch nicht. So stelle ich den Troll wieder unter den Bäumen auf grasbewachsener Fläche ab. Finde sogar noch ein Loch, wo ich Astra anpeilen kann. Fernsehen ist schon mal gesichert.