Die Lahn in Limburg
Die Lahn in Limburg

Limburg

Über unseren nächsten Stopp haben wir schon etliches im Fernsehen gesehen, im Radio gehört und in der Zeitung gelesen. In Europa – wenn nicht weltweit - bekannt geworden durch den Protzbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Schlagzeilen hat er mit seiner pompösen Bleibe gemacht. Durch Papst Franziskus vor etlichen Wochen in die zweite Reihe gestellt, wurde er der Öffentlichkeit entzogen. Eine Verurteilung für falsche eidesstattliche Aussagen hatte er durch Zahlung von rund 20.000 Euronen abgewendet. Bei ihm erhalten wir also keine Audienz. Wie von mehreren „Eingeborenen“ bestätigt – und gesehen -, befindet er sich allerdings bereits wieder in der Stadt an der Lahn. Will eine Wohnung mieten.  Ob es nun eine mit goldenen Wasserhähnen wird, lasse ich mal offen.

Hoch über Limburg: der Dom
Hoch über Limburg: der Dom

Ansehen wollen wir uns auf jeden Fall sein ehemaliges, fürstliches Domizil. Und natürlich seinen einstigen Arbeitsplatz, den Dom. Bereits von der Autobahn sichtbar thront er auf einem steilen Felsen über der Altstadt. Ein Meisterwerk rheinischer Spätromantik aus 1206. 1235 durch den Trierer Erzbischof geweiht, war er zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendet. Erst 1280 sind die wichtigsten Bauabschnitte abgeschlossen. Danach wurden kaum Veränderungen vorgenommen. Seit seiner Außenrenovierung (1969-1973) erstrahlt er wieder in der Farbgebung des Mittelalters. Die jüngste Innenrestaurierung förderte in Teilbereichen farbenfrohe romanische Fresken der Original-Raumfassung aus dem 13. Jahrhundert zutage. Damit besitzt Limburg einen Kunstschatz, der in Europa einmalig ist. Das prächtige Taufbecken im Innern stammt noch aus der Entstehungszeit des Gotteshauses. Einigen Lesern dürfte der Sakralbau mit den sieben Türmen bekannt vorkommen. Er war schließlich viele Jahre auf der Rückseite des 1000-DM-Scheins abgebildet.

Der Stellplatz
Der Stellplatz

Einmalig ist auch, dass beinahe das ganze Ensemble mittelalterlicher Stadt-Bebauung fast unversehrt erhalten ist. Aus diesem Grund steht heute der ehemals ummauerte Stadtkern zwischen St.-Georg-Dom, Grabenstraße und der alten Lahnbrücke von 1315 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Die Fachwerkbauten mit ihren reichen, oft figürlichen Schnitzereien entstammen dem 13. bis 18. Jahrhundert. Es sind Burgmannenhöfe, Stiftsherrenhäuser, Wohnhäuser wohlhabender Patrizier, zahlreiche Hallenhäuser, die typischen Geschäfts- und Wohnhäuser der Handelsherren. Unter ihnen auch eines der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands, der 1296 erbaute Römer 1. Und: In der Altstadt wird heute wieder komfortabel gewohnt, gearbeitet, eingekauft und gemütlich flaniert.

Wir versuchen unser Glück auf dem Firmenparkplatz an der Hoenbergstraße. Landen mitten in einem Industriegebiet und weit außerhalb der Stadt. Das kann’s nicht sein. Ich füttere das Navi mit „Schleusenweg 16“, drehe um und starte durch. Eine Viertelstunde später kommen wir am Stellplatz vor einem Campingplatz an. Zum Zentrum von Limburg sind es jetzt nur noch rund eineinhalb Kilometer. Das schaffen wir gut zu Fuß. Nach dem Einparken und Stromanschließen geht’s los. Im hellen Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen. Immer am Kanal entlang bis zur ersten Brücke. Auf der anderen Seite der Lahn beginnt wenige Meter weiter mit einem Linksschwenker die Altstadt. Über allem trohnt der Dom.

Figur an der Kunstbäckerei Hensler
Figur an der Kunstbäckerei Hensler

Mit Kirchen der Gotik wollte man den Himmel darstellen. Wenn man die Vision von Johannes in der Apokalypse liest, trifft sie – so sagt der Domführer – auch auf diese Kirche zu. Es soll der Eindruck vermittelt werden, dass diese Kirche mit den sieben Türmen von oben, vom Himmel herabkommt. Im Innern aber kommt mir der Arbeitsplatz des Protzbischofs allerdings ein bisschen schmucklos vor. Er kann bei weitem nicht an die Basilika in Waldsassen/Bayern heranreichen. Und mir fällt auch auf, dass selbst die einfachsten, einfarbig schwarz ausliegenden Faltblätter zum Dom und seiner Geschichte Geld kosten. Je farbiger sie werden, um so teurer sind sie auch. Auf diese Weise lassen sich doch die von Franz-Peter Tebartz-van Elst verbauten 35 Millionen für seine Residenz nicht wieder hereinholen.

Ins Mittelalter versetzt fühlen wir uns, als wir den Bummel durch die Altstadt machen. Kein Wunder, dass Städte bei einem Brand in Schutt und Asche fielen, wenn das Feuer über die engen Straßen und Gassen von Haus zu Haus springen konnte. Für uns – und viele tausend andere Besucher – heute eine Augenweide und ein Erlebnis der besonderen Art. Nur wohnen – ganz ehrlich – wohnen wollte ich hier nicht. Da ist mir mein Zuhause mitten im Dorf, mitten auf dem platten Land lieber. Wir bestaunen das Denkmal des Friedrich von Hanstein. Die Kraft des Raubritters war gefürchtet. Er konnte ein ganzes Weinfass mit 160 Litern Rebensaft stemmen. Mit Schweiß auf der Stirn – aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen – kehren wir am Nachmittag zurück zum Troll. Dann beginnt – endlich – die Teestunde, auf die wir beim Ankommen in Limburg verzichteten.