Erläutert die Reinhaltung des Brunnenwassers (Foto auf der vorigen Seite)
Erläutert die Reinhaltung des Brunnenwassers (Foto auf der vorigen Seite)

Im Mittelalter prägten mehrere prächtige Adelssitze den Ort Niederlahnstein. Hier residierten die Märker. Adlige niederen Ranges, die sich auf den benachbarten Burgen als Burgmannen verpflichtet hatten, um diese zu bewachen und in Kriegszeiten zu verteidigen. Als Gegenleistung für ihre Dienste wurden die Märker von den jeweiligen Burgherren mit Lehen und weitgehenden Rechten ausgestattet. In ruhigen Zeiten lebten sie auf ihren Höfen in Niederlahnstein. Da der Ort selbst weder Burg noch Stadtmauer besaß, umgaben sie ihren Besitz mit einer eigenen wehrhaften Mauer, um ihre Macht zu demonstrieren und Gesindel fernzuhalten. Hier steht auch heute noch das vielbesungene „Wirtshaus an der Lahn“ (Lahnstraße 8) auf Fundamenten aus dem 14. Jahrhundert. Ob es das „richtige“ ist, darf bezweifelt werden. Die Lahnsteiner schwören jeden Eid darauf, dass es das echte ist. Doch das machen auch die Bürger in Dausenau. Die haben ebenfalls ein „Wirtshaus an der Lahn“. Dritte im Bunde ist Marburg. Auch dort gibt es ein „Wirtshaus an der Lahn“. Und die Marburger leisten jeden Eid, dass ihres das richtige ist, auf das sich die Lieder und Verse beziehen, die auf das „Wirtshaus an der Lahn“ gedichtet wurden und gesungen werden.

Infotafel am Stellplatz
Infotafel am Stellplatz

Mir kann’s egal sein. Ich suche ja nicht das „Wirtshaus an der Lahn“, sondern die Mündung der Lahn in den Rhein. Und die finde ich auch. Ziemlich unspektakulär, hundert Meter von einem Industriegebiet entfernt. Still und ohne großen Wellenschlag verschwinden die 245 Kilometer Lahn im Rhein. Der schluckt die Wassermassen, wie er schon zuvor andere Nebenflüsse geschluckt hat. Rund 800 Meter vom kostenlosen Stellplatz „Blücherstraße/Am Rheinufer“ entfernt. Wir steuern die letzten Meter der Lahn im Trio an. Meine Frau, unser Hund und ich. Erst bei fast trockenem Himmel und dann im typischen Landregen, der uns zwingt, nach einer kleinen „Stadtrunde“ wieder zum Troll zurückzukehren. Da der Parkplatz für Mobile und Pkw erstens keinen einladenden Eindruck macht und zweitens keinerlei Service vorhält, sind wir uns schnell einig. Den Regen können wir auch auf einem besseren Platz „abreiten“. Also weiter, weiter rheinaufwärts.

Stellplatz in Braubach
Stellplatz in Braubach

Braubach

Braubach soll nach dem Lahn-Trip das nächste Ziel sein. Wir haben noch ein paar Tage Zeit und wollen sie nutzen. Navi gefüttert und los geht’s. Es ist nicht allzu weit. Unterwegs begleiten uns noch immer ein paar Tröpfchen. Dann versiegen auch die. Der Himmel zeigt blaue „Löcher“, ein paar weiße Wolken und ganz wenig Grau. Wir landen auf einem Platz direkt am Rhein. Wer nicht aufpasst, könnte im Rhein parken. Nur ein Eisengitter steht zwischen Mobil und Wasser. Vor uns der Nibelungenfluss, hinter uns die Marksburg. Die Sehleute in den rollenden Ferienhäuschen werden mit regem Schiffsverkehr verwöhnt. Mit Lastkähnen aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Flusskreuzfahrer kämpfen gegen den Strom bergan oder beschleunigen mit dem Strom gen Nordsee. Inzwischen hat auch die Sonne wieder die Oberhand gewonnen und verwöhnt uns mit einem Sommerhimmel und ebensolchen Temperaturen. Von mir aus hätte es auch ein bisschen kühler sein dürfen. Doch nach mir geht es nicht.

Ein super Ausblick
Ein super Ausblick

Nach dem Essen, nach dem Bezahlen des Platzes (acht Euro) geht es in die Stadt. Durch den Tunnel unter den Bahngleisen und rein ins Mittelalter. Wir kennen das ja: Enge Gassen, alte Häuser und jede Menge Einbahnstraßen. Begegnungsverkehr zum Teil unmöglich. Rosen- und Weinstadt nennt sie sich in ihrer Broschüre. Und fürwahr, am Rhein blühen die Rosen. In hundertfacher, ja tausendfacher Ausfertigung. Verwirklicht hat dies Johann Dennert (1863-1932). Er verkaufte Fahrkarten für die weiße Flotte auf dem Rhein. In den Wartezeiten dazwischen legte er am verwilderten Rheinufer immer neue Beete mit der Königin der Blumen an. Und der Wein hat ohnehin Tradition. Vor über tausend Jahren wurden die ersten Rebstöcke gepflanzt. In steilen Lagen über der Stadt. Am Südausgang der Stadt steht die Philippsburg, ein ehemaliger Fürstensitz aus dem 16. Jahrhundert. Heute eine der größten burgenkundlichen Bibliotheken Europas. 1568 von Landgraf Philipp II. von Hessen gebaut. Bis zu seinem Tode 1584 residierte er hier. Nach dem Tod seiner Gemahlin fiel das Schloss an seine Verwandten. 1823 ging es in Privatbesitz über und gehört wie die Marksburg der Deutschen Burgenvereinigung. Gegenüber ein Renaissancegarten, der mit seiner Bepflanzung, seinen Brunnen und Bänken alten Plänen von 1607 nachempfunden ist.