Und über allem trohnt die Marksburg. Die einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein. Die Herren von Eppstein bauten 1231 die erste Anlage. Die Grafen von Katzenelnbogen gaben ihr das heutige Aussehen. Seit 1900 ist sie in Besitz der Deutschen Burgenvereinigung. Wurde mustergültig restauriert. Der Verein bemüht sich im Rahmen von Führungen, die Besucher von den Klischees der Ritterromantik zu befreien, aber dennoch ein faszinierendes Bild des nicht immer leichten Lebens auf einer mittelalterlichen Burg zu zeigen. Auf Schusters Rappen die Höhe zu erklimmen, wollen wir uns nicht zumuten. Aber – bei ausreichender Teilnehmerzahl von mindestens sieben – fährt eine Bimmelbahn auf den Burgberg. Oder man drückt 35 Euro ab und leistet sich eine Sonderfahrt mit nur zwei Reisenden. Das will ich aber nicht investieren, zumal ja noch der Eintritt in die ehemalige Bleibe der Rittersleut dazukommt. Heute haben wir keine Chance auf die Mindestteilnehmerzahl. Die Bahn fährt nicht. Aber morgen – Sonnabend – könnte es ja glücken, wenn ein Touristenbus Frauen und Männer ins Dorf schwemmt. Mal sehen.

Der Rosengarten am Rhein mit dem Kriegerdenkmal
Der Rosengarten am Rhein mit dem Kriegerdenkmal

Die Nacht beglückt uns mit einem Regenschauer. Wolkenbruch wäre vielleicht die bessere Bezeichnung. Wie aus Kübeln kommt das Nass von oben. Am Morgen nieselt es noch ein bisschen. Dann hört es ganz auf, und die Sonne traut sich hervor. Echtes Ausflugswetter. Doch aus der gemächlichen Fahrt für fünf Euro Richtung Bergkuppe wird nichts. Die Bimmelbahn steht an derselben Stelle wie gestern. Von Einsatz keine Spur. Also machen wir uns auf Schusters Rappen auf den Weg. „So um die zwei Kilometer werden es wohl sein“, bekomme ich zu hören. Es geht bergan, immer bergan auf dem Fußweg an der breiten Ausfallstraße. Nach zwei Kilometern haben wir zwar einiges geschafft, doch der Marksburg scheinen wir keinen Meter näher gekommen zu sein. Die lacht, nein grinst uns aus luftiger Höhe an. Geschafft bin ich auch, obwohl die Temperaturen heute ein erträgliches Maß angenommen haben. Meine Ingrid rät zur Umkehr, denn das steilste Stück des Weges liegt wohl noch vor uns. Also kehren wir um. Gönnen uns, endlich wieder im Ort angekommen einen Capuccino. Mein „Chef“ ersteht im erstbesten (und wohl einzigem) Fleischerfachgeschäft rohe Schinken- und gekochte Schinkenscheiben. Im Gemüseladen gesellen sich noch Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren dazu. Nicht lange, dann steht das erste Spargelgericht dieses Jahres auf dem Tisch. Am Nachmittag folgen die leckeren Erdbeeren, gut mit Zucker paniert und mit Schlagsahne abgedeckt eine echte Gaumenfreude. Und nicht zu vergessen, immer wieder der Blick nach draußen auf den Rhein. Auf Schuten, Ausflugsdampfer und Flusskreuzfahrer jeglicher Größe und Nation.

Während sich meine Frau in der kleinen Küche nützlich macht, gucke ich das nächste Ziel aus. Es muss Richtung Norden, Richtung Heimat gehen. Dabei komme ich auf Frankenberg, mein „Chef“ schlägt Winterberg vor. Also füttere ich das Navi mit Winterberg. Morgen Vormittag gehen wir erneut auf die Reise.

Das ist die Quelle der Lahn
Das ist die Quelle der Lahn

Die Lahnquelle

Es lässt mir selbst im Bett keine Ruhe. Ich kann es einfach nicht glauben, dass keine echte Lahnquelle existiert. Ein Blick in den Autoatlas eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen. Da steht es Schwarz auf Weiß, nein, mehr Grasgrün auf einem Zart-Hellgrün: „Lahnquelle“. Etwa in der Mitte zwischen Siegen und Bad Laasphe. Also doch. Nicht weit davon die Eder- und die Siegquelle. Hat die befragte Dame in Bad Laasphe doch nicht recht gehabt? Morgen will ich der Sache auf den Grund gehen. Darüber schlafe ich ein. Am Morgen begrüßt mich ein blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und  - wie gewünscht – sommerliche Temperaturen. Nach dem Frühstück geht’s los. Richtung Hainchen bei Siegen. Ich hatte „Lahnhof“ im Navi eingegeben, doch den Ort kennt mein kleiner Pilot nicht. Muss mir also merken: In Hainchen nach rechts abbiegen, dann komme ich nach Lahnhof. Dort oder dort ganz in der Nähe muss die gesuchte Quelle sein. Ein Richtungsschild an der Straße hilft mir unterwegs weiter. Da steht Schwarz auf Weiß: „Lahnquelle“.

Und hier fließt sie in den ersten Metern
Und hier fließt sie in den ersten Metern

Bei dem Wetter und dann noch am Sonntag, da sind die Straßen voll. Voll von Ausflüglern zu Fuß, mit dem Motorrad und mit dem Pkw. Und immer wieder sind die Radrennfahrer auf der Straße, auch wenn daneben ein Radweg bester Qualität und glatt wie ein Kinderpopo vorhanden ist. Allein und im Pulk. Einzeln und im Dreierpack nebeneinander. Mit einer Ausstattung, bei der sich jeder „normale“ Radler ein saftiges Bußgeld der Uniformierten einfangen würde. Wegen starken Gegenverkehrs geht’s oft kilometerweit hinter den (meist) Männern im bunten Dress her. Aber irgendwann sind wir da. Sind beim „Forsthaus Lahnquelle“. Ein offensichtlich beliebtes Ausflugslokal „mitten in der Pampa“.