Mit zwei PS durch die Lüneburger Heide
Mit zwei PS durch die Lüneburger Heide

Dann geht’s zuerst auf ins Dorf. Vorbei an den Ständen mit heimischen Produkten als da sind Wolle, Felle, Honig, Hochprozentiges aus Honig, Wurst und Fleischwaren aus den vierbeinigen Rasenmähern und natürlich Erika. Besenheide als Kränze, Besenheide als Sträußchen, Besenheide in vielen Variationen. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Als nächstes geht’s hin zu den Kutschen. Sie warten auf Fracht. Die kommt reichlich aus den eintrudelnden Bussen, der fast unübersehbaren Flotte von Pkw und hin und wieder auch von den Wohnmobilbesatzungen. Elf Euro kostet’s heuer, um sich von Undeloh nach Wilsede und zurück schaukeln zu lassen. In dem Gefährt, in dem ich die Gemeinde unweit des Wilseder Bergs ansteuere, schaukeln 20 Passagiere plus Kutscher mit. Genießen die Ausblicke nach links und rechts. Auf Birken, Kiefern und eben auf die lilafarbene Erika.

In Wilsede haben wir alle bis zur Rückfahrt rund zweieinhalb Stunden Pause. Ausreichend Zeit, um zum Wilseder Berg oder zum Totengrund zu wandern. Der übrigens nichts mit Friedhof oder ähnlich Traurigem zu tun hat. Der Name bedeutet vermutlich „toter Grund“. In diesem Tal fließt kein Wasser. Damit war es für die Bauern wertlos, eben „toter Grund“. Ich nutze die Zeit, um zum Totengrund zu wandern. Für mich die schönste Ecke der Lüneburger Heide. Mit einem Ausblick „vom Feinsten“.  Einschließlich der Heidschnucken. Ziemlich weit weg, unten im Tal. Aber hoffe, dass mein Teleobjektiv mir halbwegs brauchbare Bilder liefert. Von den einstmals rund 500.000 Schafen gibt es heute nur noch sieben Herden, die verhindern, dass aus den Heideflächen in ein paar Jahren Kiefern- und Birkenwald wird.

Kutscher haben im Sommer gut zu tun
Kutscher haben im Sommer gut zu tun

Nachdem ich mich nun sattgesehen habe, verlangt auch der Magen sein Recht. Mittagszeit ist längst vorüber. In der Milchhalle mitten im Dorf, Anlaufpunkt von Touristenheerscharen, investiere ich ein Paar Euronen in eine Bratwurst im Brötchen und einen Pott Kaffee. Das muss reichen. Im Troll wird dann das Mittagessen nachgeholt. Noch ein kurzer Abstecher zum Heidemuseum und zum Emhoff mit seinen wechselnden Ausstellungen. Dann wird’s auch Zeit, zum Treffpunkt für die Rückfahrt zu gehen. Und der Daus, ich erwische einen Platz neben dem Kutscher. Nun gut, zwischen dem Fahrzeuglenker und mir sitzen noch zwei Kinder. Auf der anderen Seite noch eine Mutter mit Tochter. Also alles zusammen ziemlich eng. Aber es passt und muss passen, weil sonst nicht alle mitfahren können, die mitfahren dürfen. Dann schaukeln wir alle wieder zurück nach Undeloh . . . und freuen uns an der lila Farbenpracht links und rechts des Weges.

Für den Rest des Sonnentages habe ich es mir dann vorm Troll gemütlich gemacht. Habe Schweinenackensteak in der Pfanne „geschmirgelt“ und anschließend zwischen Brötchenhälften gelegt. In einem Satz: Ein Leben wie Gott in Frankreich.

Der Vollständigkeit halber will ich allerdings auch erwähnen, dass der vom gestrigen Wetterfrosch angekündigte Regen eintraf. In den späten Nachmittagsstunden kam’s feucht von oben. Nur ein paar Tropfen. Nicht genug, um nass zu werden. Aber immerhin. Er hat Wort gehalten. Erst kurz vor der Tagesschau begann es draußen zu pladdern. Nicht lange, aber es reichte, um im Trockenen „Deckung’“ zu suchen. Aber mal ehrlich: Dann kann’s egal sein, um die Zeit stört das doch niemanden.

Der Stellplatz vor der Einfahrt
Der Stellplatz vor der Einfahrt

Soltau

Der nächste Morgen bringt einen Vorgeschmack auf den kommenden Herbst. Mit einem Temperatursturz und kräftigem Wind. Der Himmel voller dunkler Wolken. Die Gott Lob ihre Fracht für sich behalten. Es bleibt trocken. Der Wetterspezialist im Ersten hatte am Abend zuvor kräftigen Regen und heftigen Wind angekündigt. Seine Prognose stimmt zum Glück nur zu 50 Prozent. Schneverdingen habe ich mir für heute auserkoren. Die Stadt, die nach ihrer Eigenwerbung mehr als nur Lüneburger Heide bietet. Nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt, locken laut Touristinfo die allerschönsten Heideflächen der Region. Dazu das Landschaftsschutzgebiet Höpen. Dort befindet sich auch der Heidegarten. Mit über 130 Sorten und rund 120.000 Exemplaren der Calluna vulgaris (gemeine Besenheide) oder auch der Erika tetralix, der weniger verbreiteten Moor- oder Glockenheide. So ausgewählt, dass das ganze Jahr über die Vielfalt blühender Heidesorten bestaunt werden kann. Weil auch ich über solch vielfarbige Pracht staunen will, soll der Troll auf dem Stellplatz an der Inseler Straße Pause machen. Sollte.