Lahntal: Von der Quelle bis zur Mündung

Eine Wohnmobil-Reise vom Rothaargebirge bis an den Rhein

Zu einer neuen Reise mit unserem Troll lassen wir uns vom Lahntal-Tourismusverband in Wetzlar einladen. Per angeforderter Werbebroschüre. Die gefällt uns so gut, dass ich – ohne meine Frau zu fragen – entscheide: Das ist es. Das soll unsere nächste Tour sein. Nach der Darstellung im Flyer eine Entdeckungsreise durch eine urwüchsig-romantische Landschaft, in der es heute noch unberührte Natur und traditionsreiche Kultur geben soll. Ich bin gespannt.

Im Rothaargebirge entspringt die Lahn, die sich rund 245 Kilometer durch das Wittgensteiner Bergland schlängelt. Durch schattige Wälder, die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz und entlang des bekannten Kurortes Bad Laasphe. Das ist unsere erste Station.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Bad Laasphe

Bad Laasphe liegt im oberen Lahntal am Südostrand des Rothaargebirges, einem Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Folgt man der Lahn von der Quelle bis zur Mündung, so ist Bad Laasphe der erste größere Ort an der Strecke. Unseren Troll wollen wir für die kommende Nacht in der Mühlenstraße parken. Von dort ist es nicht weit in die Altstadt.

Anscheinend lockte die Landschaft um Bad Laasphe schon vor unserer Zeitrechnung die ersten Menschen an. Dafür sprechen Reste einer vorgeschichtlichen Wallanlage aus der La-Tène-Zeit auf der Alten Burg hinter dem Schloss der Fürsten zu Sayn-Wittgenstein. 780 wurde erstmals ein Dörfchen „lassaffa“ erwähnt. Der Name bedeutet „Lachsgewässer“ und verweist auf das Vorkommen der Fischart in Lahn und Laasphe.

Burg Widenkindigstein
Burg Widenkindigstein

Rund 400 Jahre später wurde auf dem „Widukind“-Felsen oberhalb des Ortes eine Burg errichtet. Die Burg „Widenkindigstein“ des Grafen Werner von Battenberg und Wittgenstein wird 1187 urkundlich belegt. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Burg und das spätere Schloss immer wieder umgebaut, so dass die heutige Schlossanlage verschiedene Baustile – überwiegend aus der Zeit der Renaissance und des Barock – aufweist. Aus dem Dorf Laasphe entwickelte sich eine Kleinstadt. Das älteste erhaltene Gebäude der historischen Fachwerk-Altstadt ist die sehenswerte Stadtkirche aus dem 11. Jahrhundert mit Gebäudeteilen von 1230.

Kirche: 12. Jahrh.
Kirche: 12. Jahrh.

Wir starten am Morgen bei hellem Sonnenschein, dem ersten seit etlichen Tagen. Einem blauen Himmel, an dem weiße Wolken ihre Bahn ziehen. Ein echter Frühlingstag, der das Herz öffnet und Vorfreude aufkommen lässt. Vorfreude auf das, was uns in den nächsten beiden Wochen erwartet. Das geht so auf der Autobahn von Bremen über Osnabrück bis zu den ersten Ausläufern des Rothaargebirges. Dann bezieht sich der Himmel. Dunkle Wolken wandern vom Westen kommend über uns hinweg. Tropfen fallen, und die Scheibenwischer machen das, was Scheibenwischer eben machen müssen. Sie schaufeln das niederkommende Wasser von der Frontscheibe. Nicht lange, dann hört es wieder auf.

Kasse und Strom
Kasse und Strom

Doch die Regenpause ist kurz. Wolken und Sonne samt ein paar Tröpfchen  hatte ich in der Vorausschau des Deutschen Wetterdienstes gesehen. Geliefert wurde alles: Regen (mehr als ein paar Tröpfchen), Wolken und Sonne. Da kommt dann Freude hinterm Lenkrad auf. Über viele Kilometer zuckele ich hinter einem großen Kübelwagen samt Hänger her. Auf schmaler Bundesstraße. Bergauf und bergab. Keine Chance zum Überholen bei den kurvenreichen und unübersichtlichen Strecken. Endlich biegen wir, dem Navi folgend, auf eine andere Trasse ab und haben wieder freie Fahrt. Kommen nach fünfeinhalb Stunden und etwas über vierhundert Kilometern in Bad Laasphe an. Den Stellplatz zu finden ist kein Problem. Er liegt zentrumsnah und trotzdem ruhig direkt an der Lahn. Klein aber fein. Zwei Mobile stehen auf den insgesamt sieben Plätzen. Wir sind das dritte. Sechs Euro fürs Parken und eineinhalb für die Stromkiste. Wie viel kWh sie uns dafür liefern will, bleibt ihr Geheimnis.

Der Hinweis auf den Platz
Der Hinweis auf den Platz

Danach machen wir das, was wir immer oder meist machen. Tee trinken und ab „ins Dorf“. Bummeln durch die Straßen rund um die evangelische Kirche. Sie ist das älteste Gebäude der Stadt. Kirchturm und Kirchhof 1230 erstmals erwähnt. Der Platz vor ihr ist die Keimzelle von Laasphe. Und wie so oft, sind auch hier in bester Geschäftslage, in der hübsch hergerichteten Fußgängerzone, Schaufenster zugeklebt. Im Gespräch mit einer „Eingeborenen“ erfahren wir warum: „Die großen Supermärkte am Stadtrand machen die kleinen Geschäfte kaputt. Selbst der alteingeführte Hutladen musste mangels Umsatz schließen.“ Und ich will noch wissen, wie ich am besten zur Lahnquelle komme. „Das kann ich Ihnen nicht sagen“, kommt die Antwort, „da gehen die Meinungen weit auseinander und keiner weiß es ganz genau. Auch nach vielen Diskussionen steht die ,echte’ Quelle des Flusses bis heute nicht fest.“ Ich kann mir also den Weg zur Quelle schenken. Ist ja nicht allzu schlimm. Schließlich haben wir die „ganz junge“ Lahn fast direkt vor der Tür des Troll. Das muss reichen.